Anaphraseus 2.0
Das Programm Anaphraseus ist präzise formuliert eine (versuchte) Portierung des CAT-Programms Wordfast Classic (das mit Microsoft Office funktioniert) auf OpenOffice. Oder besser gesagt, es ist ein Versuch, dies zu erreichen, denn Anaphraseus – immerhin schon mit einem vergleichsweise langen Wikipedia-Artikel “geadelt” – bietet lange noch nicht so viele Funktionen wie ehedem Wordfast.
- Der Aufbau ist einfach, beinahe selbsterklärend, und grundsätzlich ist die Anwendung – profan formuliert eine OpenOffice-Erweiterung – schnell (aber Geschwindigkeit ist immer relativ). OpenOffice wird um eine Werkzeugleiste ergänzt (siehe Grafik), wobei jeder Befehl auch mithilfe eines Menüs und einer Tastenkombination ausgeführt werden kann. Ebenso wie die Anwendung schnell ist die Fülle an Funktionen eher begrenzt. Konkordanzsuche z. B.? Nicht wirklich.
- Plattformübergreifend – genauso wie OmegaT, Wordfast, Cafetran, Heartsome, Swordfish. Sehen wir einmal von den verhärmten Dogmatikern ab, die nur auf Linux setzen, ist diese plattformübergreifende Verwendung wohl in erster Linie für Mac-User interessant. Dieser Markt wird immer noch stiefmütterlich behandelt – sieht man einmal von Kilgray ab, das immerhin “offiziell” Support für memoQ unter Parallels anbietet.
- Veraltetes Konzept: Selbst SDL und Wordfast (Pro) gehen inzwischen den Weg der zweisprachigen Tabellenansicht. Übersetzung von Excel-Tabellen? PowerPoint-Präsentationen? Keine reelle Chance (theoretisch mit bestimmten Tools schon).
- Wenige Einstellungen kann man als Vor- oder Nachteil abwägen. Wir sind hier gemein und nennen es einen Nachteil, weil Übersetzer lieber an Dutzenden Stellrädchen ihrer Software drehen und keineswegs narrensichere Anwendungen benötigen.
- Anaphraseus ist für ein komplexeres Layout ungeeignet, weil die OO-basierte Funktion dieses garantiert zerschießt. Man mag ja Anhänger des ‘Open Source’-Gedanken sein, der Kunde allerdings bestimmt nicht, wenn er nach Rückgabe der Übersetzung eine geschlagene Stunde braucht, um das ursprüngliche Layout wieder herzustellen.
- Die Terminologiedatenbank kann programmintern erweitert, aber nicht bearbeitet werden. Aber auch ein Eintrag in die Datenbank – einer Textdatei – macht es erforderlich, zuerst den Begriff aus der Quellsprache und dann den Zielbegriff in ein Dialogfeld einzutippen. Etwas umständlich ist das schon …
- Unter Mac OS X landet der Cursor bei der Öffnung des neuen Segments immer zwei Teilen zu tief. So wird das nichts. Und wer im Dokument hin- und herscrollt, dem wird gerne mitgeteilt, dass nichts mehr zu tun sei, obwohl immer noch unübersetzte Segmente vorhanden sind.
- Kompatibel ist das Programm – das heißt das Format von TM und TB – in erster Linie zu Wordfast. Einschränkungen werden zwar erwähnt, aber nicht weiter erklärt. Der zweisprachige Text, der vor dem Entfernen des Ausgangstextes gespeichert wird, ist darüber hinaus zumindest mit memoQ kompatibel, und wahrscheinlich auch mit den meisten anderen CAT-Programmen, die mit diesem Format umzugehen verstehen – Trados 2009 gehört nicht dazu ….
Wer Anaphraseus verwenden mag, sollte dieses tunlichst nur bei simpel formatierten Fließtexten machen. Ob eine Oberfläche in Word wie bei Wordfast oder Metatexis (bei dessen Entwicklung sich derzeit scheinbar kaum noch etwas tut) besser oder vielleicht kreativer sein soll als die modernere Tabellenansicht, sei mal dahingestellt. Anaphraseus ist – ich wiederhole es gerne – der gutgemeinte Versuch eines Wordfast-Clones (und neben OmegaT das einzige ernsthafte ‘Open Source’ CAT-Tool), ohne aber an die Funktionsvielfalt von Wordfast heranzureichen. Und es steckt (noch) arg in den Kinderschuhen. So oder so steht und fällt dieses niedliche CAT – ähnlich wie OmegaT – mit der bei komplexer Gestaltung begrenzten Kompatibilität zwischen OpenOffice und Microsoft Office.
