Ein Jobangebot bei Tetralingua

Wenn ich ein aktuelles Jobangebot bei Tetralingua (nicht zu verwechseln hiermit) lese, komme ich ins Grübeln. Es wird eine Stelle angeboten. Das ideale Tätigkeitsprofil umfasst:

  • Übersetzen von Texten insbesondere aus den Bereichen Software-/Hardware-Lokalisierung, IT, Telekommunikation, E-Commerce, Webseiten usw. unter Einsatz von CAT-Tools
  • Anfertigung beglaubigter Übersetzungen behördlicher Dokumente
  • Terminologierecherche und Pflege von Terminologiedatenbanken
  • Verwaltungsaufgaben von der Angebotserstellung bis hin zur Rechnungsstellung, Kundenakquise usw.
  • Auftragsvergabe an unsere freiberuflichen Mitarbeiter
  • Sorgfältige Einarbeitung gewährleistet

Die Anforderungen lauten:

  • Muttersprache Englisch oder Französisch, erste Arbeitssprache Deutsch und nach Möglichkeit zweite Arbeitssprache Französisch bzw. Englisch
  • Sehr gute Sprachkenntnisse, sehr gutes Sprachgefühl und hohe Stilsicherheit
  • Erfahrung im Übersetzen technischer Texte
  • Sorgfältige, gewissenhafte Arbeitsweise
  • Exzellente PC-Kenntnisse (z. B. in MS Word, MS Excel, MS PowerPoint, Trados Translator’s Workbench, Trados TagEditor, Wordfast, MultiTerm u. v. m.) und die Fähigkeit, sich zügig in neue Programme einzuarbeiten
  • Öffentliche Bestellung und Beeidigung als Übersetzer beim Landgericht wünschenswert, aber nicht erforderlich
    Eine 2- bis 5-jährige Berufserfahrung wäre wünschenswert. Unsere Stellenausschreibung richtet sich ebenfalls an Studenten oder Absolventen der Übersetzungswissenschaft mit einem Notendurchschnitt von 2,5 oder besser.

Hört sich ja ganz nett an. Aber: Das Ganze ist als 400-Euro-Job gedacht, an zwei bis drei Tagen die Woche.

Was heißt das? Gehen wir vom positiven Fall aus (nur zwei Tage), heißt das 16 Stunden pro Woche, im Monat also etwa 64 Stunden. Ergibt einen Netto-Stundenlohn von € 6,25. Okay, das ist mehr als ein Friseur bekommt, aber meiner Meinung nach ist diese Offerte, mit diesem Profil und diesen Anforderungen fast schon sittenwidrig. Als Studentenjob in München ist das ohnehin unattraktiv.

Was heißt das für mögliche Auftraggeber? Da nicht davon auszugehen ist, dass ausreichend qualifizierte Übersetzer für dieses Taschengeld arbeiten, so liegt nahe, dass von unterbezahlten, nicht ausreichend qualifizierten Arbeitskräften oder unerfahrenen Studenten übersetzt wird. Wer sein internationales Business nicht vor die Wand fahren möchte, sollte meines Erachtens die Finger von dieser Agentur lassen.

Da Tetralingua Permalinks auf seine Inhalte nicht mag, gibt es hier und hier zwei kleine Screenshots, um das obenstehende Zitat zu belegen.

Achja, und übrigens: hat man den Webdesigner von Tetralingua schon wegen Verursachen von Augenkrebs verhaftet?

PS:
Dieser Artikel hatte übrigens für sevenload, wo die Screenshots zuerst abgespeichert waren, ein Nachspiel (siehe hier im ersten Kommentar).

PPS:
Inzwischen wurde aus dem 400-Euro-Job stillschweigend eine Stelle auf Teilzeitbasis – siehe dort. Ob das Angebot damit moralisch vertretbarer wird, möge jeder sich selber ausrechnen.

# · 2. Februar 2007, 14:49 · 414 Wörter
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2 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentare

  1. Gabi - 2. Oktober 2007, 21:57

    Das Beispiel ist so gut, daß ich es per Kommentar noch einmal nach oben hole. Auf den Punkt gebracht, wird eine Mischung aus erfahrenem Übersetzer, Terminologen, Buchhalter, Akquisiteur und Projektmanager gesucht. Quasi ein Universalgenie. Für 400 Euro. Man möchte weinen. Das traurige daran ist, daß es zweifellos Menschen gibt, die verzweifelt genug sind, um sich selbst auf so ein „Angebot“ hin zu bewerben.


  2. Torsten - 5. Oktober 2007, 06:56

    Jepp. Noch trauriger, dass es diese Agenturen schaffen – glücklicherweise nie lang – sich anderen Unternehmen als professioneller Partner darzustellen.


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