Translation Office 3000 - lohnt sich das?
Advanced International Translations sind die Hersteller der Software Translation Office 3000. Die teilweise etwas überschwängliche Werbung verstellt mit ihrem Stil vielleicht das, was sich hinter diesem Programm verbirgt: Projektmanagement, CRM-Management, Adressverwaltung, Buchhaltung. Alle Funktionen dieses Programms im Detail zu beschreiben, würde zuviel Zeit kosten.
Größter Vorteil:
Man kann eigentlich fast alles nach Belieben einstellen, ergänzen, ändern.
Größter Nachteil:
Man muss eigentlich fast alles einstellen, ergänzen, ändern, damit es richtig funktional beziehungsweise ansehnlich wird (das gilt vor allem für die Rechnungsvorlagen).
Die Software zwingt mit sanftem Druck zu einer systematischen Arbeitsweise. Für jedes Projekt wird (optional) ein Verzeichnis mit den Unterverzeichnissen für eingehende, ausgehende und Arbeitsdateien erstellt. Ebenso werden Ordner für jeden einzelnen Kunden angelegt. Sämtliche dieser Verzeichnisse (Pfad, Name, Menge) lassen sich recht einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Doch gerade bei Berichten und Rechnungsvorlagen muss man manchmal beide Ärmel aufkrempeln und sich nicht zu schade sein, mit den Variabeln herumzubasteln.
Seit diesem Jahr ist die Software auch in deutscher Sprache verfügbar. Leider haben sich – und das ist bei der Zielgruppe besonders peinlich – einige Übersetzungsfehler eingeschlichen. So wurde das englische “quote” mit Anführungszeichen übersetzt, obwohl es doch nicht mehr als ein “Angebot” sein sollte. Diese Schnitzer werden in den nächsten Monaten durch die Rückmeldungen der Benutzer sicherlich behoben werden können.
Im Programm enthalten ist das Zählprogramm AnyCount. Ob das nun ein Vorteil ist oder nicht, soll jeder für sich beantworten, ich verwende es allerdings nicht.
Wunschliste:
- teilweise eine bessere Verlinkung der verschiedenen Registerkarten und Bildschirmmasken. Mit ein wenig Übung kein Problem, für den Anfänger aber sicher verwirrend.
- komplexere Backup-Funktion mit regelmäßigen Backups
- mehr Vorlagen, auch bei den Berichten (Umsatzsteuer-Voranmeldung), evtl. auch als Download
- Möglichkeit, die automatische Rechnungsstellung auf das Monatsende einzustellen (bislang geht nur “nach x Tagen” bzw. “bei Erreichen der Summe x”.
- alle Optionen in ein Menü packen und nicht mehr auf vier Menüpunkte verteilen
Fazit:
Ja, dieses Programm lohnt sich und ist (fast) ein Muss für jeden Kollegen. Es kostet ein wenig Arbeit und Zeit, das Programm an die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse anzupassen. Hat man diesen Schritt allerdings bewältigt, so verfügt man über ein überaus sinnvolles und funktionales Programm, das aus dem Arbeitsalltag kaum wegzudenken ist. Ferade diese Anpassungsfähigkeit in vielen Details machen den Charme dieses Programms aus.
Vor diesem Hintergrund ist der Preis von derzeit 189 Euro (es gibt fast laufend Sonderangebote auf den einschlägigen Portalen) mehr als gerechtfertigt, gerade auch, weil Translation Office 3000 über eine “normale” Buchhaltung weit hinausgeht.
Es gibt übrigens eine Demoversion, die auf 30 Tage und 50 Kunden beschränkt ist.
Zweieinhalb Tipps zur Produktivität...
…mit dem XP-Rechner, gefunden in erster Linie dort.
- Wer zum Deinstallieren immer noch die Windows-Systemsteuerung benutzt, sollte sich vielleicht mal Safarp anschauen, das eben diese Funktion systemweit übernimmt, aber weit, weit schneller ist (via T&B).
- Ähnliches gilt für die Ersetzung des Windows Explorers. Hier böte sich FreeCommander an (via T&B), das zwar sehr schnell ist, aber auch etwas spartanisch im Vergleich zum…
- …liebgewonnenen UltraExplorer, auf den ich vor Wochen hier hingewiesen wurde.
MemoQ
Bei Ungarn denken die meisten von uns an Gulasch, Puszta und Piroschka. Zumindest Übersetzern sollte bei diesem Stichwort einfallen, dass von dort eine CAT-Software kommt, die es im Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit mit den Big Playern wie Trados und Déjà Vu aufnehmen kann: MemoQ, entwickelt vom kleinen, aber feinen Unternehmen Kilgray.
