Übersetzen von memoQ-Dateien in SDL Trados Studio

Vor gar nicht so wenigen Jahren war die Kompatibilität von CAT-Programmen so eine Sache. Man konnte ein Dokument und eine TM austauschen und musste auf eine ähnliche Segmentierung und die Fuzzy-Match-Funktion des eigenen Programms hoffen.

Schon bei den ttx-Dateien, die von Trados 2007 erstellt werden, ließ sich bereits sehr gut Abhilfe schaffen. Mittlerweile bieten alle vernünftigen Programme die Möglichkeit, XML-Dateien in der einen oder anderen Form auszutauschen, wobei gerade Trados-Anwender – OpenExchange hin oder her – beim Thema „Interoperabilität“ nachts immer noch still in ihr Kissen weinen sollen.

Spaß beiseite: Es braucht zwei Seiten, um einen memoQ-Datei in SDL Trados Studio bearbeiten zu können – den Kunden, der eine Datei exportiert oder vorbereitet, und einen Kollegen, der die Datei öffnet. Mögliche Fehler kann es auf beiden Seiten geben. Ich hoffe, in dieser kurzen Übersicht beide Seiten gebührend zu berücksichtigen.

mqxliff

Am einfachsten gestaltet sich das Vorgehen bei mqxliff-Dateien. Der Absender exportiert die Datei genau so wie nebenstehend markiert. Bei diesem Format ändert der Empfänger die Dateiendung vor dem Import in Studio von mqxliff in xlf um und kann die entsprechende Datei dann importieren und bearbeiten.

Für die mqxliff-Endung gibt es auch eine OpenExchange-Erweiterung für Studio 2014. Das erschließt sich mir weder in die eine noch in die andere Richtung. Denn das Umbenennen einer Datei ist ja nicht sooo schwer und andere – selbst „exotischere“ – Tools erkennen und verarbeiten mqxliff-Dateien durch integrierte Filter, ohne weiteren Hokuspokus veranstalten zu müssen.

Dankbarerweise enthält das Dialogfeld seit dem letzten Build die Auswahlmöglichkeit Einfaches XLIFF für andere Tools, um zumindest beim memoQ-Anwender die Gefahr eines PEBKAC einzudämmen. Experten, die eine Datei als mqxlz exportieren und die Endung in mqxliff ändern, gibt es vermutlich trotzdem …

mqxlz

Auch mqxlz-Dateien sind keine Hexerei. Hier muss der Empfänger die Endung in zip umbenennen und die Dateien entpacken, um die mqxliff-Datei wie im vorstehenden Absatz beschrieben zu importieren und zu bearbeiten. Mit einer solchen Datei können memoQ-Anwender – das sei hier nur am Rande vermerkt – das Dokument nicht nur selbstständig verarbeiten, sondern sie verfügen außerdem (jetzt nochmals ganz tapfer sein, liebe Studio-Anwender!) über Live-Vorschau, Versionsverlauf und eine Strukturdatei, die ihnen einen reibungslosen Export des Zieldokuments ermöglicht. In memoQ, versteht sich.

Wird auf dem oben angezeigten Dialogfenster auch nur eines der drei Kontrollkästchen unter der ersten Option angeklickt, wird die Datei mit der Endung mqxlz exportiert. Die Umbenennung der mqxlz-Dateiendung in mqxliff oder xlf macht die Datei schlicht unbrauchbar.

