Optimierte Hochschulen
Einige Gedanken zur Optimierung der Hochschullandschaft macht sich Jean-Pol Martin hier. Mein Lieblingsabsatz:
Professoren haben in der Regel drei Aufgabenbereiche: 1. Die Forschung, 2. Die Lehre, 3. Die Mitarbeit in der Selbstverwaltung und die Anleitung des ihnen zugeordneten Personals (wissenschaftliche Mitarbeiter, Hiwis und Tutoren, Sekretärinnen). Über eine professionnelle Ausbildung verfügen sie bestenfalls für den Punkt 1 (Forschung). In den beiden anderen Feldern sind sie Laien und müssen ihre Kompetenzen nach dem Prinzip trial and error (auch learning by doing) aufbauen. Natürlich gibt es Naturtalente. Allerdings ist die Sozialisation der Nachwuchses an den Hochschulen für die Qualifikation in den Bereichen 2 und 3 eher kontraproduktiv. Das Ergebnis ist viel Verschleiß an Ressourcen (Menschen und Zeit).
Schön, wenn Humor und Wissenschaft sich mal treffen.
Via HBS
PS: Aus Gestaltungsgründen habe ich den Titel gekürzt. Mein Gott, bin ich korrupt…
Universität Duisburg-Essen zu dumm fürs Alphabet?
An der Universität Duisburg-Essen hat man Probleme mit der alphabetischen Reihenfolge.
Es ist für eine Hochschule etwas merkwürdig, wenn unter A-Z beim Buchstaben P die Begriffe Prüfungsämter und Prüfungsordnungen vor Presseinformationen, Pressestelle, Projekt-Finanzierung und Promotionsstudiengängen zu finden sind.
Des Rätsels Lösung wird wohl ein schlecht konfiguriertes oder ein für Sonderzeichen nicht ausreichend lokalisiertes CMS sein. Peinlich ist es auf jeden Fall.
Wie seriös ist die Wikipedia?
Bei Klaus Eck findet sich ein Hinweis auf ein interessantes Interview (mp 3) mit Maren Lorenz von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur zum Thema Wikipedia. Mittlerweile wird von einem “Leitmedium Wikipedia” gesprochen, das inzwischen offensichtlich häufiger in wissenschaftlichen Hausarbeiten zitiert wird. Maren Lorenz warnt vor der mangelnden Seriosität der Wikipedia.
Einerseits kann man ihr Recht geben.
Denn was fehlt der Wikipedia?
- ein wirkliches Qualitätsmanagement, das auch abseits der ausgetretenen Pfade deutlich über das Löschen frühkindlicher oder pubertärer Schreibversuchen hinausgeht
- der vielbeschworene neutrale Standpunkt – dieser geht einigen Artikeln deutlich ab
- mehr Editoren auch für die weniger beachteten Artikel
- Transparenz – so werden Löschanträge von Administrator A gestellt, der Antrag wird von der überwiegenden Mehrheit in der entsprechenden Diskussion abgelehnt, und Administrator B löscht den Artikel dennoch aus ganz anderen Gründen
- klarere Relevanzkriterien für einen Löschantrag
Andererseits kommt man kaum an der Wikipedia vorbei. Was sollte man seinen Schäflein wie Schülern, Studenten oder Wissenschaftlern dann zumindest einbleuen?
- den richtigen und differenzierten Umgang mit der Wikipedia (hatten wir schon, siehe hier). Maren Lorenz nennt so etwas “Recherchekompetenzen”.
- Wikipedia-Artikel haben grundsätzlich nicht mehr Wahrheits- oder Vollständigkeitsanspruch als der Brockhaus oder andere Lexika – für eine gute wissenschaftliche Arbeit kann das ein Aufmacher sein, mehr aber nicht
- nützlich ist die Wikipedia bei tagesaktuellen Themen oder bei der Suche nach weiterführenden Links
- einige Artikel beinhalten inzwischen auch Hinweise auf Literatur, die nicht im Internet verfügbar ist – mag mühsam sein, diese aus der Bibliothek zu besorgen oder zu bestellen, sie stehen aber nicht umsonst im Artikel
- Artikel aus der Wikipedia wenn schon, dann richtig zitieren (also inklusive Seitenversion und Zeit)
- bei Themen jenseits des Mainstreams ist die Wikipedia mit äußerster Vorsicht zu genießen
- Ähnliches gilt für verschiedene politische Themen oder auch dort, wo Interpretation Teil der Disziplin ist – z. B. in der Literaturwissenschaft.
