Finger weg von Lebensmittelfotos.com und anderen...

In den letzten Wochen wurden Lebensmittelfotos.com oder andere Projekte als Schutz vor Abmahnungen angepriesen. Wie so häufig wird an den Symptomen, nicht an den Ursachen eines Problems herumgedoktort. Und leider viel zu selten wird vor den grundlegenden Gefahren dieser Seiten gewarnt. Ein paar Punkte zu den Gefahren auf Lebensmittelfotos.com.

Wo liegen denn die rechtlichen Probleme?

  • Fotos dürfen nur von angemeldeten Nutzern hochgeladen werden. Anmeldungen können beim besten Willen jedoch nicht auf Fakeaccounts kontrolliert werden. Jede beliebige Postadresse kann eingetragen werden. Eine Überprüfung über einen Anruf wäre denkbar, ließe sich aber schön umgehen: ich gebe entweder eine nicht rückverfolgbare Prepaid-Mobilrufnummer ein oder gar keine, oder mein Hausmädchen, mein Chauffeur oder meine Katze gehen an den Apparat und sagen “ja, ich wars und amen”. Rechtlich ist ein solcher Kontrollanruf ohnehin bedenklich und wäre juristisch kaum verwertbar. Das Postkartensystem à la Ebay ließe zwar sich immerhin automatisieren und wäre unterm Strich deutlich günstiger, lässt sich jedoch in vielen Wohnumfeldern leicht aushebeln. Eine Speicherung von IP-Adressen erlaubt nur einen Zugriff auf diejenigen, die nicht anonym surfen. Hohe kriminelle Energie ist in keinem der Beispiele vonnöten.
  • Bereits im Plusminus-Beitrag wurde darauf hingewiesen, dass die Kniepertschen Kunstwerke auch mal über Umwege aus dem Ausland den Weg auf deutsche Webseiten gefunden hätten. Wenn der erste Nutzer von Lebensmittelfotos.com – sogar ein echter, realer Nutzer – “echt tolle” Fotos eines Bekannten herauflädt, sind alle Vorsichtsmaßnahmen zwecklos. Egal ob es Dummheit, Fahrlässigkeit oder Absicht war. Kann Lebensmittelfotos.com dieses Problem unterbinden? Und wer haftet dann? Bekommt man dann Post von Petereits Anwälten? Tolles Projekt… Für die Justiz haftet in diesem Fall vermutlich Lebensmittelfotos.com, egal, wer die Fotos eingestellt hat. Und damit ist dieses Projekt wohl dann tot.
  • Weitere Frage: Wer haftet, wenn urheberrechtlich geschützte Fotos aufgetaucht sein sollten und vor einer Löschung bereits weiter verbreitet werden? Auf andere Webseiten oder in Foren kopiert werden, am besten mit dem Hinweis, das sei ja nun public domain. Haften wird in den meisten Fällen der Nutzer und seine Folgekopierer. Tja, selber schuld. Und selber zahlen.
  • Ist die Urheberrechtserklärung bei der Anmeldung rechtlich einwandfrei? Unwahrscheinlich, sondern vermutlich ist diese nur kopiert. Dieses Vorgehen ist dilettantisch. Hier sollte mithilfe eines Anwalts nachgebessert werden.
  • Die begleitenden Texte grenzen an Körperverletzung. Klischee komm raus, Du bist umzingelt. Das hat nichts mit SEO zu tun, das ist nur peinlich. Kann man die Texte auch ausblenden? Wer über Google hierher findet, den werden die seltsamen Texte davon abhalten, hier Fotos zu kopieren.
  • Es fehlen klare, deutliche Hinweise auf der Startseite, was es mit Abmahnungen etc. pp. auf sich hat. Das Projekt scheint derzeit von Insidern für Insider gemacht zu sein. Unter dem Punkt Wichtiges gibt es viel Papier, aber keine substanzielle Erklärung. Den üblichen “Opfern” des Bilderklaus bleibt das Prinzip der Seite unverständlich.
  • Ebenso fehlt die Transparenz, wie sich die Seite trägt und finanziert, was mit Spenden geschieht etc.

Es geht nicht darum, sicherlich gut gemeinte Projekte schlechtzureden, sondern nur, aufzuzeigen, auf welch’ tönernen Füßen dieses Projekt steht und welche handwerklichen Fehler es begleiten. Wir sind mal so freundlich und sehen den Drahtzieher dieses Projekts als rechtlich ahnungslosen Altruisten (klick und klick mit rhythmischer Betonung des allerersten Satzes) und selbstverständlich nicht als profilneurotischen Marktschreier und Trigaminutte, wie es eine oberbayerische Lichtgestalt an anderer Stelle manchmal tut.
Natürlich: Ich bin kein Jurist, aber 1 plus 1 macht bei mir meist 2. Ist nun mal so, da kann ich nichts zu.

