Live Acht
Manchmal frage ich mich, warum Musiker manchmal nicht das machen, womit sie Geld verdienen – Musik nämlich – sondern meinen, sich als Weltenretter betätigen zu müssen. Bei einigen Vertretern des Genres kann man vermuten, dass das durch eine Überdosis Koks oder Alk verursacht wurde – siehe Marius Müller-Westernhagen oder Campino. Alleine die Ursache zu erahnen, macht diese Leute nicht gerade sympathischer, geschweige denn ihre Musik erträglicher.Nun machen sie ein Riesenspektakel für die Ärmsten dieser Welt, in dem Bewusstsein, jetzt mal eben noch berühmter und selbstloser auszusehen, und nebenbei ihr nächstes Album besser verkaufen zu können. Nur wenn das Publikum Glück hat, sieht und hört man sie (so wie Bob Geldof) fast gar nicht mehr. Wahrscheinlich sind Gutmenschen wie Hartmut Engler auch dabei. Dutzende von Leuten, die sich gerne reden hören. Am Ende noch der Kanzler?
Schuldenerlass ist so eine Sache. Ist ja ganz nett, nur sollte auch mal hinterfragt werden, wieso (wie geplant) beispielsweise dem armen, armen Bolivien Geld erlassen werden soll, wenn Wochen zuvor Tausende Bolivianer auf die Straße gehen, damit die Geschäfte mit den Bodenschätzen mal verstaatlicht werden sollen. Irgendetwas stimmt da doch nicht.
Außerdem läuft man in Berlin heute Gefahr, von Cherno Jobadingsda (der bloggt jetzt bei AOL, das ist hochdämlich und passt zu ihm) über den Haufen gerannt zu werden. Denken möchte ich auch nicht an die Tausende Teens, die noch heute im Berliner ÖPNV rumkreischen, -kotzen und -schwitzen werden.
PS Gerade gefunden: No politics, please! – »absolut kein Gegeifere oder Wettern gegen Bush, Blair oder den Irakkrieg«. Na prima, die Welt ist gut, wir haben uns alle lieb und fassen uns jetzt an den Händen…
roxomatic


Das mit dem Schuldenerlaß kann man sicher kontrovers diskuttieren. Wahrscheinlich wäre der Abbau von Handelsbarrieren sinnvoller als immer wieder Ländern Kredite zu geben, die sie dann eher schlecht als recht zurückzahlen können.
Die Live8 Geschichte finde ich allerdings gut, da es zumindest das Problem der armen Länder ins Bewußtsein ruft.
So zynisch allen Musikern nur Eigeninteressen bei der Initiative zu unterstellen bin ich nicht und meine, muß man auch nicht sein. Auch /reiche/ Musiker können durchaus ein soziales Gewissen haben.
Mag sein. Aber mir kommt diese Geschichte doch zu verlogen und oberflächlich vor.
Was wäre denn ehrlich und tiefgründig?
Ehrlich und tiefgründig wäre:
* Schuldige zu nennen
* selber Opfer zu bringen (das gilt insbesondere für die teilnehmenden Großverdiener)
* Probleme benennen. So gibt es Pläne der G8, denen zufolge den Ländern die Schulden erlassen werden sollen, die sich politisch genehm verhalten. Das soll Diktaturen ausschließen, träfe aber wohl auch progressive Regierungen, die den USA nicht in den Kram passen. Es träfe z. B. auch eine bolivianische Regierung, die den Gewinn aus den bolvianischen Bodenschätzen dem eigenen Staat und Volke zuführen wollte…