- Harte Fakten (Jahreszahlen) müssen gegengeprüft werden. Entweder über die Versionsgeschichte oder über externe Quellen. Wäre doch peinlich, einem Scherzbold auf den Leim zu gehen…
Möchte man einen Wikipedia-Artikel kritisch lesen – mit Versionsvergleichen und Verfolgen der Diskussion – steigt der Zeitaufwand natürlich deutlich. Aber Wissen hat nun einmal seinen Preis.
Wie funktioniert Wissenschaft?
So.

Bibsonomy
Hier kommt noch ein Hinweis per Mail, diesmal von Dr. Andreas Hotho. An der Universität Kassel gibt es Bibsonomy, ein englischsprachiges blue social bookmark and publication sharing system, das social bookmarking mit Literaturverwaltung kombiniert. Auch wenn ich beim Herumspielen ein kleines Kodierungsproblem hatte, bin ich von den Funktionen (u.a. del.icio.us-Synchronisation und Vorschlagen von tags) sehr angetan.
Für Akademiker, die ihre Literaturhinweise mit BibTex verarbeiten, eine ganz nette Seite, da sie anders als Connotea oder CiteULike Bookmarking und Literatur trennt. Anbindungen an gängige Literaturverwaltungssoftware wären wünschenswert.
Open Access revisited
Wir haben ja schon vor über zwei Jahren auf Open Access hingewiesen. Da ich mich gerade stärker mit dem Thema auseinander setze, kommt hier eine kleine Auffrischung, oder, besser gesagt, ein ganz kurzer Überblick zur Materie.
- die Einführung (als eine von vielen) bei e-teaching
- diese elf Argumente
- Informationen zur Rechtslage gibt es bei Archivalia, weit ausführlicher ist es hier
- ein einschlägiger Artikel in der NZZ (via T&B)
- weitere Informationen (wie z. B. Anforderungen an Dokumentenserver) und Neuigkeiten zum Thema gibt es bei Archivalia
- die OA-Suchmaschine OASE
- als weiteres, praktisches Beispiel die Living Reviews der MPG
CiteULike
Wir starten die angekündigte Reihe (alphabetisch korrekt, wenn auch verspätet, siehe dazu der vorherige Eintrag) mit CiteUlike, ein Dienst, der von Richard Cameron an der Universität Manchester entwickelt wird.
Dieser Anbieter ist allerdings in zweierlei Hinsicht eine Ausnahme.
Der Dienst wird primär auf Englisch angeboten sowie in acht anderen Sprachen, darunter auch Deutsch. Die verschiedenen Sprachversionen sind über verschiedenen URIs sofort anzusteuern, die deutsche Seite unter de.citeulike.org.
Der zweite Punkt betrifft die Zielgruppe, die sehr deutlich als akademisch zu bezeichnen ist, zumal in den FAQ ausdrücklich auf del.icio.us verwiesen wird, wenn Webseiten für den nicht-wissenschaftlichen Gebrauch notiert werden sollen.
So gibt es eine (experimentelle) Importfunktion nur für BibTex-Dateien, Export funktioniert mit den Formaten BibTex, Endnote oder RSS. Es lässt sich hier nachlesen, welche Zeitschriften bzw. Recherchedatenbanken unterstützt werden.
Mit derzeit mehr als 700.000 gespeicherten Referenzen bzw. Artikeln ist CiteULike kein Leichtgewicht. Nach Aussage von Richard sind insbesondere deutsche und französische Nutzer stärker repräsentiert als er selber angenommen hätte. Ingesamt hat CiteULike mehr als 20.000 Nutzer.
Interessant ist CiteULike für den Teil des wissenschaftlichen Publikums, das dem rein englischsprachigen Pendant Connotea wenig abgewinnen kann bzw. im Team mit Leuten (Chinesen, Russen…) arbeitet, für die Englisch als Lingua franca keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Stabilität ergibt sich aus der Unterstützung durch die Universität Manchester; andererseits wird CiteULike nicht so intensiv vorangetrieben wie der oben genannte Konkurrent, hinter dem die Nature Group steht. Zugute halten muss man CiteUlike, dass es für die genannte Zielgruppe ausreichend interessante Funktionen bereithält – EasyURIs, Watch groups, Tagging und RSS in vielen, verschiedenen Kombinationen.
roxomatic