MemoQ erinnert mit seiner Oberfläche ein wenig an Déjà Vu und SDLX, ist aber eine Entwicklung mit eigenständiger Konzeption. Die Chefentwickler – Balázs Kis, István Lengyel und Gabór L. Ugray – legen großen Wert auf die Möglichkeit, MemoQ auch serverunterstützt zu betreiben. Dadurch ist MemoQ für Agenturen eine attraktive Alternative zu den bestehenden Lösungen. Ich habe mir die Freelancer-Version angeschaut.
Was kann MemoQ?
- Bearbeiten von folgenden Formaten: Office (doc, ppt, xls), InDesign (INX), Framemaker (MIF), HTML, XML, Textdateien sowie präsegmentierte ttx- bzw. zweisprachige RTF-Dateien (hinzu kommen einige andere, seltenere Formate).
- Alignment: Erfassung eines Quell- und Zieldokuments in eine Translation Memory (kurz TM).
- Umfassendes Termbase- und TM-Management, Einlesen von CSV und TMX-Dateien möglich, Benutzen mehrerer Termbases oder TMs möglich.
- umfassend konfigurierbare Statistik-Funktionen nach Art von MemoQ und im Trados-Stil (der Unterschied wird in der Hilfe erklärt)
- MemoQ soll auf Intel-Macs und auf allen Os mit allen Arten von Virtual Machines laufen (da NET 2.0 benötigt wird, bin ich für Linux aber ein wenig skeptisch) – beides habe ich nicht getestet.
Wodurch hebt sich MemoQ von anderen Lösungen ab?
Für die Macher von MemoQ sind einzelne Übersetzer und die Gemeinschaft besonders wichtig. Das bemerkt man an
- einer ausführlichen Programmbeschreibung und FAQ bei Wikibooks (sicherlich noch ausbaufähig, bereits jetzt einschließlich einer Wishlist).
- einer Yahoo-Mailingliste, an der die Entwickler sehr aktiv teilnehmen, sich jedes Problems annehmen und auch umgehend Lösungen präsentieren.
- Entwicklungstempo und -qualität gerade im Vorfeld der just präsentierten Version 2.2 sind äußerst beeindruckend.
Daneben gefallen folgende Punkte
- weitgehende Einstellungen u.a. für Filter, Segmentierung und Autotranslatables möglich.
- alle Tastaturkürzel können angepasst werden.
- parametrisierte oder individuelle Einstellung und Anpassung der Exportverzeichnisse möglich.
- sehr intuitiv gestaltete Oberfläche, Unterstützung des üblichen Workflows beim Anlegen von Projekten
- Anzeige des prozentualen Fortschritts – projekt- und dokumentbezogen (nach Segmenten)
- gleichzeitiges Öffnen mehrerer Dokumente möglich (Anordnung mit Reitern)
- Semi-WYSIWYG-Oberfläche, das heißt, es gibt die Möglichkeit, fetten, kursiven oder unterstrichenen Text sofort im Programm zu erkennen und/oder zu erstellen.
- Sortieren und Filtern der Übersetzungseinheiten (Quell- oder Zieltext von A-Z, nach Länge oder Begriffen) – das ist eine geniale Funktion, die mit Version 2.2 eingeführt wurde (dieses Feature gibt es auch in DVX). Funktioniert auch dokumentübergreifend (sogenannte Views).
- MemoQ ist vergleichsweise schnell (nach Aussagen Dritter auf der Liste v.a. beim Import von TMs).
- Kontextsensitive Matches. Das heißt, es gibt 100%-Matches, wenn die Quellsegmente gleich sind, und 101%-Matches, wenn nicht nur die Quellsegmente, sondern auch ein benachbartes Quellsegment gleich sind. Mathematisch betrachtet ist das Schwachsinn, aber Übersetzer sind ja keine Mathematiker und irgendwie muss man ja die beiden Fälle auseinander halten. Auf jeden Fall ist das eine nerven- und zeitschonende Funktion.
