CafeTran Espresso 2015

Heute stellen wir einmal ein relativ neues und unbekanntes CAT-Tool vor – CafeTran Espressp.

CafeTran wird seit rund 10 Jahren von Igor Kmitowski aus dem polnischen Kołobrzeg entwickelt. Es ist – wie auch Swordfish, OmegaT, Heartsome oder Wordfast Pro – ein javabasiertes Programm. Anders als das lustige Programmsymbol vermuten ließe, ist CafeTran ein vollwertiges und äußerst leistungsfähiges CAT-Tool oder TenT.

CafeTran bietet viele nützliche Funktionen, die von anderen CAT-Tools nicht geboten werden. Dazu zählen folgende Punkte:

  • die Auto-Completion-Funktion funktioniert und überzeugt vom ersten Segment an – und auch bei großen TMs wird eine angemessene Auswahl von passenden Einträgen angeboten. Spätestens wenn man nach längerer Arbeit mit CafeTran auf andere Programme umsteigt, bemerkt man den Unterschied und Produktivitätsverlust
  • die Programmoberfläche lässt sich umfassend und fast beliebig anpassen und zusammensetzen – z. B. auch mit schwebenden Fenstern
  • viele Funktionen – das Einrichten eines Projekts, das Hinzufügen von Segmenten, Wörtern oder Wortgruppen – funktionieren (optional) ganz einfach per Drag&Drop
  • bestechende Funktionen wie Untersegment-Lookup und Auto-Assembling
  • Übersetzung von PDF-Dokumenten
  • OpenOffice als optionaler externer Editor
  • als Alleinstellungsmerkmal ist ein direkter Import von iWork-Dateien möglich
  • die Total-Recall-Funktion ermöglicht die relativ problemlose Einbindung von TMs mit Hunderttausenden oder Millionen von Segmenten. Große TMs werden nicht einfach eingebunden, sondern in einem gesonderten Durchlauf (mit individuell einstellbaren Parametern) mit dem Dokument abgeglichen, um aus dem großen TM ein temporäres TM zu erstellen
  • externe TMs können auch über einen Rendezvous Memory Server eingebunden werden
  • bei der Filterfunktion werden optional die umgebenden Segmente der gefilterten Elemente angezeigt
  • ein umfassendes QA-Modul
  • äußerst nützliche Funktionen wie das Auflisten häufiger Wörter oder das Auflisten von Wörtern, deren Rechtschreibung dem Hunspell-Modul und dem eigenen Benutzerwörterbuch unbekannt ist
  • umfassende und flexible Suchfunktion
  • Kompatibilität zu SDL-Studio-Paketen sowie u. a. den Formaten *.sdlxliff (Studio), *.txml (Wordfast) und *.mqxliff (memoQ).
  • integrierter PDF-Reader zum Abgleich mit dem Quelldokument
  • gute Zusammenarbeit mit Dragon Naturally Speaking unter Windows – auf dem Mac läuft das Programm in Zusammenarbeit mit Dragon Dictate immerhin leidlich gut (was aber eher an den Schwächen von DD liegt). Mac Dictation soll laut Hans Lenting ganz gut funktionieren, allerdings ist Dictation ebenso wie maschinelle Übersetzung oder das Windows-10-Pendant Cortona aus Gründen der Vertraulichkeit mit etwas Vorsicht zu genießen (Ergänzung: Hans Lenting hat an anderer Stelle auf die Möglichkeit der erweiterten Diktierfunktion unter Mac OS X hingewiesen, die offline funktioniert – mehr zu dieser Funktion findet man hier).

Eine mögliche Konfiguration: Links oben maschinelle Übersetzung, rechts oben TM und (hier allerdings leeres) Glossar), unterhalb die Internetsuche.

CafeTran bietet eine sehr umfasende Dokumentation in Form eines geschlossenen Wikis. Hinzu kommt eine sehr aktive und hilfsbereite Mailingliste bzw. seit einigen Monaten auch ein Forum.

