Werbung in Weblogs

Das Thema Werbung in Weblogs wird nicht zuletzt durch die re:publica erneut thematisiert. Das Thema geht grundsätzlich (fast) jeden an. Warum? Weil Werbung so oder so präsent ist.

Fall A – Das werbe- und skandalfreie Weblog
Selbst in einem Weblog, das frei von Anzeigen ist, wird häufig implizite Werbung gemacht. Wenn ich über Linux, Firefox oder OpenOffice schreibe, mache ich damit Werbung für diese Produkte. Von diesen Produkten leben Unternehmen und Dienstleister, die Support dafür anbieten. Oder die verwandte Produkte anbieten, z.B. StarOffice anstelle von OpenOffice oder Pro-Versionen einer Freeware. Gleichzeitig schade ich – sofern ich das Produkt positiv gegenüber seinen Wettbewerbern hervorhebe – den Konkurrenten, die ähnliche Produkte anbieten – z.B. Microsoft, Opera etc. Natürlich: Wenn ein kleines Weblog das macht, ist das ziemlich unerheblich. Wenn es derer 100.000 sind, beispielsweise bei einer neuen Programmversion, nicht mehr. Kostenlose Werbung. Die Blogosphäre ist keine Insel der Glückseligen.

Fall B – Das Skandalblog
Negative Stimmen zu einem Produkt sind gute Antiwerbung. Das muss nicht mal ein schlechtes Produkt sein, sondern wird eher durch eine desaströse Reaktion eines Unternehmens verursacht.
Beispiel: “Mir wurde von einer Pizza der Firma X speiübel – als ich die Kundenhotline anrief, haben die mich glatt ausgelacht”. Wenn die Geschichte ansprechend erzählt wird und ein wenig die Runde macht, folgert daraus u.U. eine nette Überraschung bei Herrn Google und vielleicht werden einige Blogleser beim Griff in die Tiefkühltruhe zum Produkt der Konkurrenz greifen, einfach nur, weil Unternehmen X so doof ist. Der Schaden für ein Unternehmen steigt hier proportional zur Menge der Weblogs, in denen auf diese Geschichte hingewiesen wird. Muss aber nicht so sein: Jamba ist vom Spreeblick nicht ruiniert worden.

Fall C – Der Affiliate-Blogger
Sicherlich kann man sich für Partnerprogramme verschiedener Produkte bewerben und über diese Produkte schreiben (moralisch unbedenklich: mit Hinweis – moralisch verwerflich: ohne Hinweis). Die harmlose Variante behandelt Bücher – da hat der Leser zumindest eine gut geschriebene Rezension – wenn er Glück hat.

Fall D – Das Blog mit Werbeanzeigen
Werbeanzeigen sind nicht gleich Werbeanzeigen. Wir nehmen mal einen durchschnittlichen Blogger, nennen ihn Paule und zeigen ihm die Möglichkeiten durch die biggest players.