Update: Marc Prior hat mich inzwischen zu Recht darauf hingewiesen, dass OmegaT natürlich in der Lage ist, XML-basierte Dateien wie z. B. auch *.docx (MS Office 2007) ohne jeden Umweg über OpenOffice einzulesen und nach erfolgter Übersetzung zu exportieren.
memoQ 4.2
Bereits seit Anfang des Jahres ist memoQ in der Version 4.0 erhältlich, mittlerweile auch in der Version 4.2. memoQ ist ein Softwareprogramm zur compouterunterstützten Übersetzung – nennen wir es doch einfach CAT-Tool. An anderer Stelle wurde bereits früher Version 2.2 rezensiert. Auch diese Kritik bezieht sich auf memoQ translator pro – die Version für Einzelbenutzer – und nicht auf die aufwendigere Serverversion.
- memoQ 4.2 verfügt über eine Exportfunktion als zweisprachiges RTF, die – ich übertreibe ja gerne – ein absoluter Höhepunkt ist. Dokumente lassen sich in dieses Format exportieren und in Microsoft Word (mit dem Duden-Korrektor) oder (optimalerweise) ausgedruckt korrigieren. Dazu gibt es auch die Möglichkeit, für jedes Segment ein Kommentarfeld auszufüllen. dieser Kommentar wird nach dem Korrekturdurchgang zusammen mit den korrigierten Segmenten importiert. Durch diese Korrektur können “saubere”, zumindest aber gepflegtere TMs gewährleistet werden. Bei den ersten Versionen von 4.2 kam es noch zu Problemen, wenn das RTF mit OpenOffice geöffnet und bearbeitet wurde (weder der Quelltext auf der linken Seite noch die Nummerierung dürfen geändert werden). Außerdem bleiben nicht immer alle Quelltextsegmente von der Rechtschreibprüfung ausgenommen, das ist recht ärgerlich. Ebenso ist ein Re-Import oder Update nur im ursprünglichen memoQ-Projekt möglich. Unterm Strich bietet nun auch memoQ mit dieser Funktion etwas, was ehedem ein Alleinstellungsmerkmal von DéjàVu war.
- Bessere Projektübersicht und -verwaltung in der Freelancer-Version. Etwas unglücklich ist die nicht konsistente Oberfläche, wenn ein Projekt geöffnet ist und ein anderes, älteres Projekt öffnet.
- Das Dashboard in memoQ öffnet neben einer Liste der letzten Projekte auch einen Newsfeed. Es informiert zuden darüber, ob die aktuelle Version verwendet wird. Diese Lösung ist insgesamt angenehmer und besser als bei den Versionen 2.x und 3.x.
- Der Import und Export als vollständiges Projekt (mit allem, also auch TM und TB) ist seit 4.0 nicht mehr möglich. Stattdessen muss man auf andere bilinguale Formate (doc oder mbd) ausweichen, oder eben die Serverversion erstehen, um “Handoff Packages” erstellen zu können. Das bedeutet also unter Umständen, dass man einem Kollegen neben dem dokument noch eine exportierte TM und TB zusenden muss. Das ist kein Beinbruch, aber umständlich.
- Mit Version 4.2 werden auch Terminologie-Plugins eingeführt, die einen Anschluss an Online-Wörterbücher ermöglichen. Bislang ist dies nur EuroTermBank, mit bislang fast gar keinen Konfigurationsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, das Plugin zu deaktivieren oder – muss es denn sein – die Option “Nur exakte Treffer” auszuwählen, wird man doch andernfalls mit Treffern überschüttet.
- Die Optionen sind nun kompakter gestaltet, dafür aber umständlicher in der Bedienung. Bevor man eine Ressource ändert, muss man zunächst eine Kopie dieser Ressource anlegen. Immerhin ist das ein narrensicheres Verfahren, falls man hinterher doch lieber wieder die Standardeinstellungen verwenden möchte.