Fast alle Funktionen von CafeTran lassen sich nach eigenem Belieben einstellen und austarieren – das würde man sich bei einigen Konkurrenten auch wünschen.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile.

  • Der Bus-Faktor ist ernüchternd. Wenn Igor Kmitowski etwas passiert, schauen CafeTran-Anwender unter Umständen in die Röhre. Das klingt makaber, ist aber genau das, was vor längerer Zeit die Entwicklung von DéjàVu nachhaltig gehemmt haben soll. Mit der neuen Version Espresso 2015 – und einer Umstrukturierung im Hintergrund – steht jedoch der Schritt in Richtung einer zusätzlichen Professionalisierung in Aussicht.
  • Die Menüstruktur bedarf m. E. etwas mehr Ordnung. Manche Basisfunktionen „verstecken“ sich in Untermenüs. Wenn man sich in CafeTran einarbeitet – und (wie Jost Zetzsche bereits vor Monaten schrieb) CafeTran ist komplex genug, um sich einarbeiten zu müssen – ist das kein Problem mehr, zumal das Programm eher auf Tastaturarbeit denn auf Maisschubsen ausgelegt ist. Fast jede Funktion ist mit einem (konfigurierbaren) Tastaturkürzel belegt. Für Anfänger ist das Menü jedoch manchmal irritierend.
  • Die Dokumentation ist – wie gesagt – sehr umfassend, könnte aber m. E. deutlich besser strukturiert sein, und sie enthält leider auch einige Lücken. Hier und dort muss man auch einmal um die Ecke denken, um bestimmte Funktionen zu entdecken, die dann im Gegenzug wieder genial erscheinen.
  • Einige Funktionen sind noch nicht oder nur mangelhaft dokumentiert. Das heißt, dass es die Funktionen zwar gibt, man aber nur durch Zufall oder durch Nachfragen auf der Mailing-Liste oder im Forum darauf stößt.
  • Alle Office-Dateien im binären Format (also doc, xls, ppt) müssen in ein XML-Format (also docx, xlsx, pptx oder in ein OO-Format) umgewandelt werden. Benutzer der oben genannten javabasierten Programme kennen das schon.

Wer als Linux- oder Mac-Anwender weitestgehend auf virtuelle Maschinen verzichten möchte, erhält mit CafeTran auf jeden Fall eine sehr gute, vollwertige und empfehlenswerte Alternative zu Swordfish, OmegaT und Heartsome (kleiner Exkurs: Die Beta-Version von Fluency Now enttäuscht aufgrund fehlender Basisfunktionen und bei Wordfast lässt der seltsame, ein dezentes Schenkelklopfen auslösende Hinweis Most of the Mac issues can be solved by creating a new user account and installing Wordfast on it auf eine eher stiefmütterliche und von Unkenntnis geprägte Behandlung der Mac-Benutzer schließen).

Neu ist das Lizenzmodell von CafeTran. Die Demoversion erlaubt nunmehr bis zu 1000 TM-Segmente und bis zu 500 TB-Einträge – und das zeitlich unbegrenzt. Damit wird eine absolut funktionsfähige Umsetzungsumgebung für kleine Projekte geboten.

Eine Lizenz gilt für zwei Installationen. Sie kann als Abonnement auf Jahresbasis oder für drei Jahre erworben werden und umfasst alle Upgrades innerhalb dieses Zeitraums. Der Support funktioniert tadellos und beispielhaft.

Weitere Informationen und Screenshots gibt es in diesem Artikel von Hans Lenting im ADÜ-Infoblatt (S. 12-16) oder im (reaktivierten) Weblog von Hans van den Broek.

11. September 2015, 14:03 · Kommentar/e [1] · Kategorien & · Tags , ,

Übersetzen von memoQ-Dateien in SDL Trados Studio

Vor gar nicht so wenigen Jahren war die Kompatibilität von CAT-Programmen so eine Sache. Man konnte ein Dokument und eine TM austauschen und musste auf eine ähnliche Segmentierung und die Fuzzy-Match-Funktion des eigenen Programms hoffen.