- der Preis ist schlichtweg attraktiv. Man bekommt MemoQ entweder in der Version 2.0 als Postcardware und bekommt die nächsthöhere Version 2.1 für 99 Euro. Oder man investiert 399 Euro und erhält sein Leben lang Upgrades. Ein Schnäppchen geradezu und eine Aufforderung an überzeugte DVX- oder Trados-Nutzer, sich evtl. ein Zweit-CAT zuzulegen. Wem dieser Preis hoch erscheint, sollte sich die Preise für andere CAT-Tools anschauen, vor allem die Preise für jährliche Updates. Wäre ich ein böser, lästerhafter Mensch, würde ich behaupten, dass MemoQ die erste professionelle CAT-Lösung ist, die sich auch Literaturübersetzer (der ich nicht bin…) leisten können.
- die voll funktionsfähige Demoversion hat eine Laufzeit von 90 Tagen – hier ist man der Konkurrenz deutlich voraus (meines Wissens bietet nur Metatexis 60 Tage, alle anderen Anbieter 30 Tage). Danach läuft eine freie Version weiter, die aber nur ein Dokument mit einer TM zulässt – für sehr kleine Übersetzungen immer noch ein gangbarer Weg.
Was fehlt?
Schwierige Frage, das ist nämlich abhängig davon, welches Programm man bis dato benutzt hat.
- Etwas mehr Projektmanagement wie bei across wäre hilfreich für Leute, die sich einbilden, multitaskingfähig zu sein (z. B. Kalender- und Notizfunktionen)… die Lösung für Agenturen soll dahingehend etwas bieten.
- leichterer Umgang mit Tags in ttx-Dateien (soll mit Version 2.3 kommen)
- ähnlich schwierig ist der (in meinem Falle seltene) Umgang mit äußerst stark formatierten Texten, vor allem, wenn Tags umgestellt werden müssen (für richtiges Layout gibt es ja auch eigentlich Adobe InDesign (inx) und Framemaker (mif), das MemoQ ebenfalls bearbeiten kann).
- deutsche Lokalisierung und Auto-Update-Funktion (kommt beides mit der aktuellen Version 2.2)
- ein wunder Punkt ist die von Microsoft Word in MemoQ eingebundene Rechtschreibprüfung, die arg langsam ist. Den Entwicklern ist das Problem bekannt und eine Lösung ist anvisiert.
- Unterstützung für StarOffice/OpenOffice (dafür gibt es bislang nur ein umständliches Workaround)
- Die Installationsroutine muss zuerst entzippt werden (wie bei DVX). Kein Problem für 99% aller Nutzer, grundsätzlich, diese Anforderung könnte aber gerade bei Übersetzern einen großen Teil der Zielgruppe überfordern (kleiner Scherz auf Kosten der Übersetzer).
Für wen ist dieses Tool geeignet?
- Anfänger, die sich nicht oder nicht sofort mit der Preispolitik anderer Anbieter auseinander setzen mögen
- Anwender, die häufiger schnellen und effizienten Support brauchen (die Mailingliste ist in Englisch – einer der beiden Chefentwickler spricht aber hervorragend Deutsch…) – Mailinglisten gibt es natürlich auch für einige andere Tools….
- Fortgeschrittene, die ein weitestgehend flexibles, schnelles CAT-Tool als Ersatz oder in Ergänzung des bisher verwendeten Werkzeugs benutzen wollen, oder denen o.g. Preispolitik langfristig auf den Magen schlägt…
Einiges an MemoQ ist verbesserungswürdig, betrachtet man jedoch – wie bereits erwähnt – den intensiven Dialog der Entwickler mit den Anwendern und die Entwicklungsgeschwindigkeit, kann man diesbezüglich ausgesprochen zuversichtlich sein. Betrachtet man die bislang geringe Resonanz im deutschsprachigen Raum – legt man insbesondere Dr. Google zugrunde – lässt sich MemoQ hierzulande durchaus noch als Geheimtipp bezeichnen. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich MemoQ erwerben und auch in Zukunft einsetzen werde.
Nachtrag: Mehr zu CAT-Tools gibt es hier.
across
Wer schenkt einem Freiberufler 330 MB Software, die im Normalfall EUR 490,- kostet? Die across Systems GmbH aus Karlsbad macht das (seit 2005). Ein komplettes Übersetzungstool, das von registrierten Freiberuflern kostenlos genutzt werden kann. Das Tool arbeitet mit einer (im Installationspaket enthaltenen) Microsoft SQL-Datenbank.
Auf der across-Homepage finden sich Unmengen an Whitepapers, Hilfen und Dokumenten, die wochenlangen Lesegenuss bieten können. Das Programm hat stolze Mindestanforderungen (u.a. 512 MB Arbeitsspeicher) an das System und besteht aus mehreren Modulen (Oberfläche crossDesk, crossTerm – Terminologie-DB, crossTank – Translation Memory oder den crossGoodies, Tools dritter Parteien z. B. zum Schreiben der Rechnung, Backup und Restore).
