Spiel, Spaß und Spannung mit der Agentur für Arbeit Duisburg

27.12.2004
Ich möchte mich arbeitslos melden. Drei Monate vor Ablauf des Arbeitsvertrages, wie sich das gehört. Dazu fahre ich zur Agentur für Arbeit (AfA) Duisburg-Hamborn. Geduldig fülle ich das Blatt aus, auf dem Berufsausbildung und -erfahrung eingetragen werden müssen. Als die Sachbearbeiterin das überträgt, fragt sie mich, ob mich denn mein Studium erfolgreich zu Ende geführt hätte. Habe ich, und gleich werde ich entsetzt angeschaut. Nein, dann gehörte ich nach Duisburg-Duissern (die zentrale Agentur in Duisburg), dort sei man für Akademiker zuständig. Gnädigerweise bleiben meine Daten eingetragen, ich müsse mich halt nur dort mit meinen Unterlagen beim Hochschulteam melden.

29.12.2004
Die Dame am Empfang der AfA Duissern schaut mich ungnädig an, nimmt aber alle meine Daten auf. Dann darf ich warten, und ein Sachbearbeiter nimmt sich meiner an. Der fragt mich, ob ich denn ins Referendariat wolle, und ist heilfroh, als ich grundsätzlich bejahe (zumindest halte ich das für besser, als arbeitslos zu bleiben). Alles Andere könnte ich ja wohl vergessen. Danke. Meine vorbereiteten Unterlagen nimmt er dennoch freundlich, aber reserviert entgegen. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Noch am selben Tag schicke ich die Arbeitsbescheinigung zum Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV).

Februar 2005
Die Wochen ziehen ins Land. Das LBV lässt sich Zeit. So sehr viel Zeit, dass ich denke, dass das LBV die Bescheinigung gleich an die Agentur für Arbeit gesendet hat. Als ich einen mahnenden Brief von Arbeitsamt erhalte, frage ich telephonisch beim LBV nach.

7. März 2005
Mit der Arbeitsbescheinigung in der Hand bin ich in Duissern vorstellig. Mittlerweile hat die Agentur umgebaut, so dass die Besuchermassen durch einen Raum mit mehreren Schreibtischen geschleust werden. Glücklicherweise bleibt eine Massenpanik ebenso aus wie eine Revolte. Ich darf in den dritten Stock und meine Dokumente abgeben. Leider fehlen einige Angaben. Die Dame teilt mir mit, dass dies kein Problem sei und dass ich in der kommenden Woche (sprich zwischen dem 14. und 18. März) zumindest einen vorläufigen Bescheid bekäme.

18. März 2005
Das Arbeitsamt hat – ganz modern – eine Hotline. Also rufe ich dort an und frage nach. Nein, es sei noch kein Bescheid ergangen, aber erst gestern habe man mit einer Kundin gesprochen, die fünf Wochen auf Ihren Bescheid gewartet habe. Toll. Im Merkblatt für Arbeitslose steht dazu etwas Anderes.

21. März 2005
In meinem Resturlaub habe ich genug Zeit, um im Arbeitsamt vorzusprechen und ein wenig zu nerven. Die Hotline hat sich ja schon drei Tage zuvor als nicht ganz so hilfreich erwiesen. Nein, meine Akte sei nun in Hamborn, das sei nun eine neue Richtlinie. Für Leistungen sei nun Hamborn zuständig, für die Vermittlung Duissern. Das erscheint ausgesprochen praktisch und einleuchtend. Man könne mir derzeit keine weitergehende Auskunft erteilen. Immerhin darf ich hier noch den Antrag stellen, dass die letzten 24 Monate als Berechnungsgrundlage meines Arbeitslosengeldes gelten sollen. Dieser Antrag würde nach Hamborn weitergeleitet werden. Das ist sehr gnädig.
In den folgenden Tagen bohre ich telephonisch nach. Weiterhin erfolglos.