Schon bei den ttx-Dateien, die von Trados 2007 erstellt werden, ließ sich bereits sehr gut Abhilfe schaffen. Mittlerweile bieten alle vernünftigen Programme die Möglichkeit, XML-Dateien in der einen oder anderen Form auszutauschen, wobei gerade Trados-Anwender – OpenExchange hin oder her – beim Thema „Interoperabilität“ nachts immer noch still in ihr Kissen weinen sollen.

Spaß beiseite: Es braucht zwei Seiten, um einen memoQ-Datei in SDL Trados Studio bearbeiten zu können – den Kunden, der eine Datei exportiert oder vorbereitet, und einen Kollegen, der die Datei öffnet. Mögliche Fehler kann es auf beiden Seiten geben. Ich hoffe, in dieser kurzen Übersicht beide Seiten gebührend zu berücksichtigen.

mqxliff

Am einfachsten gestaltet sich das Vorgehen bei mqxliff-Dateien. Der Absender exportiert die Datei genau so wie nebenstehend markiert. Bei diesem Format ändert der Empfänger die Dateiendung vor dem Import in Studio von mqxliff in xlf um und kann die entsprechende Datei dann importieren und bearbeiten.

Für die mqxliff-Endung gibt es auch eine OpenExchange-Erweiterung für Studio 2014. Das erschließt sich mir weder in die eine noch in die andere Richtung. Denn das Umbenennen einer Datei ist ja nicht sooo schwer und andere – selbst „exotischere“ – Tools erkennen und verarbeiten mqxliff-Dateien durch integrierte Filter, ohne weiteren Hokuspokus veranstalten zu müssen.

Dankbarerweise enthält das Dialogfeld seit dem letzten Build die Auswahlmöglichkeit Einfaches XLIFF für andere Tools, um zumindest beim memoQ-Anwender die Gefahr eines PEBKAC einzudämmen. Experten, die eine Datei als mqxlz exportieren und die Endung in mqxliff ändern, gibt es vermutlich trotzdem …

mqxlz

Auch mqxlz-Dateien sind keine Hexerei. Hier muss der Empfänger die Endung in zip umbenennen und die Dateien entpacken, um die mqxliff-Datei wie im vorstehenden Absatz beschrieben zu importieren und zu bearbeiten. Mit einer solchen Datei können memoQ-Anwender – das sei hier nur am Rande vermerkt – das Dokument nicht nur selbstständig verarbeiten, sondern sie verfügen außerdem (jetzt nochmals ganz tapfer sein, liebe Studio-Anwender!) über Live-Vorschau, Versionsverlauf und eine Strukturdatei, die ihnen einen reibungslosen Export des Zieldokuments ermöglicht. In memoQ, versteht sich.

Wird auf dem oben angezeigten Dialogfenster auch nur eines der drei Kontrollkästchen unter der ersten Option angeklickt, wird die Datei mit der Endung mqxlz exportiert. Die Umbenennung der mqxlz-Dateiendung in mqxliff oder xlf macht die Datei schlicht unbrauchbar.

Zweisprachige Tabelle

Jedes Dokument lässt sich aus memoQ als zweisprachige Tabelle im rtf-Format exportieren. Dementsprechend kann der memoQ-Anwender ein Dokument vorbereiten, indem er alle Quellsegmente in die Zielsegmente kopiert und die Datei als zweisprachige Tabelle exportiert. Auf den Export der Spalten ‚Segmentstatus‘ und ‚Kommentar‘ kann er in einem weiteren Dialogfeld verzichten. Nachteile hat diese Vorgehensweise bei Texten mit vielen Tags (weil diese nicht ganz so komfortabel zu handhaben sind wie bei den oben genannten Verfahren, auch wenn mit RegEx einiges möglich wäre) und bei partiell übersetzten Texten. Zudem darf der Trados-Anwender die Spalte mit den Quellsegmenten nicht ändern, er muss diese beim Import ausschließen (was bei Trados nicht so leicht ist wie bei memoQ, aber das nur am Rande …). Der Vorteil besteht darin, dass die Kommentare hier (je nach Vorgehensweise) in der Live-Vorschau sichtbar bleiben. Alternativ kann der memoQ-Anwender eine Ansicht nur aus kommentierten Segmenten erstellen, als zweisprachige Tabelle exportieren und der mqxliff-Datei ergänzend beigeben.