  • Die unmittelbare Werbung. Paule kennt den IT-Unternehmer Mayer. Der Herr Mayer kennt das Weblog von Paule und ist davon sehr angetan. Er fragt Paule, ob er nicht für x Euro ein Banner schalten könnte. Dabei kann die Zahl x entweder ein fester Betrag sein, die beiden lassen die Klickrate zählen oder Paule gibt dem Herrn Mayer regelmäßig Einblick in die Statistiken, und x variiert nach der Anzahl der Besucher. Paule kennt das Unternehmen und kennt dessen Zuverlässigkeit. Herr Mayer kennt Paule und weiß, dass der keinen Schrott schreibt, außerdem hat Paule 500 Besucher am Tag und seine Website einen Pagerank von, sagen wir mal, 5.
  • Google Adsense. Paule meldet sich bei Google Adsense an. Das ist eine sehr einfache, schnelle Lösung, er braucht nur einen Schnipsel Javascript in seine Seite einzufügen und kann Farbe und Form der Anzeigen frei bestimmen. Allerdings hat er keine Möglichkeit, die Anzeigen inhaltlich zu steuern. Wenn Paule sich in einem Artikel über das Unternehmen X auslässt, kann es passieren, dass es in den Adsense-Anzeigen beworben wird. Verreißt er in einer Rezension ein Buch, wird es mit Sicherheit beworben. Ist Paule zum Beispiel Versicherungsmakler und schreibt über seinen Beruf, wird die Konkurrenz mit Sicherheit in den Anzeigen eingeblendet werden. Zwar kann man Konkurrenten sperren lassen, das wird in werbeintensiven Branchen aber zu einer zeitaufwendigen Aufgabe. Ein anderes Problem ist natürlich, dass Google, anders als Paule, sehr gut daran verdient. Paule würde im o.g. Szenario vielleicht 10 bis 40 Euro monatlich verdienen können.
  • Text Links Ads. Eine Anmeldung bei Text Link Ads (Sponsorlink) wäre eine weitere Alternative. TLA ist mit Adsense vereinbar, man kann also beide Varianten parallel schalten. Bei TLA muss man ein Schnipsel PHP-Code einbauen, das geht nicht überall problemlos (kein PHP z.B.). TLA kalkuliert bereits im voraus, wie hoch die Einnahmen sein können – sofern der Anzeigenplatz vermietet wird. Die Einnahmen sind fix, unabhängig von Besuchern oder Klickraten, abhängig dagegen von Alexa-Platzierung und anderen Faktoren – Paule könnte mit einer Summe zwischen 15 und 50 Euro für zwei Anzeigen rechnen. Je nach Modell kann Paule vorab bestimmen, wer bei ihm wirbt – und wer nicht.
  • Amazon etc. Partnerprogramme wie das von Amazon stellen verschiedene Banner für unterschiedliche Produkte zur Verfügung – meistens häßlich wie die Nacht. Im Falle einer Rezension sicherlich passend (siehe auch oben), ansonsten sind grafische Banner in meinen Augen häßlich wie die Nacht. Wirklich viel Geld verdienen kann man damit nicht, manchmal sind es Goodies (100 Downloads einer Software über den Werbelink = kostenlose Pro-Lizenz o.ä.).
  • Pay-per-Post. Neuzeitliche Idee, die zum Beispiel über Trigami (Sponsorlink) angeleiert werden kann. Das Problem ist nur, dass zu viele Blogger glauben, dass Formulierungen wie “X find’ ich toll” als Werbung verstanden und bezahlt werden könnten. Anders formuliert: zu viele Blogger schreiben nicht wirklich gut und flott, außer vielleicht Leute wie Herr Schwenzel, vorausgesetzt, er steckt seine Finger nicht mal wieder in die falschen Körperöffnungen. Und Kritik gehört für viele Blogger zu ihrer Authentizität – aber wer bezahlt schon gerne dafür (fiktives Beispiel)?
  • Adical. Adical ist das neue Werbewunderkind in der bundesdeutschen Blogosphäre, das mit kunterbunten Flash-Anzeigen arbeitet – das halte ich für nicht ganz so attraktiv. Immerhin – die Macher sind vom Fach, wie hier betont. Momentan kommt Paule da eh nicht rein, weil nur eine begrenzte Menge an Weblogs teilnimmt.

Habe ich jemanden übersehen?

Nachtrag: Hier gibt es noch einen kleinen Nachtrag.

# · 13. April 2007, 19:52 · 941 Wörter
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2 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentare

  1. ix - 13. April 2007, 22:57

    habe beim ersten (oberflächlichen) lesen gedacht, man müsse seinen finger in „falsche körperöffnungen“ stecken um authentisch zu wirken. beim zweiten lesen ein kompliment entdeckt. beim nachdenken drauf gekommen, dass an der ersten lesart vielleicht was dran ist.


  2. Torsten - 14. April 2007, 10:26

    Es war ein Kompliment und eine reine Vermutung, zumal das schlauer klingt als “schreibt ganz gut”. Bis auf meine Nase (sofern die “falsch” ist) habe ich da auch keine Erfahrung.


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