Grundsätzlich gilt: Kopieren ist strafbar. Bilder aus dem Internet sind kein Allgemeingut. Wenn ich mich über Contentklau aufrege, dann gezwungenermaßen auch über Bilderklau. Folkert Knieper mag unsympathisch sein und falsche, überzogene und verabscheuungswürdige Mittel wählen. In der Sache hat er allerdings grundsätzlich Recht. Deswegen bekommt er es ja auch.

Und was kann man dann tun?

Geholfen wäre vielen Nutzern eher mit Artikeln

  • wie man akzeptable Fotos macht.
  • wie man mit Urheberrecht umgeht.
  • dass selbst für Fotos von Flickr unterschiedliche Formen des Urheberrechts gelten (und diese Bilder ebenso geklaut sein könnten, das ist so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie bei Lebensmittelfotos.com). An Flickr kommen Abmahner nicht ran, an Euch schon.
  • dass man Bilder nicht aus der Googlesuche klaut. Punktum.
  • dass Wikimedia ein wasserdichteres Konzept hat.
  • dass man Fotos am besten selber macht. Oder sonst unter Umständen sehr viel Geld zahlen muss.

Achja: da der Urheber meine Aussagen gerne falsch versteht: Ich rufe natürlich keineswegs dazu auf, Fakeaccounts auf Lebensmittelfotos.com zu eröffnen oder dort urheberrechtlich problematische Fotos einzustellen.

# · 28. Februar 2008, 10:56 · 771 Wörter
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14 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentare

  1. Robert - 28. Februar 2008, 13:40

    …dass man Fotos am besten selber macht.

    Was spricht aus deiner Sicht gegen die Verwendung von Pennystock-Material von iStockphoto.com, photocase.com und deren Verwandtschaft? Dass dort beim Upload allerlei Aufwand wegen Model Releases und Nutzungsrechten getrieben wird, der trotz allem nicht wasserdicht ist?

    Im Endeffekt hast du doch nie die Sicherheit, den wahren Urheber zu erreichen. Trotzdem veröffentlichen zillionen Medien täglich Stock-Material, und es scheint zu funktionieren.

    Ist das Feld der Lebensmittelfotografie so viel stärker vermint seit dem prominenten Auftreten des Herrn Knieper?


  2. pantoffelpunk - 28. Februar 2008, 16:15

    <blockquote>Es geht nicht darum, sicherlich gut gemeinte Projekte schlechtzureden</blockquote>

    Der Artikel liest sich aber ganz anders.


  3. ichundich - 28. Februar 2008, 20:57

    Hallo Torsten,

    Du schreibst: “…Geholfen wäre vielen Nutzern eher mit Artikeln wie…”

    …gute Idee! Wann können wir die ersten Tipps von Dir lesen?

    Gruß,
    ichundich


  4. Robert - 29. Februar 2008, 06:24

    Noch was Brandneues aus der Juristerei dazu: OLG Hamburg: Haftung des Portal-Betreibers für rechtswidrige Bilder-Uploads.


  5. Dieter Petereit - 29. Februar 2008, 16:35

    Interessanter Link zum Urteil. Darin befinden sich auch Hinweise des Gerichtes, wie man eine Prüfung auf Rechtmäßigkeit gestalten kann. Die Prüfung auf Lebensmittelfotos.com geht weit darüber hinaus!


  6. datenhamster - 2. März 2008, 12:29

    Du schreibst:
    ich gebe entweder eine nicht rückverfolgbare Prepaid-Mobilrufnummer ein oder gar keine, oder mein Hausmädchen, mein Chauffeur oder meine Katze gehen an den Apparat und sagen “ja, ich wars und amen”.

    Warum sollte Herr Petereit eine nicht ortsgebundene Telefonnummer anrufen? Und wenn sich jemand Zugang zu deinem Haushalt verschafft und dann sich für dich ausgibt, dann ist das dein Problem und damit auch die Urheberrechtsverletzungen, die mit dem so erstellent Account angestellt werden. Wenn du solche Personen in deinen Haushalt lässt, tja dann bist du selber schuld. In allen anderen Fällen (Prepaid, Katze) bekommst du einfach nicht die Berechtigungen, Bilder hochzuladen! Ich finde die Methode des Herrn Petereit für recht wasserdicht (und notwendig).

    Zum Thema “man nimmt keine Bilder aus dem Internet sondern macht sie besser selbst”. Ja, so würde man in der Tat jeder Möglichkeit, ne Abmahnung wegen Bilderklau zu bekommen, aus dem Weg gehen. Nicht jeder der Bilder nutzen möchte hat das Wissen oder die Ausrüstung dazu oder vielleicht auch einfach gerade keine Kiwi oder ein fertiges Gericht zur Hand! Lebensmittelfotos.com schafft eine alternative Bilderquelle bei der man sich fast 100% sicher sein kann, gemeinfreie Fotos zu laden. Wenn das nichts ist?