Zweisprachiges Word-Dokument

Bliebe noch das gute alte Trados 2007-Format als zweisprachige doc-Datei. Davon würde ich bei aufwendiger formatierten Texten grundsätzlich abraten, zumal die vorstehenden Möglichkeiten hoffentlich ausreichend sind.

Diese kurze Übersicht war hoffentlich erhellend und hilfreich. Immerhin kann man damit auch Transit-Pakete (allerdings ohne TM und TB, die separat exportiert und importiert werden müssen) über memoQ erfolgreich in Studio importieren.

7. April 2015, 17:41 · Kommentar/e [3] · Kategorien & · Tags , ,

memoQ 2014 R2

Es ist immer ein Kreuz mit den Versionsbezeichnungen beliebter Programme. Werden diese nämlich mit der Jahreszahl verknüpft, so kann es einerseits passieren, dass die Version schnell veraltet „klingt“ – wer will im Jahr 2015 schon mit einem 2014-er Programm arbeiten? – und dass andererseits die nächste Programmversion im gleichen Jahr sich namentlich schon unterscheiden sollte. Kilgray geht schon seit letztem Jahr bei memoQ den Weg, die zweite Version mit dem Kürzel R2 zu versehen (ein Schelm, wer dabei an R2-D2 denkt), auch wenn Version 2014 R2 erst Ende November veröffentlicht wurde.

Aber nichts für ungut – vor rund vier Monaten ist diese Version eben erschienen und hat einige neue Funktionen auf den Weg gebracht. Die augenfälligste Änderung ist das Menüleistenband – neudeutsch auch Ribbon genannt. Dieses Band, das in Office oder in Trados Studio bereits Einzug gehalten hatte, ist nach Arbeitsabläufen strukturiert (wenn auch in Einzelfällen nicht immer logisch): Projekte, Dokumente, Vorbereitung, Übersetzung, Überprüfung, Bearbeiten, Ansicht und Schnellzugriff. Hinzu kommt eine Schnellzugriffsleiste ähnlich wie bei Office. Für diese Strukturierung würde sich der geneigte Benutzer vielleicht etwas mehr Redundanz wünschen – und natürlich die Möglichkeit, die Leisten nach eigenem Geschmack zu verändern (bzw. im Notfall auch wieder zurücksetzen zu können). Am störendsten ist wohl, dass die Rechtschreibprüfung unter der Registerkarte ‚Übersetzung‘ zu finden ist. Die Meinungen über diese Leiste mögen auseinandergehen, die Lernkurve ist dennoch sehr steil. Anders ausgedrückt: Man gewöhnt sich schnell daran.

Eine weitere, für den Freelancer sehr interessante (und bereits mit Version 2014 eingeführte) Möglichkeit ist die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Das geschieht mit selbst definierten Projektvorlagen, mit denen meinen Projekten z. B. bestimmte Namen zugewiesen werden (der als Variablen beispielsweise Kundenname, Fachbereich und Datum enthält) und automatisch bestimmte TMs und TBs zugeordnet werden, Abläufe wie die Vorübersetzung automatisch erfolgen und genauso nach Abschluss des Projekts bestimmte Dateitypen (ein- oder zweisprachig) erstellt werden, ohne selber Hand anlegen zu müssen. Diese Abläufe können zu verschiedenen Zeitpunkten eingefügt werden – bei Erstellung des Projekts, vor oder nach dem (erneuten) Import eines Dokuments, nach Abschluss des Projekts oder bei Entfernung eines Dokuments.

