CafeTran Espresso 2015

Heute stellen wir einmal ein relativ neues und unbekanntes CAT-Tool vor – CafeTran Espressp.

CafeTran wird seit rund 10 Jahren von Igor Kmitowski aus dem polnischen Kołobrzeg entwickelt. Es ist – wie auch Swordfish, OmegaT, Heartsome oder Wordfast Pro – ein javabasiertes Programm. Anders als das lustige Programmsymbol vermuten ließe, ist CafeTran ein vollwertiges und äußerst leistungsfähiges CAT-Tool oder TenT.

CafeTran bietet viele nützliche Funktionen, die von anderen CAT-Tools nicht geboten werden. Dazu zählen folgende Punkte:

  • die Auto-Completion-Funktion funktioniert und überzeugt vom ersten Segment an – und auch bei großen TMs wird eine angemessene Auswahl von passenden Einträgen angeboten. Spätestens wenn man nach längerer Arbeit mit CafeTran auf andere Programme umsteigt, bemerkt man den Unterschied und Produktivitätsverlust
  • die Programmoberfläche lässt sich umfassend und fast beliebig anpassen und zusammensetzen – z. B. auch mit schwebenden Fenstern
  • viele Funktionen – das Einrichten eines Projekts, das Hinzufügen von Segmenten, Wörtern oder Wortgruppen – funktionieren (optional) ganz einfach per Drag&Drop
  • bestechende Funktionen wie Untersegment-Lookup und Auto-Assembling
  • Übersetzung von PDF-Dokumenten
  • OpenOffice als optionaler externer Editor
  • als Alleinstellungsmerkmal ist ein direkter Import von iWork-Dateien möglich
  • die Total-Recall-Funktion ermöglicht die relativ problemlose Einbindung von TMs mit Hunderttausenden oder Millionen von Segmenten. Große TMs werden nicht einfach eingebunden, sondern in einem gesonderten Durchlauf (mit individuell einstellbaren Parametern) mit dem Dokument abgeglichen, um aus dem großen TM ein temporäres TM zu erstellen
  • externe TMs können auch über einen Rendezvous Memory Server eingebunden werden
  • bei der Filterfunktion werden optional die umgebenden Segmente der gefilterten Elemente angezeigt
  • ein umfassendes QA-Modul
  • äußerst nützliche Funktionen wie das Auflisten häufiger Wörter oder das Auflisten von Wörtern, deren Rechtschreibung dem Hunspell-Modul und dem eigenen Benutzerwörterbuch unbekannt ist
  • umfassende und flexible Suchfunktion
  • Kompatibilität zu SDL-Studio-Paketen sowie u. a. den Formaten *.sdlxliff (Studio), *.txml (Wordfast) und *.mqxliff (memoQ).
  • integrierter PDF-Reader zum Abgleich mit dem Quelldokument
  • gute Zusammenarbeit mit Dragon Naturally Speaking unter Windows – auf dem Mac läuft das Programm in Zusammenarbeit mit Dragon Dictate immerhin leidlich gut (was aber eher an den Schwächen von DD liegt). Mac Dictation soll laut Hans Lenting ganz gut funktionieren, allerdings ist Dictation ebenso wie maschinelle Übersetzung oder das Windows-10-Pendant Cortona aus Gründen der Vertraulichkeit mit etwas Vorsicht zu genießen (Ergänzung: Hans Lenting hat an anderer Stelle auf die Möglichkeit der erweiterten Diktierfunktion unter Mac OS X hingewiesen, die offline funktioniert – mehr zu dieser Funktion findet man hier).

Eine mögliche Konfiguration: Links oben maschinelle Übersetzung, rechts oben TM und (hier allerdings leeres) Glossar), unterhalb die Internetsuche.

CafeTran bietet eine sehr umfasende Dokumentation in Form eines geschlossenen Wikis. Hinzu kommt eine sehr aktive und hilfsbereite Mailingliste bzw. seit einigen Monaten auch ein Forum.

