It's the community, stupid!

Als selbsternannter Amateur für social bookmarks fragt man sich natürlich, warum man eigentlich Dienste wie Furl, Spurl oder del.icio.us nutzen sollte. Sollte man? Einige Punkte sprechen dagegen:

  • Zumeist sind diese Dienste kostenlos und bieten keinerlei Garantie. Sie könnten – theoretisch – von heute auf morgen verschwinden, und mit ihnen alle Daten.
  • Mit Sicherheit wird ein Teil dieser Dienste mittel- bis langfristig kostenpflichtig werden, oder bestimmte Features nur noch gegen Aufpreis liefern.
  • Sie sind nicht immer erreichbar. Egal ob Softwareaktualisierungen, Serverprobleme oder was auch immer – Erreichbarkeit oder der Funktionstüchtigkeit können eingeschränkt sein. Ist mir bei jedem der oben genannten Services bereits passiert. Meistens geschieht dies natürlich dann, wenn man gerade etwas speichern oder einsehen möchte…
  • Bei Lösungen auf dem eigenen Server (ich berichtete) reicht ein “einfaches” Backup der Datenbank. Zwar bieten alle Services direkt oder indirekt Backup-Funktionen an, trotzdem ist dies ein problematischer Punkt für Leute, die gerne die Kontrolle über alles behalten.
  • Software wie Movable Type oder Textpattern (zu Wordpress weiß ich das nicht) machen es eigentlich sehr leicht, neben einem Weblog ein Linkdump mit RSS-Feed zu betreiben (für MT gibt es hier eine sehr schöne Lösung).
  • Massives Spamming für Furl und Co. liegt zwar noch in weiter Ferne; warum aber sollten SEOs und andere Experten nicht schon bald versuchen, die Bekanntheit ihrer Seiten durch massenhaftes Posten in obengenannte Dienste zu pushen. Nofollow hin oder her. Allerdings gefährden Sie damit ein mögliches Geschäftsmodell dieser Dienste (die interessantesten Links im Netz zu kennen), daher ist davon auszugehen, dass diese dem einen Riegel vorschieben werden.

Warum also extern? Worin liegt der besondere Nutzwert dieser gemeinschaftlich gehosteten Lesezeichen? Einige Punkte sprechen ebenso dafür.

  • Ich verhindere einen Datenfriedhof auf meinem Server. Von allen Lesezeichen, die ich bei del.icio.us und Spurl speichere, benötige ich langfristig nur einen kleinen Teil. Dieses Argument ist für die Nutzer interessant, die nur einen relativ begrenzten Speicherplatz zur Verfügung haben.
  • Tagging. Das ultramodische Zauberwort bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass ich den Lesezeichen jeweils tags zuordne, mit deren Hilfe ich sie wiederfinde und andere ebenfalls darauf stoßen. Ein Beispiel: Über die tags microsoft und programme kann ich alle Lesezeichen eingrenzen, die auf beides und somit auf Software für ein bekanntes Betriebssystem hinweisen. Strengenommen sollte ich anstelle des tags programme ein tag software benutzen, aber als Romanist weigere ich mich standhaft. Auf das Taggen komme ich noch in einem späteren Artikel.
  • Es ist die Gemeinschaft, die den Reiz des Ganzen ausmacht. Die community eben. Wer verlinkt ebenfalls auf die Seite X? Worauf verlinken diese Nutzer noch? Mit diesem Blick über den Tellerrand entsteht die Möglichkeit, unbekannte Inhalte zu erschließen. Ein Beispiel: Die Mozilla-Erweiterung Researchbuddy hat den Weg in mein del.icio.us geschafft, und zwar mit den Tags arbeit, firefox, bibliographie und wissensmanagement. del.icio.us zeigt mir nun an, dass (aktuell) sieben andere Personen diese Seite verlinkt haben. Mit einem Klick sehe ich, wer das war. Ein weiterer Klick, und ich habe wahlweise Zugriff auf deren Linkarchiv oder auf die einzelnen tags, mit denen Researchbuddy versehen wurde. Von den einzelnen tags eines anderen Benutzers bin ich nur einen Mausklick von der Liste der Lesezeichen entfernt, die von allen Benutzern mit einem bestimmten Tag versehen wurden. Wenn man möchte, ist dies eine stundenlange Beschäftigung.

Ähnliches ließe sich auch zu Flickr sagen. Auch hier gibt es genug Lösungen für den eigenen Server. Reizvoll ist es hier weniger, ins Privatleben anderer zu schauen, als vielmehr dank Tagging mit wenigen Klicks Bilder zu einem bestimmten Thema auf den Bildschirm zu zaubern.

Das Argument der Gemeinschaft ist natürlich auch ein Pferdefuß. Groß gewinnt gegen Klein. Ein Netz entsteht nur, wenn eine ausreichende Zahl von interessanten Nutzern mitmacht. Solange ich von den Lesezeichen anderer wegen mangelnder Assoziationsmöglichkeiten wenig Nutzen habe, haben alternative Dienste (von denen mir zuletzt Hyperlinkomatic sehr positiv auffiel – noch mehr siehe hier) einen sehr schweren Stand. Oder ich konzentriere mich – wie CiteULike – auf eine Zielgruppe (hier: Akademiker).

# · 24. Januar 2005, 15:04 · 681 Wörter
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