Fünf Tipps für bodenständigen Blogerfolg
Kurze, ätzende Antwort auf einen weiteren unsäglichen Artikel (kulturtheoretisch könnte man die Hypothese aufstellen “mit den Listen kam die Dummheit”), vielleicht habe ich auch einfach die Ironie nicht verstanden.
1. Leben ohne Wordpress
Seltsamerweise wird Wordpress für ein sehr empfehlenswertes Blog-CMS gehalten, was vor dem Hintergrund des unübersichtlichen Backends, den relativ aufwändig anzupassenden Layouts und den fast hysterisch häufigen Sicherheitsfixes nur schwer nachzuvollziehen ist. Hinzu kommt der übliche ermüdende Effekt, wenn Standard-Templates benutzt werden (wohl immer noch Kubrick?) oder andere Templates nur unzureichend lokalisiert sind.
Selbst die Leute, denen das nüchterne, trackbacklose Textpattern nicht gefällt, sollten erst einmal andere CMS anschauen – hier oder dort.
2. Lieber wenig, aber gut schreiben
Es gibt viele Arten, gut zu schreiben – ich persönlich halte einen nüchternen, eher unprivaten, aber sarkastischen Schreibstil für angemessen. Es ist mir klar, dass dies nur eine Meinung von vielen ist. Allerdings sollte von Beginn an klar sein, dass man entweder was Wichtiges zu sagen hat (oder fest daran glaubt), oder doch besser die Klappe hält, zumindest, wenn man sich gewisse ethische und publizistische Ansprüche einbildet.
Wer nur Blabla liefert, sollte andere Wege der Abfallentsorgung wählen. Ebensowenig muss man jedes Meme mitmachen, kann es aber hier und dort durchaus tun. Dabei ist es wie zu Weihnachten durchaus möglich, profane oder private Inhalte ansprechend zu verpacken. Wer es braucht…
3. Keine Ads
Google- oder andere Ads sollten zumindest zu Beginn gar nicht oder äußerst sparsam eingesetzt werden. Ads stehen einer geschmackssicheren und umsichtigen Gestaltung meist hoffnungslos im Wege. Es ist erschreckend, wie viele Weblogs inzwischen an eine Litfasssäule erinnern und die Frage aufwerfen, ob es denn auch Content gäbe. Schließlich lässt man sich seine Visitenkarten auch nicht von Coca-Cola sponsern, oder?
Werbung für eigene Unternehmen oder Publikationen sind dagegen tolerierbar.
4. Kein Spookmarking
Wer das Gefühl hat, etwas Tolles oder Richtungsweisendes geschrieben zu haben und das unbedingt mitteilen muss, kann natürlich seine Seiten bei Mister Wong, del.icio.us und Co. ablegen. Beispielsweise ein Vergleich der beliebtesten Online-Officetools, ein stilistisch und formal gelungener Rant gegen Microsoft, die SPD oder Adical bzw. etwas ähnliches – wer so etwas wirklich gut verfasst, dessen Beitrag landet ohnehin auf einigen SB sites… Wer meint, jeden seiner Ergüsse abspeichern zu müssen, ist ein stinkender Möchtegern-SEO.
Ebensowenig braucht man eine Batterie von Icons unter seinen Artikeln. Wer social bookmarks nutzt, verfügt im Normalfall über ein Bookmarklet oder eine Toolbar, anstatt auf ein Icon unter zehn, zwanzig oder mehr zu klicken.
5. Kontrolle behalten
“Kontrolle behalten” heißt, keine externen Skripte einzubinden. Schließlich soll sich der Seitenaufbau nicht sekundenlang verzögern, weil der Server, auf dem das Skript XY liegt, schlichtweg überlastet ist. Viele Elemente lassen sich auch mit serverseitigen Lösungen wie zum Beispiel Magpie und dessen Derivaten einbauen.
Stattdessen sollte man sich fragen, wie viele (externe) Badges, Listen o.ä. man eigentlich braucht. Manchmal ist weniger mehr.
Ebenso empfiehlt es sich, auf die Dienste von Feedburner zu verzichten, es sei denn, man steht auf eher mickymausartige Statistiken mit wirklich nur begrenztem Aussagewert.
Just my 2 cents in 5 minutes.
Disclaimer:
Ich behaupte natürlich keineswegs, immer alles richtig zu machen oder gemacht zu haben, eher im Gegenteil.
roxomatic


Hmmm… großteils bin ich ja deiner Meinung, außer was die inhaltliche Komponente betrifft; das ist eine Diskussion, die eigenartigerweise genuin typisch für die deutsche Blogosphäre ist, und ich komm mir langsam vor wie eine hängen gebliebene Platte, wenn ich immer und immer wieder schreibe: es gibt nun mal ganz verschiedene Intentionen, aus denen heraus Personen Blogs betreiben – von rein kommerziellen Interessen bis zum ausschließlich ideologisch oder privat motivierten Blog, und das gesamte Spektrum dazwischen. Aus genau diesem Grund gibt’s auch weder eine “richtige” Art, ein Blog zu schreiben, noch einen angemessenen Schreibstil.
Was WP betrifft: ich weiß nicht, ob du’s dir seit 2.2 nochmal angeschaut hast; ich halte die Tatsache, dass sich so viele fähige Programmierer mit WP beschäftigen, für den größten Vorteil… aber das ist auch Geschmacksfrage. Und die Sache mit den Sicherheitslücken ist ein Henne-Ei Problem: das sind teils php-related probs, teils wird wp natürlich aufgrund der hohen Verbreitung genauer gemonitored.
Zum Abschluss noch eine Frage: was genau findest du an meinem Artikel “unsäglich und dumm”? Das geht aus dem Beitrag irgendwie nicht hervor.
schönen Sonntag,
lG:ritchie
Aus genau diesem Grund gibt’s auch weder eine “richtige” Art, ein Blog zu schreiben, noch einen angemessenen Schreibstil.
Eben, da stimme ich überein. Ich habe ja nur gesagt, was ich persönlich für die bessere Art halte.
Auf Wordpress.com betreibe ich ein irrelevantes Linkblog, auf dem meine Links von Diigo/del.icio.us aufschlagen. In vielen Aspekten reicht das Backend von WP nicht an TXP heran. Vielleicht fehlt mir auch die Geduld, vier Jahre TXP prägen halt.
Den Artikel fand ich nur unsäglich (weil der 2646. zu diesem Thema) und nicht explizit dumm, im Gegenteil, inhaltlich gab es zu diesem Thema schon weit üblere Einträge.
FYI: Die Moderationsschleife Deines Kommentars war übrigens Akismet geschuldet.
Also ich finde Wordpress eigentlich sehr gut, fand die Anpassung der Templates nicht sooo schwer und das Backend schön übersichtlich. Schliesslich will ich damit ja nur schnell Inhalte schreiben und nicht aufwendige Platzierungen vornehmen.
Es gibt da ja auch noch Serendipity als freie Blogsoftware.
Klar, hatten wir auch mal, und EE und Movable Type und und und. Halt nur nicht immer WP…
Super Artikel danke für die einen oder anderen Infos und Meinung ich muss auch zugeben dass ich bislang noch ein Fan von Wordspress bin werde mich aber wohl nach einem eigenen individuellen System umschauen ansonsten bin ich aber bislang auch sehr zufrieden damit!