Zweisprachige Tabelle

Jedes Dokument lässt sich aus memoQ als zweisprachige Tabelle im rtf-Format exportieren. Dementsprechend kann der memoQ-Anwender ein Dokument vorbereiten, indem er alle Quellsegmente in die Zielsegmente kopiert und die Datei als zweisprachige Tabelle exportiert. Auf den Export der Spalten ‚Segmentstatus‘ und ‚Kommentar‘ kann er in einem weiteren Dialogfeld verzichten. Nachteile hat diese Vorgehensweise bei Texten mit vielen Tags (weil diese nicht ganz so komfortabel zu handhaben sind wie bei den oben genannten Verfahren, auch wenn mit RegEx einiges möglich wäre) und bei partiell übersetzten Texten. Zudem darf der Trados-Anwender die Spalte mit den Quellsegmenten nicht ändern, er muss diese beim Import ausschließen (was bei Trados nicht so leicht ist wie bei memoQ, aber das nur am Rande …). Der Vorteil besteht darin, dass die Kommentare hier (je nach Vorgehensweise) in der Live-Vorschau sichtbar bleiben. Alternativ kann der memoQ-Anwender eine Ansicht nur aus kommentierten Segmenten erstellen, als zweisprachige Tabelle exportieren und der mqxliff-Datei ergänzend beigeben.

Zweisprachiges Word-Dokument

Bliebe noch das gute alte Trados 2007-Format als zweisprachige doc-Datei. Davon würde ich bei aufwendiger formatierten Texten grundsätzlich abraten, zumal die vorstehenden Möglichkeiten hoffentlich ausreichend sind.

Diese kurze Übersicht war hoffentlich erhellend und hilfreich. Immerhin kann man damit auch Transit-Pakete (allerdings ohne TM und TB, die separat exportiert und importiert werden müssen) über memoQ erfolgreich in Studio importieren.

# · 7. April 2015, 17:41 · 639 Wörter
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3 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentare

  1. Jerzy Czopik - 7. April 2015, 18:02

    Tja, ohne schnippische Kommentare ginge es wohl nicht?
    Umbenennen der Dateiendung ist keine so gute Lösung, denn dann landet man beim allgemeinen Dateitypen für XML, welcher für MQ nur bedingt geeignet ist. Mit dem richtigen Dateityp, der einfach über OpenExchange nachinstalliert werden kann, klappt das Übersetzen von MQXLIFF und MQLZ-Dateien recht problemlos. Nicht probiert habe ich welche, die Skeleton und Preview drin hätten.
    Im Übrigen weine ich als eingefleisschter Trados- (eigentlich Studio-) User nicht nachts ins Kissen wegen der fehlenden Interoperabilität. Dafür gibt es Lösungen. Anderseits ist das Verarbeiten von Daten aus Tool A im Tool B immer mit einem Risiko verbunden, dass die Daten beim Kunden nicht eingelesen werden können.


  2. Torsten - 8. April 2015, 06:58

    Natürlich geht es nicht ohne schnippische Kommentare, muss ja ein bisserl Spaß machen.

    Zumal bei einem „führenden“ Software-Anbieter zu erwarten wäre, dass für vergleichsweise unkomplizierte und „erwartbare“ Szenarien Out-Of-The-Box-Lösungen angeboten werden. Mir ist klar, dass SDL mit OpenExchange eine andere Philosophie verfolgt. Diese bringt aber in einer Branche mit (bedauerlicherweise) wenig technikaffinen Anwendern ab und zu einige Probleme mit sich. Da sich die Download-Zahlen des mqxliff-Plug-ins in Grenzen halten (heute < 1200 – sofern diese Zahlen realistisch sind), muss ich davon ausgehen, dass es möglicherweise Probleme gibt, wenn ich Aufträge im memoQ-Format an einen Studio-Benutzer vergebe.

    Dass die normale XML-Definition nur bedingt geeignet sei, glaube ich für die Theorie gerne, es hat bei mir in verschiedenen Praxisfällen aber nie ein reales Problem gegeben.

    Dass OpenExchange an anderer Stelle Möglichkeiten bietet, von denen wir komplexbeladene memoQ-Anwender nur träumen können, steht sicher außer Frage, ganz abgesehen von dem einen oder anderen Problemchen (wir müssen uns ja auch mal in den Schlaf weinen dürfen). Aber das ist eine andere Geschichte …


  3. Salvatore - 13. Mai 2015, 14:15

    Wenn du willst XML-Dateien übersetzen, kannst du diese Lokalisierungstool benutzen: poeditor.com/


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