Heartsome 8.0

Totgeglaubte leben länger. Das könnte eventuell auch für das Heartsome Translation Studio gelten, für das – drei Jahre nach Veröffentlichung der Version 7.6 – nun die Version 8 angekündigt wurde (die Betaversion ist bereits verfügbar, die endgültige Version erscheint am 3. Dezember 2012).

Gegen wen wird und kann Heartsome damit antreten?

Gehen wir einmal davon aus, dass Heartsome in erster Linie Mac- und Linux-Anwender anspricht. Dann wäre die Konkurrenz vergleichsweise übersichtlich, aber gut bestückt:

  • Swordfish ist ein Derivat der früheren Heartsome-Version, allerdings auch bereits deutlich verbessert und mit einem sehr guten Support. Der ist meiner Erfahrung nach bei Heartsome (bei einfachen, grundlegenden Anfragen) doch eher mau…
  • Wordfast hat in den letzten Jahren mit seiner Pro-Version nachgelegt.
  • Cafetran ist das preiswerteste kommerzielle Programm und hat eine solide, aber engagierte Nutzerbasis.
  • OmegaT kann für diejenigen, die sich nicht zu schade sind, Textdateien zu editieren und Zusatzprogramme wie Toxic und Okapi zu bemühen, eine Open-Source-Alternative sein.
  • Außer Konkurrenz läuft memoQ, denn das bietet offiziellen Support für mit Parallels oder VMware betriebene Installationen. Aber ohne Windows geht es hier nicht.

Was bietet Heartsome?

Es gibt vier Programmversionen – Lite (kostenlos), Personal (298 €), Professional (398 €) und Ultimate (598 €). Bis zum 30. November bietet Heartsome einen Preisnachlass von 30 %. Wer ernsthaft übersetzen möchte, wird wohl zu den beiden teuren Versionen greifen müssen. Denn erst die Professional-Version bietet Funktionen, auf die man besser nicht verzichten sollte. Dazu gehören:

  • Remote-TMs (laut einer Ankündigung auch cloudbasiert)
  • Import und Export von Projekten (mit nicht näher detaillierter Interoperabilität)
  • Aufteilen und Zusammenführen von XLIFF-Dateien
  • Sperren von Dubletten
  • Autopropagation
  • RTF-Export zu Korrekturzwecken
  • Plug-ins
  • Konfigurieren der Segmentierungsregeln

Die Ultimate-Version bietet zudem

  • Kontextbezogene Matches
  • Externe Plug-ins (was auch immer das heißen mag)
  • Vorspeicherung von Maschinenübersetzungen

Und das ist das wirklich ärgerlich, denn sowohl Kontextmatches als auch externe Plug-ins (so es denn welche geben sollte) sollten zum Standard eines CAT-Programms gehören. Wenn man nun unterstellt, dass (derzeit) 418 € so teuer nicht seien, dann darf man nicht vergessen, dass einem selbst die Marktführer (Trados und memoQ) bei diversen Gelegenheiten zu ähnlichen Preisen nachgeworfen werden.

Zumal man das Geld in ein Unternehmen investiert, das sich in den letzten drei Jahren nicht gerührt hat, dessen Inaktivität immerhin zum Entstehen des Derivats Swordfish führte und dessen Supportqualität bislang – sagen wir es freundlich – eine Unbekannte ist. Wer mich für ungerecht hält, solle einen Blick auf die FAQ werfen. Verweise der Website auf LinkedIn oder Google+ laufen ins Leere. Vertrauen wird anders aufgebaut…

Im Prinzip kann man nur zum Abwarten raten – und viele Kollegen werden das ähnlich sehen. Ob Heartsome es unter diesen Umständen gelingt, aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen bzw. nicht wieder darin zurückzufallen, sei einmal dahingestellt.

# · 12. November 2012, 19:44 · 458 Wörter
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