Alle Übersetzungen sind projektbasiert und werden durch Assistenten vorbereitet und kompiliert. Workflows werden beim Anlegen eines Projekts gewählt (und lassen sich leider nachträglich nicht mehr abändern). Neben Office-Dateien können Adobe InDesign (inx), QuarkXPress (xtg) und viele andere Formate verarbeitet werden.
So weit, so gut. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Funktionen aufzuzählen, das lässt sich ja auch prima nachlesen. Daher fangen wir mal mit den kleinen und großen Nachteilen an.
- Das Programm ist langsam. Richtig, richtig langsam. Das grenzt wirklich schon an Körperverletzung. Die getestete Version 3.5 SP2 soll angeblich schon sehr viel schneller sein als frühere Versionen, aber dann bin ich heilfroh, nie die ältere Versionen kennen gelernt zu haben. Problematisch sind zum Beispiel das Speichern nach Fertigstellen eines Abschnitts, oder das Hinzufügen eines Begriffs im Rechtschreibmodus – angestrichen werden leider auch so “exotische” Wörter wie z. B. “diese”. Der Arbeitsablauf Übersetzen – 30 Sekunden warten – Übersetzen etc. ist nicht wirklich effektiv, geschweige denn produktiv. Nennen wir es ein K.O.-Kriterium. Böse Zungen werden jetzt behaupten, es läge an der Microsoft SQL-Datenbank.
- Bevor nun jemand meint, über meine Testumgebung zu lästern, der sei darauf hingewiesen, dass andere CAT-Tools auf dem selben Rechner weit schneller sind.
- Potenziert wird das Problem durch die mangelhafte Segmentierung. So werden Word-Dateien absatzweise (und nicht satzweise) segmentiert – dank des phlegmatischen Speicherns dauert das Bearbeiten entsprechend…
- Der letzte Punkt führt auch zu viel Gefrickel bei unterschiedlich formatierten Sätzen. Als Formate sind die im Quelltext vorhandenen Formate verfügbar.
- crossTerm frisst anscheinend gerne Begriffe mit einem Apostroph. So wird z. B. kein “appel d’offres” erkannt.
- crossTerm zeigt aber dagegen fröhlich doppelte Treffer an. Also neben der Übersetzung für “assessment” zum Beispiel auch die Übersetzung von “assess”. Andere Tools sind da intelligenter.
- across kann keine Trados-Dateien (präsegmentiert, itd, ttx, Termbase) “richtig” verarbeiten. Bei Terminologie-DBs ist ärgerlich, dass man dem Absender der DB zunänchst erklären muss, wie er denn bitte seine DB zu exportieren hat. Wer macht so etwas?
- Es gibt keine Community. Keine Mailinglisten. Keine Foren. Bei anderen Tools gibt es deutlich mehr usergenerierte Informationen im Netz. Bedauerlicherweise konzentriert sich across auf Firmenkunden – klar, die bezahlen ja auch weiterhin, aber ohne Fußvolk (vulgo: Übersetzer mit across) werden diese Firmen nicht zu across wechseln.
- Workflows lassen sich in der FL-Version nicht definieren.
Positive Punkte haben wir auch:
- die projektbasierte Konzeption überzeugt
- das Tool Termextraktion und -übersetzung (in einem Workflow enthalten) ist außerordentlich empfehlenswert
- das Qualitätsmanagement (Rechtschreibung, Formatierung etc.pp.) ist komplett im Paket enthalten.
- Es lassen sich eine Menge Berichte verschiedener Art erstellen. Als kleiner Freiberufler braucht man das nicht, aber als Agentur u.U. schon.
- crossTerm und crossTank bieten viele Möglichkeiten zum Export und Import (bis auf, naja, siehe oben).
- Die grundsätzliche Idee (Einloggen mit der FL-Version auf dem Server der Agentur) ist verlockend und eigentlich recht sinnvoll.
Zusammengefasst eignet sich across in der Einzelplatzversion für
- Übersetzer, die es gern einfach haben – viel Klickibunti mit geringem technischen Anspruch an den Endnutzer und kein spartanisches Herumgeporkel wie bei OmegaT.
