SDL Trados Studio 2014...

…wird ja derzeit besser beworben als Spekulatius im Hochsommer. Aber weil wir hier darauf verwiesen haben, möchte ich auf einige Aspekte hinweisen, die mir aufgefallen sind.

Nichts für ungut, schließlich datiert die letzte Version von 2011 (es ist zumindest fragwürdig, seine Produkte ähnlich wie Microsoft an Jahreszahlen zu koppeln, beschleicht den Kunden doch immer sehr schnell das Gefühl, “outdated” zu sein). Wer mit entsprechenden Kunden zusammenarbeitet, wird auch früher oder später eine aktuellere Studio-Version erwerben. Das ist für den Ernstfall sinnvoller und professioneller als ausschließlich auf Workarounds ohne Trados (von denen es nicht wenige gibt) zu setzen.

In den letzten Jahren hat sich auf dem Markt Einiges getan. Während memoQ stetig zulegt, drängen (Noch-)Exoten wie Fluency oder CafeTran auf den Markt, vom wiederauferstandenen Heartsome nicht zu schweigen. Nun bin ich über diese Meldung gestolpert.

Was wird dort angepriesen?

  • AutoSuggest funktioniert jetzt bereits ab 10.000 Segmenten (statt stolzen 25.000 wie vorher). Hier war SDL einige Zeit memoQ voraus, bis memoQ die Muse (netter Name) einführte – und die benötigt nur “mehrere Tausend” Segmente.
  • QuickMerge – also das schnelle zusammenfügen unterschiedlicher Dateien und Formate. Diese Funktion gab es übrigens bereits in memoQ 2.2 – und das seit November 2007.
  • More Bilingual File Types on SDL OpenExchange – kann man bei vorstehenden Punkten noch nicken und sich freuen, dass diese Funktionen umgesetzt werden, ist mir dieser Punkt mehr als unverständlich. Denn Interoperabilität (schönes Wortmonster) steht ja schon seit mehreren Jahren ganz oben auf der Agenda der CAT-Hersteller (oder sollte es zumindest). XLF-Formate (so wie auch sdlxliff oder mqxliff) sind ein echter Fortschritt. Andererseits ist SDL OpenExchange schön angedacht – es handelt sich dabei quasi um eine offene Schnittstelle und ein Marktplatz für externe Entwicklungen. Es sollte allerdings nicht der Ort sein, an dem SDL nützliche und grundlegende Zusatzfunktionen versteckt. Denn wenn man diese SDL-Seite aufruft, dann sieht man, dass das am häufigsten heruntergeladene Extra gerade einmal 6200 Mal angefordert wurde (der 2. Platz geht an eine Funktion mit derzeit nicht einmal 4000 Anwendern bzw. Downloads). Auch wenn man über Trados-Anwenderzahlen nur spekulieren kann, ist das ein ernüchternder Wert. Von den Rezensionen für recht nützliche, aber sowieso nicht so leicht zu installierende Funktionen ganz zu schweigen. Das Schweigen von SDL auf unzufriedene Rezensenten nennt man im Neudeutschen dann wohl auch Kundendialog. Sprich: Was habe ich von Filtern für verschiedene zweisprachige Formate, wenn ich sie erst mühsam herunterladen muss oder einem geschätzten, aber in diesem Falle entsetzten Kollegen (nicht zu vergessen den technisch häufig überforderten Projektmanagern) klein-klein erläutern muss, wie denn jetzt das Dateiformat XY importiert oder exportiert werden kann. Diese von SDL entwickelten Funktionen – gerade die Filter – gehören in das Standardprogramm. Alles andere ist Mumpitz.
  • Versprochen werden auch mehr Geschwindigkeit und eine neue Alignment-Funktion. Wer LiveDocs und Alignment von memoQ kennt, weiß, dass die Meßlatte für Alignment-Funktionen hoch liegt. Interessante Funktion, aber Begeisterung mag sich nicht einstellen.

Bei aller Kritik wage ich die Prognose: SDL Trados wird sich dank seines geschickten Marketings natürlich relativ gut verkaufen, auch weil neben den normalen Benutzern viele Anwender eine aktuelle Trados-Version als Backup und zur Konvertierung verschiedener Formate in der Hinterhand haben (wollen oder sollten). Ebenso werden viele Benutzer ein Upgrade für ihre alte 2009er Version erwerben.

SDL wird zukünftig sicher weiterhin damit werben, das am weitesten verbreitete CAT-System zu sein. In quantitativer Hinsicht mag das Unternehmen recht haben. In qualitativer Hinsicht gäbe es da noch viel zu tun.

# · 27. August 2013, 13:56 · 585 Wörter
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