Mein liebster Romananfang
Sollte man auch ohne Google-Hilfe kennen:
Ils avaient annoncé des orages pour la fin de la journée, mais le ciel restait bleu et le vent était tombé.
Oder in der Übersetzung:
Für den frühen Abend war Gewitter angesagt, aber der Himmel blieb blau und der Wind hatte nachgelassen.
Bildungsbürgerliches Stöckchen von Dirk Nolte. Für eine profunde Übersetzungskritik (des Romananfangs) fehlt leider die Zeit.
Weitergabe an Markus Trapp.
Zehn Fragen fürs humanistische Gewissen
Der WDR fragt – wir antworten.
Heute ist der Welttag der Poesie – höchste Zeit zu prüfen, ob Sie unsere Klassiker noch kennen. Wir bieten Ihnen zehn Gedichtanfänge und jeweils vier Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte.
7 von 10 Antworten richtig – eher was für Anfänger, oder ich bin doch Bildungsbürger.
Werktreue und schlechte Witze
Heute mal wieder Kultur.
Ich habe drei Bücher von David Sedaris übersetzt, und ich hasse es, Leute zu übersetzen, deren Englisch schlechter ist, als mein Deutsch, aber Sedaris’ Englisch ist sogar schlechter als mein Englisch, was man der Übersetzung natürlich leider nicht mehr anmerkt, insofern ist sie nicht werktreu. Man kann zwar einen guten Witz, den man schlecht erzählt bekommen hat, besser weitererzählen, aber bei Übersetzungen geht das nicht.
Er ist unsäglich als Schauspieler in einer außerordentlich überschätzten deutschen Fernsehserie, aber er kann ganze Sätze formulieren, und das heißt ja schon was, heutzutage. Harry Rowohlt im Interview beim Standard (via xrays).
Alt, halbblind und mottenzerfressen
Das folgende Zitat passt – bedauerlicherweise – nicht nur auf einen Autoren-Workshop, sondern auch auf meterweise Buchhandlungsregale.
Katja zum Beispiel verfasste konsequent diese Art von Kurzgeschichten, in der Wimpern sehr kurz oder mindestens strohig waren und die Menschen nicht nur bemerkenswerte Individuen, sondern ausgesprochen verschroben-originell. Hunde gab es nur in alt, halbblind und mottenzerfressen, Frauen benahmen sich merk- bis fragwürdig und Männer spuckten oder pissten oder Schlimmeres, obwohl es gerade gar nicht passte.
Noch mehr Beschreibungen von Frau Melody im Buchblogger
Warum zitieren?
Ein kleines Zitat zum Jahresabschluss.
[...] und außerdem heißt zitieren sich zitieren, das haben schon viele gesagt und getan, mit dem Unterschied, daß die Pedanten zitieren, weil das Eindruck macht, und die Cronopien, weil sie schrecklich egoistisch sind und ihre Freunde für sich allein haben wollen [...]
Sagt Cortázar in seiner Reise um den Tag in 80 Welten. Passt letztlich auch in die Blogosphäre.
Halb... was?
Als die Mode aufkam, sich aus der Welt ins Harry-Potter-Land zu verdünnisieren, beteiligten sich daran auch Menschen, die mir am Herzen liegen und auf deren Lesefähigkeit ich einiges gebe. Also schnappte ich mir Band 1 und las. Ich kam bis Seite 60 oder 80, dann war ich des Gähnens müde. Karl May hatte ich als Kind und Jugendlicher schon gelesen, und auf Literatur, die nicht in die Welt hinein-, sondern nur aus ihr hinauswill, bin ich seitdem nicht mehr scharf.
Wiglaf Droste lässt sich in wohlbekannter Manier in der taz vom 18.7.05 aus: Rache ist Halbblutwurst [gefunden bei evilhell]
Quijote auf dem Lokus
Endlich gibt es wieder einen netten Aufhänger für unterhaltsamen Unterricht mit Don Quijote: Bei der Lektüre der Autobiographie Vivir para contarla von Gabriel García Márquez schreibt dieser, wo er ihn schätzen gelernt hat:
Me aburrían las peroratas sabias del caballero andante y no me hacían la menor gracia las burradas del escudero, hacia el extremo de pensar que no era el mismo libro de que tanto se hablaba. Sin embargo, me dije que un maestro tan sabio como el nuestro no podía equivocarse, y me esforcé por tragármelo como un purgante a cucharadas. Hice otras tentativas en el bachillerato, donde tuve que estudiarlo como tarea obligatoria, y lo aborrecí sin remedio, hasta que un amigo me aconsejó que lo pusiera en la repisa del inodoro y tratara de leerlo mientras cumplía con mis deberes cotidianos. Sólo así lo descubrí, como una deflagración, y lo gocé al derecho y al revés hasta recitar de memoria episodios enteros.
Endlich wissen wir, was der Herr García Márquez auf dem Klo macht (für die ganz Schlauen: das Zitat findet sich auf Seite 168). Bis jetzt galt ja eher der Reim vom Lokus und der bekannten deutschen Wochenzeitung.
Daneben ist diese Autobiographie (gibt es auch schon in deutscher Übersetzung) ein gefundenes Fressen für diejenigen, die sich mit dem Genre beschäftigen, und sehr nett ist auch der Hinweis, dass er in Interviews gerne fantasiere (Seite 532). Damit darf man allen, die in Aufsätzen oder Vorträgen auf das Statement Z in Interview XY des Nobelpreisträgers hinweisen, diese Autobiographie um die Ohren hauen. Das kann Verletzungen verursachen, aber es macht sicher Spaß.
roxomatic