- Die Rechtschreibprüfung mit Hunspell ermöglicht eine Korrektur bei Eingabe. Jedes (vermeintlich) falsch geschriebene Wort wird wie in einer Textverarbeitung mit einer roten Wellenlinie gekennzeichnet. Mit der optionale Rechtschreibprüfung von MS Office funktioniert das leider nicht. Zudem lassen sich verschiedene Auslasslisten definieren und für jedes Projekt aktivieren.
- Eine fundamentale Funktion der ansonsten pflegeleichten und auch flexiblen TB-Verwaltung fehlt. Zwar kann die Terminologiefunktion wunderbar zwischen Groß- und Kleinschreibung unterscheiden – womit zum Beispiel einem Begriff oder einer Abkürzung “TEST” in Großbuchstaben eine andere Übersetzung zugeschrieben werden kann als dem Wort “Test” (und mit Prä- und Suffixen geht sogar noch viel mehr). Aber weit häufiger ist der Fall, dass ein Begriff sowohl in Groß- als auch in Kleinschreibung verwendet wird – hier zum Beispiel “TEST”, “Test” und “test”, und genau das geht mit der Standardeinstellung von memoQ nicht. Dies bedeutet, dass man anstelle von Ctrl-Q den Befehl Ctrl-E eingeben muss und in einem Auswahlmenü etwas ändern muss. Gut, das ist jetzt ein Luxusproblem, aber es ist ärgerlich. Und es nervt. Es würde ja ausreichen, jeweils die letzte Einstellung der TB zu speichern.
- Unter der Haube hat sich seit unserer letzten Besprechung natürlich unglaublich viel getan, das heißt zum Beispiel verbesserte und neue Importfilter (Office 2007, Adobe InDesign CS4), AutoSuggest-Funktion und und und.
Grundsätzlich beschreitet Kilgray mit memoQ weiterhin den richtigen Weg. Die Benutzeroberfläche wurde in den letzten Jahren auch bei Wordfast (Pro) und SDL Trados 2009 eingeführt. Hinzu kommt ein weiterhin sehr aktiver und bemühter Support (‘bemüht’ im positiven Sinne des Wortes) – vor allem über die Mailingliste, aber auch individuell per E-Mail. Interessant wird noch das Terminologie-Plugin und die zukünftigen Möglichkeiten, dieses Werkzeug auf die eigenen Bedürfnisse fein abzustimmen.
Dieser kurze Artikel ist natürlich subjektiv und legt den Schwerpunkt auf die Aspekte und Funktionen, die für mich wichtig sind bzw. im Arbeitsalltag am häufigsten verwendet werden. Disclaimer: Ich haba in den letzten Jahren mehrfach kleinere Aufträge für Kilgray durchgeführt.
Wie übersetze ich ttx-Dateien ohne Trados?
Sicherlich eine der beliebtesten Anfragen. Mit dem Erscheinen von Trados Suite 2009, das ttx-Dateien nicht mehr umfassend unterstützt, wird sich diese Frage in mehreren Jahren allerdings nicht mehr stellen.
Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten.
Arbeiten ganz ohne Trados
- Dieser Weg führt mit Sicherheit über PlusToyz. Mithilfe der Makros in diesem Word-Dokument können ttx-Dokumente in Word-Tabellen umgewandelt werden – und wieder zurück.
- Im CAT-Tool across können ttx-Dateien in TM importiert werden. Es gibt jedoch meines Wissens kein gangbares Prozedere, um die ttx-Dateien mit across zu übersetzen.
- Alle wichtigen Wettbewerber (DéjàVu, Heartsome, memoQ, Wordfast Pro 2.4 – sogar OmegaT) ermöglichen die direkte Übersetzung präsegmentierter ttx-Dateien. Man bittet also entweder den Kunden, die Datei mit Trados zu präsegemntieren oder führt diesen Schritt selber durch (siehe unten).
Arbeiten mit der Trados 2007 Demoversion
- Besorgen Sie sich die Installationsdatei. Bis vor zwei Jahren gab es die gegen Registrierung bei SDL, inzwischen hilft nur noch Google. Die Installation ist 30 Tage voll funktionsfähig, anschließend können TMs mit maximal 50 Übersetzungseinheiten geladen werden. Für unsere Aufgabe ist das kaum relevant, da ttx auch mit leeren TM präsegmentiert werden können.