- bei kleinen Dokumenten und/oder kurzen Segmenten fällt die Geschwindigkeit nicht so schrecklich ins Gewicht
- Produktivität hin, Geld her – viele Anfänger freuen sich über das Riesenpaket kostenfreier Software, das ja immerhin eine ganze Reihe Funktionen bietet – nur richtig professionell (heißt vor allem Kompatibilität zu anderen CAT-Tools, v.a. Trados) ist es halt nicht…
- immerhin, wer später meint, ein richtiges Tool muss her, freut sich darüber, dass across keine Einbahnstraße ist, sondern sich die TMs und Terminologie-DBs aus across problemlos exportieren und anderweitig importieren lassen.
- Firmen mögen an der engen Vernetzung mit bzw. Anbindung von Übersetzern sehr interessiert sein. Nur ob da die Übersetzer wirklich mitmachen…?
Sumatra: PDF-Dokumente lesen und drucken
Mein Name ist Markus Trapp, vielleicht kennt mich ja die roxomatische Leserschaft von meinem Blog Text & Blog oder von der Videotheke. Dies ist ein Gastbeitrag aufgrund einer verlorenen Fußballwette. Hätte ja nicht gedacht, dass ich es einmal dem FC Bayern verdanken würde, in einem von mir gerne gelesenen Blog, einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. ;-) Doch nun zur Sache:
Da ich mit Torsten Rox nicht nur ein Interesse für die Belange des Breitensports und der Romania teile, sondern wir beide auch ein Faible haben für ressourcenschonende Software, die den Forschungs- und Arbeitsalltag erleichtert, gibt es hier nun einen Software-Tipp.
Mittlerweile dürfte es bekannt sein, dass der Acrobat Reader von Adobe nicht das einzige Programm zum Lesen und Drucken von PDF-Dokumenten ist. Sowohl der Hausherr, als auch der Gastautor haben beizeiten bzw. ausführlich auf die gute Alternative Foxit-Reader hingewiesen. Wichtigste Vorteile: Kleiner Download und Schonung der Systemressourcen. Mittlerweile gibt es den Foxit Reader auch in einer Linux-Version.
Seit einigen Wochen ist nun aber eine noch kleinere Acrobat-Reader-Alternative am Software-Horizont erschienen, und zwar die Open-Source-Software Sumatra von Krzysztof Kowalczyk, die es dank fleißiger Übersetzer in 13 Sprachen gibt (darunter neben deutsch auch spanisch, französisch und englisch). Leider (noch) nur für Windows, aber für diesen Nutzerkreis sehr empfehlenswert, weil das Programm wirklich nur sehr klein ist (zur Zeit locker-leichte 800 KB) und ohne Installation auskommt. D.h. man kann Sumatra einfach zu seinem mobilen Büro auf den Speicherstick packen und hat so immer ein schnell funktionierendes PDF-Programm dabei. Weitere Vorteil von Sumatra: es lässt sich auch dann am Arbeitsplatz im Büro installieren, wenn man von seinem Systemadministrator nicht mit Installationsrechten für den eigenen PC bedacht wurde. Eine Chance für geknechtetes Universitäts- und Bibliotheks-Personal. ;-)
Also, wer schon immer über zu lange Ladezeiten am Rechner geklagt hatte, wenn er oder sie mal eben ein PDF-Dokument öffnen oder drucken wollte, oder wer keine Lust hat, sich mit Modem-Zugang oder trafficbasiertem DSL-Account die unglaublichen 32,1 Megabyte der aktuellen Acrobat-Reader-Version herunter zu laden, dem sei Sumatra besten Gewissens ans Herz gelegt.
Ende des Gastbeitrages. Über Kommentare des Gastgebers und seiner Leserschaft freue ich mich natürlich sehr.
OmegaT
OmegaT ist quasi der 2CV unter den CAT-Tools. Unschlagbar im Preis, sehr schnell, äußerlich einfach gehalten und wer es kann, darf auch am Programm herumbasteln.
Wer OmegaT benutzen möchte, braucht eine funktionierende Java-Umgebung, die zumindest bei der Windows-Version teilweise im OmegaT-Paket enthalten ist, ansonsten muss man hier die passende Version herunterladen. OmegaT selber gibt es hier. Die gepackte Datei sollte entpackt werden und die entsprechende Datei (unter Windows OmegaT.bat) sollte ausgeführt werden.
Was sich zunächst kompliziert anhört, freut Nutzer alternativer Betriebssysteme wie Linux oder Mac, werden diese doch mit CAT-Tools nicht allzu reich beschenkt.