8. April 2005
Meine Verhältnis zu den Mitarbeiter/-innen im Call-Center wird immer familiärer. Endlich wird mir ein Rückruf von einem echten Mitarbeiter versprochen. Cool. Die Mitarbeiterin ist ausgesprochen teilnahmsvoll, allerdings teilt sie mir mit, dass mein Antrag nicht in Hamborn angekommen sei. Sie suche aber weiter in den Kartons. Ich bedanke mich höflich und setze ein Schreiben an die Leitung der Leistungsabteilung der AfA auf, in dem ich um Stellungnahme bitte.

13. April 2005
Die Suche bleibt erfolglos. Zumindest sind Rudimente meines Antrags auffindbar, und ich werde nicht mit dem Vorwurf konfrontiert, ich hätte mich ja noch gar nicht arbeitslos gemeldet. Die Mitarbeiterin gesteht mir, seit Tagen nur noch meinen Fall zu bearbeiten und fragt mich, ob ich nicht eine neue Arbeitsbescheinigung herbeischaffen könnte. Kann ich.

14. April 2005
Ich setze mich ins Auto und hole eine neue Arbeitsbescheinigung beim LBV. Die bekomme ich sogar sofort, obwohl die Sachbearbeiterin nicht da ist. Gleich im Anschluss fahre ich zur AfA Hamborn und lerne die Kollegin, die meinen Antrag erfolglos gesucht hat, persönlich kennen. Sie ist ausgesprochen freundlich und sagt mir eine schnellstmögliche Bearbeitung zu.

19. April 2005
Der (vorläufige) Bescheid trudelt ein. Es geschehen Zeichen und Wunder.

24. April 2005
Warum eigentlich immer auf die Kleinen? Ich bohre nochmals bei der Leitung der Leistungsabteilung nach und stelle EUR 39,60 für 110 Kilometer zwischen mir und der Arbeitsbescheinigung in Rechnung (siehe 14. April).

27. April 2005
Schon wieder bekomme ich Post vom Arbeitsamt. Man bittet um Entschuldigung und kündigt den endgültigen Bescheid an. Das hätte ich nicht gedacht. Ich bin gerührt.

28. April 2005
Der Verfasser des oben genannten Entschuldigungschreibens ruft mich an. Ob denn nunmehr alles in Ordnung sei. Mir fehlen fast die Worte.

Mai 2005
Das Arbeitsamt überweist die in Rechnung gestellten Fahrtkosten. Ich werde bei Anfragen außerordentlich höflich behandelt. Offenbar bin ich jetzt ein Arbeitsloser de Luxe.

Und die Moral…?
Was wäre passiert, wenn ich nicht wegen meines Bescheids nachgehakt hätte? Was wäre geschehen, wenn ich mich nicht beschwert hätte? Das möchte ich mir lieber nicht ausmalen.
Anerkennen muss ich das professionelle Beschwerdemanagement, zumindest auf dem schriftlichen Weg. Das hätte ich der Agentur für Arbeit so nicht zugetraut. Muss am neuen Logo liegen (das gab es aber erst später).

Nachsatz
Eigentlich liegt es mir gar nicht, hier Privates nach vorne zu rücken, aber wenn das Leben so aufregend wird… Auf die Nennung von Namen habe ich auch im positiven Sinne absichtlich verzichtet.
Und: Ja, ich bin immer noch arbeitslos. Aber ich sehe tendenziell Licht am Ende des Tunnels.

PS Inzwischen habe ich erneut ein Schreiben der AfA bekommen: Nunmehr sei doch nur noch die Agentur Duissern für mich zuständig (siehe 21. März). Das hat sich ja richtig gelohnt.

# · 1. Juni 2005, 16:40 · Kommentieren!
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Kommentar

  1. HIRSCHgarden - 5. Juni 2005, 15:35
    Trackback von HIRSCHgarden:
    Spannende Kurzgeschichte mit happy end

    Eine kurze Geschichte der Agentur für Arbeit. Gefunden bei roxomatic

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