- Starten Sie Translator’s Workbench. Erstellen öder öffnen Sie eine Translation Memory (Menü Datei > Neu …). Um eine ttx-Datei zu präsegmentieren, müssen Sie den Befehl Extras > Übersetzung … starten.
- Ziehen Sie die ttx-Datei in das Feld “Zu übersetzende Dateien”. Aktivieren Sie das Kästchen “Unbekannte Sätze segmentieren”.
- Wenn Sie den Vorgang mit “Übersetzen” starten, werden die 100%-Treffer aus der TM bereits in das ttx eingefügt. Sollten Sie den Wert im Feld “% oder höherer Match-Wert” von 100 auf 60 herabsetzen, so werden auch Fuzzies aus der TM eingefügt. Der Trefferwert in % sollte später im CAT-Tool Ihrer Wahl neben dem entsprechenden Segment angezeigt werden. Bedenken Sie bitte, dass nach Ablauf des Testzeitraums (d.h. 30 Tage) können Sie nur noch TMs mit maximal 50 Einheiten geladen werden können.
- Das präsegmentierte ttx kann nun in das CAT-Tool eigener Wahl importiert und bearbeitet werden. Anschließend wird es exportiert – voilà.
- Es ist nicht nur eine Glaubensfrage, ob man das ttx des Kunden übernimmt. So ist vielleicht das ttx des Kunden schlicht nicht zu gebrauchen, oder man benötigt oder möchte für die Endkorrektur eine gecleante (einsprachige) Endversion (manchmal erhält man ohnehin nur ein PDF und eine ttx-Datei). Denn eine “fertige”, einsprachige Datei kann man nur erstellen, wenn die Ausgangsdatei – also z. B. ein Word-Dokument – unter dem Dateipfad abgelegt und zugänglich ist, die in der ttx-Datei gespeichert wurde (in einer der ersten Zeilen).
- Um ein eigenes ttx zu erstellen, öffnet man den Tag Editor, zieht die Datei hinein und speichert. Die ttx-Datei wird im gleichen Ordner wie die Quelldatei abgelegt. Man muss darauf achten, dass zu diesem Zeitpunkt in der Translator’s Workbench eine TM mit der richtigen Sprachkombination geöffnet ist. Andernfalls erfolgt nicht nur eine u. U. fehlerhafte Segmentierung, sondern es wird auch eine falsche Sprachkombination im ttx gespeichert.
- Wer mit dem ttx eine Trados TM als *.tmw erhält, muss den Kunden um einen Export im TMX- oder Textformat bitten. Das TMX-Format lässt sich im normalfall problemlos importieren, ein Export im txt-Format kann mithilfe des Programms ApSIC XBench in tmx umgewandelt werden.
- Das Format ttx ist keine Hexerei, sondern eine normale XML-Datei, die mit einem Texteditor geöffnet wrden kann. Auf diesem Weg lassen sich Sprachkombination oder Pfad der Quelldatei problemlos ändern.
Anmerkungen und Hinweise zu dieser Anleitung nehme ich gerne entgegen.
Translation Office 3000 - lohnt sich das?
Advanced International Translations sind die Hersteller der Software Translation Office 3000. Die teilweise etwas überschwängliche Werbung verstellt mit ihrem Stil vielleicht das, was sich hinter diesem Programm verbirgt: Projektmanagement, CRM-Management, Adressverwaltung, Buchhaltung. Alle Funktionen dieses Programms im Detail zu beschreiben, würde zuviel Zeit kosten.
Größter Vorteil:
Man kann eigentlich fast alles nach Belieben einstellen, ergänzen, ändern.
Größter Nachteil:
Man muss eigentlich fast alles einstellen, ergänzen, ändern, damit es richtig funktional beziehungsweise ansehnlich wird (das gilt vor allem für die Rechnungsvorlagen).
Die Software zwingt mit sanftem Druck zu einer systematischen Arbeitsweise. Für jedes Projekt wird (optional) ein Verzeichnis mit den Unterverzeichnissen für eingehende, ausgehende und Arbeitsdateien erstellt. Ebenso werden Ordner für jeden einzelnen Kunden angelegt. Sämtliche dieser Verzeichnisse (Pfad, Name, Menge) lassen sich recht einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Doch gerade bei Berichten und Rechnungsvorlagen muss man manchmal beide Ärmel aufkrempeln und sich nicht zu schade sein, mit den Variabeln herumzubasteln.