    Es wird übrigens demnächst auch Artikel über die Fotografie von Lebensmitteln bei LMF.com geben, davon bin ich überzeugt ^^


  7. The Fellow Passenger - 2. März 2008, 23:49
    Trackback von The Fellow Passenger:
    Technische Abhilfe gegen Abmahnfalle

    Wer schon mal Post von der Kanzlei Rotermund aus Hamburg bekam, in der es um Bilder von Lebensmitteln ging, dürfte das Internet-Projekt lebensmittelfotos.com wahrscheinlich durchaus begrüßen. Ob man sich der angebotenen Bilder tatsä...
  8. Silke Schümann - 3. März 2008, 02:09

    Nein, auch mit selbst geschossenen Fotos kann man in vielerlei Hinsicht auf die Schnauze fallen. Zwei Beispiele hierzu:
    Man verwendet für das Bild die Sammeltasse von der reichen Tante aus der Rosenthal-Sammlung. Die Sammeltasse ist zentrales Motiv und damit hat der noch lebende Künstler als Urheber des Motivs ein Mitspracherecht am Lichtbild.

    Das Bild ist sehr gut gemacht, leider aber existiert in der Stocksammlung einer Agentur, die berüchtigt ist für die Durchsetzung ihrer Rechte, ein Bild das dem ersteren sehr ähnlich ist, so dass eine Verwechslungsgefahr besteht. Da es sich nicht nur um ein Lichtbild handelt sondern ein Lichtbild mit Werkscharakter ist ein Nachstellen nicht ohne die Genehmigung des noch lebenden oder noch nicht 70 Jahre toten Fotografen nicht gestattet.

    Wer sicher sein will, publiziert besser nicht im Internet. Punkt. Dies gilt für Text und Bild.

    Ansonsten ist Lebensmittelfotos.com eine gute Alternative, da es hinreichend sorgfältig ist, bei der Akzeptanz von Bildern. Dass dabei immer noch viel schief gehen kann, schließe ich nicht aus. Doch eine Minderung der Wahrscheinlichkeit ist gegeben und damit ist dieser Artikel schlicht und ergreifend schlecht reden und deplatziert. Zumindest in meinem Dafürhalten.


  9. effha - 9. März 2008, 19:30

    Och, man sollte der Sache einfach eine Chance geben. Und es gibt doch so eine Art “Webmasterliches Hausrecht”, warum also dem Herrn, dessen Name keiner auszusprechen wagt, nicht eine Art Hausverbot erteilen?


  10. Jena er - 1. April 2008, 16:06

    @effha: Das bezieht sich aber (noch) nicht auf den Ausschluß vom Besuch der Seite. Die meisten deutschen Gerichte würden argumentieren, daß dem Geschädigten ein Kontrollrecht zusteht.


  11. Dieter Petereit - 9. April 2008, 09:59

    Da wir ohnehin keine Eintrittsgebühren verlangen, kann jeder Netzbürger LMF frei besuchen und alles downloaden, was er/sie möchte. Herr K. dürfte sogar unsere Bilder für sein Kochbuch nutzen. May the force be with you.


  12. Wolle - 25. Mai 2008, 08:47

    Man könnte natürlich auch den anderen Weg gehen und vom Gesetzgeber mit diesen ganzen Problemen aufräumen. Wieso wird nicht einfach gesagt: “Wer Bilder ins Netz stellt, will das sie auch verbreitet werden. Wer sie trotzdem schützen möchte, soll halt ein Watermark drauf setzen und so für ander uninteressant machen.” Wäre das nicht die bessere Idee?


  13. Susanne Deskaj - 4. November 2008, 16:37

    Wenn Herr Petereit die anderen Nutzer bei Lebensmittel.com genauso überprüft wie mich selbst, als ich mich anmeldete, dann bin ich vollkommen beruhigt. Ich denke, man kann LMF vertrauen und ich werde das auch weiterhin tun. Denn was Lebensmittel.com und Dieter Petereit auf die Füße stellen ist lobenswert und wirkt denen entgegen, die aus solchen Dingen Kapital schlagen. Denn einen Preis von z.B. “ Mittlere Auflösung
    12.5 MB / 300 dpi / 21.2 × 14.8 cm / RGB €369,00”
    finde ich nicht gerechtfertigt, wenn man ein Foto im Internet kauft!


  14. Klaus - 27. Februar 2009, 15:55

    Ich habe mal eine Abmahnung (zu Recht) wegen einer Abbildung einer Weinflasche bekommen.
    War ein teurer und dummer Spaß.
    Jetzt nehmen wir ausschließlich Fotos, die vom Erzeuger zur Verfügung gestellt werden. Aber 100% sicher ist das auch nicht. Was ist, wenn die Bilder auch nur irgendwo geklaut wurden?
    Ich kann mir das ja schlecht schriftlich bestätigen lassen.

    Wenn mal kein Bildmaterial zu Verfügung steht, fotografieren wir auch mal selbst.
    Aber Flaschen vernünftig zu fotografieren ist ja soooo schwer.
    Gibt es dafür eigentlich irgendwo eine Seite mit Tipps & Tricks?


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