Der neue TM-Editor wartet mit einer ganzen Reihe neuer Funktionen auf. Dazu gehören die Ersetzung von Metadaten, das Filtern und Sortieren der TM-Einträge, oder die Markierung bestimmter Segmente. Ebenso ist ein einfacherer Editor für die Segmentierungsregeln mit an Bord.

Als weitere Option können jetzt auch SDL WorldServer-Pakete importiert und als Rücksende-Pakete ausgeliefert werden.

Bereits mit Version 2014 waren verschiedene, sehr interessante Funktionen eingeführt worden:

  • nahtlose Übersetzung eingebetteter Bilder und Dateien/Objekte (zum Beispiel Excel-Tabellen in PowerPoint-Präsentationen)
  • ein Filter für Photoshop-Dateien
  • Umbenennen von Projekten und Ressourcen
  • Warnung bei einem bereits in der Terminologie-Datenbank enthaltenen Begriff
  • eine Vorschaufunktion auch für sogenannte Ansichten (das sind die virtuell zusammengefügten Dokumente innerhalb eines Projekts)
  • flexibleres Tag-Management
  • Terminologie-Import aus Trados- und Transit-Projekten
  • Integration der Grammatikprüfung aus Microsoft Word
  • einfacheres Entfernen von Duplikaten aus TMs und TBs
  • neue tabellarische Übersicht der Dokumente in der Projektzentrale (mit Angabe des Pfads usw.)
  • Segmentierung “on the fly” – damit können problematische Segmentierungen bereits während des Übersetzungsprozesses angepasst werden
  • Aufzeichnen der Bearbeitungszeit

Hinzu kommt eine engere Verzahnung mit Language Terminal, einem cloud-ähnlichen Dienst von Kilgray. Damit können auch Benutzer der Einzelplatzversion verschiedene Aufgaben ein eigenes Projektmanagement umsetzen.
Language Terminal bietet immerhin eine kostenlose Konvertierung von InDesign-Dateien. Es ist davon auszugehen, dass Kilgray dieses Cloud-Angebot deutlich ausbauen wird.

Für die Server-und PM-Version gibt es übrigens viele weitere Funktionen, die mit den beiden 2014er-Version eingeführt wurden. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch interessant, dass es mit der neuen Version nur noch eine Art von Online-Projekten gibt.

Kritikpunkte

Auch diese Version weist einige unrunde Kleinigkeiten auf, an denen sich vortrefflich mäkeln lässt.

  • Wie oben bereits angemahnt – die Menübandleiste sollte angepasst werden können und zugleich eine Rückstellungsoption bieten.
  • Beim Import einer einsprachigen Korrektur des Zieltextes – eines der Alleinstellungsmerkmale von memoQ – muss das Dokument geschlossen sein, andernfalls wird ein Dialogfenster geöffnet, das eben darauf hinweist. Warum dieses Dialogfenster nicht – wie bei anderen Funktionen des Programms – die Option anbietet, das Dokument zu schließen, ist ein sehr, sehr kleines, aber leider beständiges Ärgernis.
  • Die Projektvorlagen sind eine feine Sache, man wünscht sich nur – getreu dem „Kleiner-Finger-ganze-Hand“-Prinzip – dann natürlich noch ein paar Optionen mehr.

Quintessenz

Mit jeder Version sattelt memoQ die eine oder andere sinnvolle Funktion auf. Nicht jedes Mal der ganz große Wurf, aber es geht stetig & zügig voran und die Änderungen und Erweiterungen sind immer sinnvoll genug, um ein Upgrade durchzuführen. Zumal der Anwender froh ist, sich nicht völlig umstellen zu müssen – eine gewisse Kontinuität also gegeben ist (zur Verunsicherung reichen dann schon Kleinigkeiten wie die Menübandleiste).