Seit diesem Jahr ist die Software auch in deutscher Sprache verfügbar. Leider haben sich – und das ist bei der Zielgruppe besonders peinlich – einige Übersetzungsfehler eingeschlichen. So wurde das englische “quote” mit Anführungszeichen übersetzt, obwohl es doch nicht mehr als ein “Angebot” sein sollte. Diese Schnitzer werden in den nächsten Monaten durch die Rückmeldungen der Benutzer sicherlich behoben werden können.
Im Programm enthalten ist das Zählprogramm AnyCount. Ob das nun ein Vorteil ist oder nicht, soll jeder für sich beantworten, ich verwende es allerdings nicht.
Wunschliste:
- teilweise eine bessere Verlinkung der verschiedenen Registerkarten und Bildschirmmasken. Mit ein wenig Übung kein Problem, für den Anfänger aber sicher verwirrend.
- komplexere Backup-Funktion mit regelmäßigen Backups
- mehr Vorlagen, auch bei den Berichten (Umsatzsteuer-Voranmeldung), evtl. auch als Download
- Möglichkeit, die automatische Rechnungsstellung auf das Monatsende einzustellen (bislang geht nur “nach x Tagen” bzw. “bei Erreichen der Summe x”.
- alle Optionen in ein Menü packen und nicht mehr auf vier Menüpunkte verteilen
Fazit:
Ja, dieses Programm lohnt sich und ist (fast) ein Muss für jeden Kollegen. Es kostet ein wenig Arbeit und Zeit, das Programm an die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse anzupassen. Hat man diesen Schritt allerdings bewältigt, so verfügt man über ein überaus sinnvolles und funktionales Programm, das aus dem Arbeitsalltag kaum wegzudenken ist. Ferade diese Anpassungsfähigkeit in vielen Details machen den Charme dieses Programms aus.
Vor diesem Hintergrund ist der Preis von derzeit 189 Euro (es gibt fast laufend Sonderangebote auf den einschlägigen Portalen) mehr als gerechtfertigt, gerade auch, weil Translation Office 3000 über eine “normale” Buchhaltung weit hinausgeht.
Es gibt übrigens eine Demoversion, die auf 30 Tage und 50 Kunden beschränkt ist.
Zweieinhalb Tipps zur Produktivität...
…mit dem XP-Rechner, gefunden in erster Linie dort.
- Wer zum Deinstallieren immer noch die Windows-Systemsteuerung benutzt, sollte sich vielleicht mal Safarp anschauen, das eben diese Funktion systemweit übernimmt, aber weit, weit schneller ist (via T&B).
- Ähnliches gilt für die Ersetzung des Windows Explorers. Hier böte sich FreeCommander an (via T&B), das zwar sehr schnell ist, aber auch etwas spartanisch im Vergleich zum…
- …liebgewonnenen UltraExplorer, auf den ich vor Wochen hier hingewiesen wurde.
MemoQ
Bei Ungarn denken die meisten von uns an Gulasch, Puszta und Piroschka. Zumindest Übersetzern sollte bei diesem Stichwort einfallen, dass von dort eine CAT-Software kommt, die es im Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit mit den Big Playern wie Trados und Déjà Vu aufnehmen kann: MemoQ, entwickelt vom kleinen, aber feinen Unternehmen Kilgray.
MemoQ erinnert mit seiner Oberfläche ein wenig an Déjà Vu und SDLX, ist aber eine Entwicklung mit eigenständiger Konzeption. Die Chefentwickler – Balázs Kis, István Lengyel und Gabór L. Ugray – legen großen Wert auf die Möglichkeit, MemoQ auch serverunterstützt zu betreiben. Dadurch ist MemoQ für Agenturen eine attraktive Alternative zu den bestehenden Lösungen. Ich habe mir die Freelancer-Version angeschaut.
Was kann MemoQ?
- Bearbeiten von folgenden Formaten: Office (doc, ppt, xls), InDesign (INX), Framemaker (MIF), HTML, XML, Textdateien sowie präsegmentierte ttx- bzw. zweisprachige RTF-Dateien (hinzu kommen einige andere, seltenere Formate).
- Alignment: Erfassung eines Quell- und Zieldokuments in eine Translation Memory (kurz TM).
- Umfassendes Termbase- und TM-Management, Einlesen von CSV und TMX-Dateien möglich, Benutzen mehrerer Termbases oder TMs möglich.