OmegaT kann nur textbasierte Dateien übersetzen. Dazu zählen neben den üblichen Verdächtigen auch odt-Dateien, d.h. das Standardformat von OpenOffice 2. Man muss also doc- oder ppt-Dateien erst mit OpenOffice öffnen und dann im entsprechenden OO-Format abspeichern.
Wird OmegaT erfolgreich gestartet, öffnet sich ein dreigeteiltes Programmfenster. Links ist das Feld, in dem (später) das zu übersetzende Dokument bearbeitet wird. Zunächst wird in diesem Feld jedoch der Instant Start Guide angezeigt. Die anderen Fenster auf der rechten Seite zeigen Fuzzy Matches (sich bis zu x % wiederholende Segmente, wobei x individuell eingestellt werden kann) und das Glossar, mit dem eine Textdatei mit Terminologie eingelesen werden kann.
Die Optionen sind spärlich, immerhin gibt es individualisierbare Segmentierungsregeln für Deutsch, Russisch, Japanisch, Englisch und HTML-Dateien. Weitgehend lassen sich alle Befehle per Tastatur reproduzieren. Weitere Tools zu OmegaT gibt es hier.
Um eine Übersetzung zu starten, muss ein Projekt geöffnet werden. Dabei kann ein Projekt aus mehreren einzelnen Dateien bestehen. OmegaT fragt nach Ausgangs- und Zielsprache und legt die Verzeichnisse für alle relevanten Dateien fest. Im folgenden Fenster können die Ausgangsdateien importiert und durch Anklicken geöffnet werden.
Im linken Fenster sieht man nun den Ausgangstext. Sämtliche Formatierungen wurden durch Tags ersetzt. Die Tags müssen auch im übersetzten Text stehen bleiben. Das wird manchmal ein wenig heikel, wenn man nicht weiß, ob es sich um Zeilenumbrüche, Listenpunkte oder einfache Formatierungen handelt. Welchen Text setzt man wohin? Sollten am Ende der Übersetzungen Tags fehlen, ist keine Erstellung des Zieldokuments möglich – immerhin zeigt OmegaT per Menübefehl, in welchen Segmenten der Fehler liegt.
Minuspunkte
- Programm stürzt bisweilen ab (Fenster bleibt grau), wenn auch ohne Datenverlust. Das kann aber ebenso ein javaspezifisches Problem sein
- etwas umständlicher Workflow durch den Zwang zum Konvertieren in OO-Formate
- Glossare bzw. Terminologielisten lassen sich nur von Hand erstellen bzw. pflegen – im Programm selber geht auch nur Copy-and-Paste im Glossarfenster
- die Formatierungen des Zieldokumentes überzeugen nicht immer
- Die entstehenden TMs sind veralteter Standard und beinhalten alle Tags (es gibt allerdings ein Tool, um diese herauszulöschen).
Pluspunkte
- plattformübergreifend
- relativ schnell
- durchaus intuitiv (auch durch die recht wenigen Funktionen)
- projektbezogene Arbeit von Beginn an
Fazit
OmegaT ist eine gute Wahl für
- Anfänger, die nicht gleich ein paar Hundert Euro in ein professionelles Tool investieren wollen oder können.
- für jemanden, der sich nicht so sehr um Terminologie schert oder gerne bereit ist, entsprechende Listen mit dem Texteditor zu pflegen.
- Fans von Open Source, Linux und Mac kommen ebenfalls auf ihre Kosten.
CAT-Tools im Vergleich
Aus beruflichen Gründen setze ich mich derzeit verstärkt mit CAT-Tools auseinander. CAT steht für Computer-Aided Translation. Die Bandbreite der Funktionen dieser Werkzeuge ist auch für Außenstehende sehr erstaunlich.
Zu den Faktoren, mit denen ich mich jeweils beschäftigen werde, gehören:
- Systemvoraussetzungen und Installation
- Programmoberfläche
- Workflow und Projektmanagement
- Möglichkeiten der Termextraktion
- Translation Memories
- Kompatibiltät mit anderen Tools
- Preis und Verbreitung
Die Programme und Hilfsmittel, zu denen ich etwas schreiben werde, sind u.a. OmegaT, across, SDLX und Trados, MemoQ, Heartsome und Metatexis (bitte keine Hinweise auf Wordfast, das mag ich nicht). Die Artikel werden sich unter dem Tag cat-tools finden und sind natürlich recht subjektiv – wer es nüchterner und langweiliger mag, solle dort nachlesen (auf jeden Fall ein lesenswerter Bericht).
roxomatic