Auch weiterhin gehören der ausgesprochen problemlose Betrieb und die umfassenden Möglichkeiten der Interoperabilität zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen von memoQ. Beispiel: Während ein memoQ-Anwender keine Probleme hat, Studio-Dateien oder -Pakete zu bearbeiten, ist das umgekehrt derzeit fast ein Drama, auch weil SDL diesen Dateitypen offiziell nur mithilfe einer Open-Exchange-Erweiterung bearbeiten kann (inoffiziell – aber legal und auch technisch sauber – gibt es natürlich einfachere Wege). Ganz zu schweigen von Transit-P’aketen (tja, manchmal müssen Trados-Anwender halt ganz, ganz tapfer sein).

Ein Schwerpunkt der Entwicklung liegt derzeit auf der Server-Version, die einem Freelancer nur bedingt zugute kommt. Allerdings gibt es bereits den Versuch, die Lücke zwischen Freelancer- und Server-Version zu schließen, denn nicht wenige Kollegen lagern einen Teil ihrer Arbeit (zumindest den, bei dem sie muttersprachlich nicht qualifiziert sind) aus, und die Server-Version bietet wirklich einige Vorteile.

Siehe auch

2. April 2015, 12:23 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , , ,

Heartsome wird Open Source

Gestern hat Heartsome seinen Rückzug aus dem CAT-Geschäft verkündet:

We regret to inform you that we have made a tough decision in view of our financial situation at Heartsome: Heartsome will cease operations on July 31, 2014. On that day, Heartsome will shut down its website and stop all development, sales and technical support work. We hereby sincerely apologise for any inconvenience and trouble. In the last few years, we have failed to achieve our mission despite putting in tremendous effort. We hope to make our last contribution to the industry by making Heartsome products open source to allow capable individuals to continue developing and improving these products to benefit more people in the industry.

Das ist natürlich ein kleiner Paukenschlag. Was heißt das (sofern die Software wirklich offen gemacht wird):

  • Es gibt endlich eine komplette Übersetzungssuite als Open-Source-Paket. Das ist prima. Heartsome 8.2 hat zwar einige Macken, ist m. E. aber anderen Lösungen wie Wordfast Pro, OmegaT oder across mehr oder weniger deutlich überlegen. Stichwörter sind Interoperabilität und Bedienungsfreundlichkeit.
  • Eine spannende Frage ist, ob sich eine Gemeinschaft aus Entwicklern und Nutzern rund um dieses Produkt entwickeln wird. Ich bin da verhalten skeptisch, weniger hinsichtlich der Nutzerzahlen als vielmehr, was die Entwickler angeht.
  • Diese Entscheidung setzt auch die Anbieter ein wenig unter Druck, deren kommerzielle Produkte bislang in erfolgreicher und direkter Konkurrenz zu Heartsome standen: Swordfish und CafeTran. Ob und inwiefern die Produkte von dieser Entscheidung profitieren (können), sollte sich noch zeigen.

Hut ab für diese Entscheidung. Heartsome hätte auch einfach den Stecker ziehen können (wie – virtuell – zwischen 2009 und 2012).

30. April 2014, 08:09 · Kommentar/e [2] · Kategorien & · Tags , ,

SDL Trados Studio 2014...

…wird ja derzeit besser beworben als Spekulatius im Hochsommer. Aber weil wir hier darauf verwiesen haben, möchte ich auf einige Aspekte hinweisen, die mir aufgefallen sind.

Nichts für ungut, schließlich datiert die letzte Version von 2011 (es ist zumindest fragwürdig, seine Produkte ähnlich wie Microsoft an Jahreszahlen zu koppeln, beschleicht den Kunden doch immer sehr schnell das Gefühl, “outdated” zu sein). Wer mit entsprechenden Kunden zusammenarbeitet, wird auch früher oder später eine aktuellere Studio-Version erwerben. Das ist für den Ernstfall sinnvoller und professioneller als ausschließlich auf Workarounds ohne Trados (von denen es nicht wenige gibt) zu setzen.