- umfassend konfigurierbare Statistik-Funktionen nach Art von MemoQ und im Trados-Stil (der Unterschied wird in der Hilfe erklärt)
- MemoQ soll auf Intel-Macs und auf allen Os mit allen Arten von Virtual Machines laufen (da NET 2.0 benötigt wird, bin ich für Linux aber ein wenig skeptisch) – beides habe ich nicht getestet.
Wodurch hebt sich MemoQ von anderen Lösungen ab?
Für die Macher von MemoQ sind einzelne Übersetzer und die Gemeinschaft besonders wichtig. Das bemerkt man an
- einer ausführlichen Programmbeschreibung und FAQ bei Wikibooks (sicherlich noch ausbaufähig, bereits jetzt einschließlich einer Wishlist).
- einer Yahoo-Mailingliste, an der die Entwickler sehr aktiv teilnehmen, sich jedes Problems annehmen und auch umgehend Lösungen präsentieren.
- Entwicklungstempo und -qualität gerade im Vorfeld der just präsentierten Version 2.2 sind äußerst beeindruckend.
Daneben gefallen folgende Punkte
- weitgehende Einstellungen u.a. für Filter, Segmentierung und Autotranslatables möglich.
- alle Tastaturkürzel können angepasst werden.
- parametrisierte oder individuelle Einstellung und Anpassung der Exportverzeichnisse möglich.
- sehr intuitiv gestaltete Oberfläche, Unterstützung des üblichen Workflows beim Anlegen von Projekten
- Anzeige des prozentualen Fortschritts – projekt- und dokumentbezogen (nach Segmenten)
- gleichzeitiges Öffnen mehrerer Dokumente möglich (Anordnung mit Reitern)
- Semi-WYSIWYG-Oberfläche, das heißt, es gibt die Möglichkeit, fetten, kursiven oder unterstrichenen Text sofort im Programm zu erkennen und/oder zu erstellen.
- Sortieren und Filtern der Übersetzungseinheiten (Quell- oder Zieltext von A-Z, nach Länge oder Begriffen) – das ist eine geniale Funktion, die mit Version 2.2 eingeführt wurde (dieses Feature gibt es auch in DVX). Funktioniert auch dokumentübergreifend (sogenannte Views).
- MemoQ ist vergleichsweise schnell (nach Aussagen Dritter auf der Liste v.a. beim Import von TMs).
- Kontextsensitive Matches. Das heißt, es gibt 100%-Matches, wenn die Quellsegmente gleich sind, und 101%-Matches, wenn nicht nur die Quellsegmente, sondern auch ein benachbartes Quellsegment gleich sind. Mathematisch betrachtet ist das Schwachsinn, aber Übersetzer sind ja keine Mathematiker und irgendwie muss man ja die beiden Fälle auseinander halten. Auf jeden Fall ist das eine nerven- und zeitschonende Funktion.
- der Preis ist schlichtweg attraktiv. Man bekommt MemoQ entweder in der Version 2.0 als Postcardware und bekommt die nächsthöhere Version 2.1 für 99 Euro. Oder man investiert 399 Euro und erhält sein Leben lang Upgrades. Ein Schnäppchen geradezu und eine Aufforderung an überzeugte DVX- oder Trados-Nutzer, sich evtl. ein Zweit-CAT zuzulegen. Wem dieser Preis hoch erscheint, sollte sich die Preise für andere CAT-Tools anschauen, vor allem die Preise für jährliche Updates. Wäre ich ein böser, lästerhafter Mensch, würde ich behaupten, dass MemoQ die erste professionelle CAT-Lösung ist, die sich auch Literaturübersetzer (der ich nicht bin…) leisten können.
- die voll funktionsfähige Demoversion hat eine Laufzeit von 90 Tagen – hier ist man der Konkurrenz deutlich voraus (meines Wissens bietet nur Metatexis 60 Tage, alle anderen Anbieter 30 Tage). Danach läuft eine freie Version weiter, die aber nur ein Dokument mit einer TM zulässt – für sehr kleine Übersetzungen immer noch ein gangbarer Weg.
Was fehlt?
Schwierige Frage, das ist nämlich abhängig davon, welches Programm man bis dato benutzt hat.
