Javier Marías und der Scheißneger

Die SZ hat schon vor rund einer Woche darüber berichtet. Spaniens Nationaltrainer Luis Aragonés hat seinem Spieler Reyes gesagt, er sei besser als Thierry Henry (nebenbei Reyes’ Clubkollege bei Arsenal London). Das hat er aber nicht so einfach dahergesagt, sondern er hat dabei den Begriff Scheißneger (»negro de mierda«) benutzt. Dieser Ausdruck hat Aragonés letztlich € 3000,- Strafe an die UEFA gekostet. So weit, so gut, so bedauerlich.

Nun könnte man als Philologe auf die Idee kommen, dass »negro de mierda« ja nur Scheißschwarzer heißt, und dass das ja gar nicht so schlimm sei. Das hieße aber, den Rassismus in den Fußballstadien (gerade auch in Spanien) aus dem Kontext auszublenden. Das hieße, zu leugnen, dass Aragonés den Spieler Henry auf dessen Hautfarbe reduziert. Das lässt sich bereits als Rassismus definieren.

Der spanische Schriftsteller Javier Marías hat sich nicht entblödet, genau das aber zu tun. Er nimmt zum einen die oben angeführte Unterscheidung vor und nennt die rassistischen Ausfälle der Fans eine oberflächliche und hirnlose Grausamkeit (»crueldad superficial y descerebrada«), die nicht weiter ernst zu nehmen sei. Wahrscheinlich ebensowenig wie die rassistischen Überfälle von El Ejido.

Javier Marías – in Deutschland ohnehin überschätzt – ist übrigens Fan von Real Madrid, eine Mannschaft, die in Spanien in etwa so beliebt ist wie der FC Bayern hierzulande. Vorgestern ist Real Madrid aus der Champions League ausgeschieden. Das nennt sich ausgleichende Gerechtigkeit.

# · 11. März 2005, 14:15 · 245 Wörter
Kategorien & · Tags: , ,
2 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentare

  1. Paul G. Kühnle - 29. März 2005, 22:55
    Mag sein, dass der Herr Rassist ist, das merkt man in “Mein Herz so weiß” nicht so, höchstens an der einen oder anderen detaillierten Beobachtung. Mich würde interessieren, warum in diesem Roman(?) so hemmungslos- und manchmal meint man, einfach so aus dem Schreibprozess heraus – über Varianten des Wahrnehmens und Äußerns spekuliert wird. Muss man da Tiefgang unterstellen? Es liest sich faszinierend, teilweise. Schreibt der Autor immer so? Klingt da etwas vom Nouveau Roman an oder gar von “Claires Knie”?
    Fragt einer, der sich keinen rechten Reim darauf machen kann.
  2. Kossatsch - 30. März 2005, 14:25
    Muss man da Tiefgang unterstellen? Die Frage ist ironisch, gell? Leider tun das viele. Habe Corazón tan blanco (d. i. Mein Herz so weiß im Original) gelesen, dabei nur die letzten 100 Seiten genossen und beschlossen, fortan nur noch gute Bücher zu lesen.

Kommentieren

Formatierung mit Textile: *Fett* – _kursiv_ – bq. <blockquote> – Link setzen durch "Linktext":http://www... oder URL einsetzen.
Kein HTML. Kein Spam. Keine Werbung (€ 250,- pro Woche zzgl. MwSt.).

Name

E-Mail (optional & hidden)

Web

Kommentar