Fast alle Funktionen von CafeTran lassen sich nach eigenem Belieben einstellen und austarieren – das würde man sich bei einigen Konkurrenten auch wünschen.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile.

  • Der Bus-Faktor ist ernüchternd. Wenn Igor Kmitowski etwas passiert, schauen CafeTran-Anwender unter Umständen in die Röhre. Das klingt makaber, ist aber genau das, was vor längerer Zeit die Entwicklung von DéjàVu nachhaltig gehemmt haben soll. Mit der neuen Version Espresso 2015 – und einer Umstrukturierung im Hintergrund – steht jedoch der Schritt in Richtung einer zusätzlichen Professionalisierung in Aussicht.
  • Die Menüstruktur bedarf m. E. etwas mehr Ordnung. Manche Basisfunktionen „verstecken“ sich in Untermenüs. Wenn man sich in CafeTran einarbeitet – und (wie Jost Zetzsche bereits vor Monaten schrieb) CafeTran ist komplex genug, um sich einarbeiten zu müssen – ist das kein Problem mehr, zumal das Programm eher auf Tastaturarbeit denn auf Maisschubsen ausgelegt ist. Fast jede Funktion ist mit einem (konfigurierbaren) Tastaturkürzel belegt. Für Anfänger ist das Menü jedoch manchmal irritierend.
  • Die Dokumentation ist – wie gesagt – sehr umfassend, könnte aber m. E. deutlich besser strukturiert sein, und sie enthält leider auch einige Lücken. Hier und dort muss man auch einmal um die Ecke denken, um bestimmte Funktionen zu entdecken, die dann im Gegenzug wieder genial erscheinen.
  • Einige Funktionen sind noch nicht oder nur mangelhaft dokumentiert. Das heißt, dass es die Funktionen zwar gibt, man aber nur durch Zufall oder durch Nachfragen auf der Mailing-Liste oder im Forum darauf stößt.
  • Alle Office-Dateien im binären Format (also doc, xls, ppt) müssen in ein XML-Format (also docx, xlsx, pptx oder in ein OO-Format) umgewandelt werden. Benutzer der oben genannten javabasierten Programme kennen das schon.

Wer als Linux- oder Mac-Anwender weitestgehend auf virtuelle Maschinen verzichten möchte, erhält mit CafeTran auf jeden Fall eine sehr gute, vollwertige und empfehlenswerte Alternative zu Swordfish, OmegaT und Heartsome (kleiner Exkurs: Die Beta-Version von Fluency Now enttäuscht aufgrund fehlender Basisfunktionen und bei Wordfast lässt der seltsame, ein dezentes Schenkelklopfen auslösende Hinweis Most of the Mac issues can be solved by creating a new user account and installing Wordfast on it auf eine eher stiefmütterliche und von Unkenntnis geprägte Behandlung der Mac-Benutzer schließen).

Neu ist das Lizenzmodell von CafeTran. Die Demoversion erlaubt nunmehr bis zu 1000 TM-Segmente und bis zu 500 TB-Einträge – und das zeitlich unbegrenzt. Damit wird eine absolut funktionsfähige Umsetzungsumgebung für kleine Projekte geboten.

Eine Lizenz gilt für zwei Installationen. Sie kann als Abonnement auf Jahresbasis oder für drei Jahre erworben werden und umfasst alle Upgrades innerhalb dieses Zeitraums. Der Support funktioniert tadellos und beispielhaft.

Weitere Informationen und Screenshots gibt es in diesem Artikel von Hans Lenting im ADÜ-Infoblatt (S. 12-16) oder im (reaktivierten) Weblog von Hans van den Broek.

# · 11. September 2015, 14:03 · 910 Wörter
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1 Kommentar(e) · Kommentieren!

Kommentar

  1. Francisco - 11. September 2015, 16:46

    Hallo Torsten,

    vielen Dank für die interessanten Infos. Habe mir auch vor einiger Zeit CafeTrans installiert, aber mich noch nicht weiter damit beschäftigt. Dein Bericht ist da eine gute Motivation.
    Grüße
    Francisco


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