- Etwas mehr Projektmanagement wie bei across wäre hilfreich für Leute, die sich einbilden, multitaskingfähig zu sein (z. B. Kalender- und Notizfunktionen)… die Lösung für Agenturen soll dahingehend etwas bieten.
- leichterer Umgang mit Tags in ttx-Dateien (soll mit Version 2.3 kommen)
- ähnlich schwierig ist der (in meinem Falle seltene) Umgang mit äußerst stark formatierten Texten, vor allem, wenn Tags umgestellt werden müssen (für richtiges Layout gibt es ja auch eigentlich Adobe InDesign (inx) und Framemaker (mif), das MemoQ ebenfalls bearbeiten kann).
- deutsche Lokalisierung und Auto-Update-Funktion (kommt beides mit der aktuellen Version 2.2)
- ein wunder Punkt ist die von Microsoft Word in MemoQ eingebundene Rechtschreibprüfung, die arg langsam ist. Den Entwicklern ist das Problem bekannt und eine Lösung ist anvisiert.
- Unterstützung für StarOffice/OpenOffice (dafür gibt es bislang nur ein umständliches Workaround)
- Die Installationsroutine muss zuerst entzippt werden (wie bei DVX). Kein Problem für 99% aller Nutzer, grundsätzlich, diese Anforderung könnte aber gerade bei Übersetzern einen großen Teil der Zielgruppe überfordern (kleiner Scherz auf Kosten der Übersetzer).
Für wen ist dieses Tool geeignet?
- Anfänger, die sich nicht oder nicht sofort mit der Preispolitik anderer Anbieter auseinander setzen mögen
- Anwender, die häufiger schnellen und effizienten Support brauchen (die Mailingliste ist in Englisch – einer der beiden Chefentwickler spricht aber hervorragend Deutsch…) – Mailinglisten gibt es natürlich auch für einige andere Tools….
- Fortgeschrittene, die ein weitestgehend flexibles, schnelles CAT-Tool als Ersatz oder in Ergänzung des bisher verwendeten Werkzeugs benutzen wollen, oder denen o.g. Preispolitik langfristig auf den Magen schlägt…
Einiges an MemoQ ist verbesserungswürdig, betrachtet man jedoch – wie bereits erwähnt – den intensiven Dialog der Entwickler mit den Anwendern und die Entwicklungsgeschwindigkeit, kann man diesbezüglich ausgesprochen zuversichtlich sein. Betrachtet man die bislang geringe Resonanz im deutschsprachigen Raum – legt man insbesondere Dr. Google zugrunde – lässt sich MemoQ hierzulande durchaus noch als Geheimtipp bezeichnen. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich MemoQ erwerben und auch in Zukunft einsetzen werde.
Nachtrag: Mehr zu CAT-Tools gibt es hier.
across
Wer schenkt einem Freiberufler 330 MB Software, die im Normalfall EUR 490,- kostet? Die across Systems GmbH aus Karlsbad macht das (seit 2005). Ein komplettes Übersetzungstool, das von registrierten Freiberuflern kostenlos genutzt werden kann. Das Tool arbeitet mit einer (im Installationspaket enthaltenen) Microsoft SQL-Datenbank.
Auf der across-Homepage finden sich Unmengen an Whitepapers, Hilfen und Dokumenten, die wochenlangen Lesegenuss bieten können. Das Programm hat stolze Mindestanforderungen (u.a. 512 MB Arbeitsspeicher) an das System und besteht aus mehreren Modulen (Oberfläche crossDesk, crossTerm – Terminologie-DB, crossTank – Translation Memory oder den crossGoodies, Tools dritter Parteien z. B. zum Schreiben der Rechnung, Backup und Restore).
Alle Übersetzungen sind projektbasiert und werden durch Assistenten vorbereitet und kompiliert. Workflows werden beim Anlegen eines Projekts gewählt (und lassen sich leider nachträglich nicht mehr abändern). Neben Office-Dateien können Adobe InDesign (inx), QuarkXPress (xtg) und viele andere Formate verarbeitet werden.
So weit, so gut. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Funktionen aufzuzählen, das lässt sich ja auch prima nachlesen. Daher fangen wir mal mit den kleinen und großen Nachteilen an.