In den letzten Jahren hat sich auf dem Markt Einiges getan. Während memoQ stetig zulegt, drängen (Noch-)Exoten wie Fluency oder CafeTran auf den Markt, vom wiederauferstandenen Heartsome nicht zu schweigen. Nun bin ich über diese Meldung gestolpert.

Was wird dort angepriesen?

  • AutoSuggest funktioniert jetzt bereits ab 10.000 Segmenten (statt stolzen 25.000 wie vorher). Hier war SDL einige Zeit memoQ voraus, bis memoQ die Muse (netter Name) einführte – und die benötigt nur “mehrere Tausend” Segmente.
  • QuickMerge – also das schnelle zusammenfügen unterschiedlicher Dateien und Formate. Diese Funktion gab es übrigens bereits in memoQ 2.2 – und das seit November 2007.
  • More Bilingual File Types on SDL OpenExchange – kann man bei vorstehenden Punkten noch nicken und sich freuen, dass diese Funktionen umgesetzt werden, ist mir dieser Punkt mehr als unverständlich. Denn Interoperabilität (schönes Wortmonster) steht ja schon seit mehreren Jahren ganz oben auf der Agenda der CAT-Hersteller (oder sollte es zumindest). XLF-Formate (so wie auch sdlxliff oder mqxliff) sind ein echter Fortschritt. Andererseits ist SDL OpenExchange schön angedacht – es handelt sich dabei quasi um eine offene Schnittstelle und ein Marktplatz für externe Entwicklungen. Es sollte allerdings nicht der Ort sein, an dem SDL nützliche und grundlegende Zusatzfunktionen versteckt. Denn wenn man diese SDL-Seite aufruft, dann sieht man, dass das am häufigsten heruntergeladene Extra gerade einmal 6200 Mal angefordert wurde (der 2. Platz geht an eine Funktion mit derzeit nicht einmal 4000 Anwendern bzw. Downloads). Auch wenn man über Trados-Anwenderzahlen nur spekulieren kann, ist das ein ernüchternder Wert. Von den Rezensionen für recht nützliche, aber sowieso nicht so leicht zu installierende Funktionen ganz zu schweigen. Das Schweigen von SDL auf unzufriedene Rezensenten nennt man im Neudeutschen dann wohl auch Kundendialog. Sprich: Was habe ich von Filtern für verschiedene zweisprachige Formate, wenn ich sie erst mühsam herunterladen muss oder einem geschätzten, aber in diesem Falle entsetzten Kollegen (nicht zu vergessen den technisch häufig überforderten Projektmanagern) klein-klein erläutern muss, wie denn jetzt das Dateiformat XY importiert oder exportiert werden kann. Diese von SDL entwickelten Funktionen – gerade die Filter – gehören in das Standardprogramm. Alles andere ist Mumpitz.
  • Versprochen werden auch mehr Geschwindigkeit und eine neue Alignment-Funktion. Wer LiveDocs und Alignment von memoQ kennt, weiß, dass die Meßlatte für Alignment-Funktionen hoch liegt. Interessante Funktion, aber Begeisterung mag sich nicht einstellen.

Bei aller Kritik wage ich die Prognose: SDL Trados wird sich dank seines geschickten Marketings natürlich relativ gut verkaufen, auch weil neben den normalen Benutzern viele Anwender eine aktuelle Trados-Version als Backup und zur Konvertierung verschiedener Formate in der Hinterhand haben (wollen oder sollten). Ebenso werden viele Benutzer ein Upgrade für ihre alte 2009er Version erwerben.

SDL wird zukünftig sicher weiterhin damit werben, das am weitesten verbreitete CAT-System zu sein. In quantitativer Hinsicht mag das Unternehmen recht haben. In qualitativer Hinsicht gäbe es da noch viel zu tun.

27. August 2013, 13:56 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , ,


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