- Das Programm ist langsam. Richtig, richtig langsam. Das grenzt wirklich schon an Körperverletzung. Die getestete Version 3.5 SP2 soll angeblich schon sehr viel schneller sein als frühere Versionen, aber dann bin ich heilfroh, nie die ältere Versionen kennen gelernt zu haben. Problematisch sind zum Beispiel das Speichern nach Fertigstellen eines Abschnitts, oder das Hinzufügen eines Begriffs im Rechtschreibmodus – angestrichen werden leider auch so “exotische” Wörter wie z. B. “diese”. Der Arbeitsablauf Übersetzen – 30 Sekunden warten – Übersetzen etc. ist nicht wirklich effektiv, geschweige denn produktiv. Nennen wir es ein K.O.-Kriterium. Böse Zungen werden jetzt behaupten, es läge an der Microsoft SQL-Datenbank.
- Bevor nun jemand meint, über meine Testumgebung zu lästern, der sei darauf hingewiesen, dass andere CAT-Tools auf dem selben Rechner weit schneller sind.
- Potenziert wird das Problem durch die mangelhafte Segmentierung. So werden Word-Dateien absatzweise (und nicht satzweise) segmentiert – dank des phlegmatischen Speicherns dauert das Bearbeiten entsprechend…
- Der letzte Punkt führt auch zu viel Gefrickel bei unterschiedlich formatierten Sätzen. Als Formate sind die im Quelltext vorhandenen Formate verfügbar.
- crossTerm frisst anscheinend gerne Begriffe mit einem Apostroph. So wird z. B. kein “appel d’offres” erkannt.
- crossTerm zeigt aber dagegen fröhlich doppelte Treffer an. Also neben der Übersetzung für “assessment” zum Beispiel auch die Übersetzung von “assess”. Andere Tools sind da intelligenter.
- across kann keine Trados-Dateien (präsegmentiert, itd, ttx, Termbase) “richtig” verarbeiten. Bei Terminologie-DBs ist ärgerlich, dass man dem Absender der DB zunänchst erklären muss, wie er denn bitte seine DB zu exportieren hat. Wer macht so etwas?
- Es gibt keine Community. Keine Mailinglisten. Keine Foren. Bei anderen Tools gibt es deutlich mehr usergenerierte Informationen im Netz. Bedauerlicherweise konzentriert sich across auf Firmenkunden – klar, die bezahlen ja auch weiterhin, aber ohne Fußvolk (vulgo: Übersetzer mit across) werden diese Firmen nicht zu across wechseln.
- Workflows lassen sich in der FL-Version nicht definieren.
Positive Punkte haben wir auch:
- die projektbasierte Konzeption überzeugt
- das Tool Termextraktion und -übersetzung (in einem Workflow enthalten) ist außerordentlich empfehlenswert
- das Qualitätsmanagement (Rechtschreibung, Formatierung etc.pp.) ist komplett im Paket enthalten.
- Es lassen sich eine Menge Berichte verschiedener Art erstellen. Als kleiner Freiberufler braucht man das nicht, aber als Agentur u.U. schon.
- crossTerm und crossTank bieten viele Möglichkeiten zum Export und Import (bis auf, naja, siehe oben).
- Die grundsätzliche Idee (Einloggen mit der FL-Version auf dem Server der Agentur) ist verlockend und eigentlich recht sinnvoll.
Zusammengefasst eignet sich across in der Einzelplatzversion für
- Übersetzer, die es gern einfach haben – viel Klickibunti mit geringem technischen Anspruch an den Endnutzer und kein spartanisches Herumgeporkel wie bei OmegaT.
- bei kleinen Dokumenten und/oder kurzen Segmenten fällt die Geschwindigkeit nicht so schrecklich ins Gewicht
- Produktivität hin, Geld her – viele Anfänger freuen sich über das Riesenpaket kostenfreier Software, das ja immerhin eine ganze Reihe Funktionen bietet – nur richtig professionell (heißt vor allem Kompatibilität zu anderen CAT-Tools, v.a. Trados) ist es halt nicht…
- immerhin, wer später meint, ein richtiges Tool muss her, freut sich darüber, dass across keine Einbahnstraße ist, sondern sich die TMs und Terminologie-DBs aus across problemlos exportieren und anderweitig importieren lassen.
- Firmen mögen an der engen Vernetzung mit bzw. Anbindung von Übersetzern sehr interessiert sein. Nur ob da die Übersetzer wirklich mitmachen…?
roxomatic

