Was von dieser WM übrigbleibt...

Spät, aber immerhin: Was wird dem geschulten Beobachter nach diesem Großereignis in Erinnerung bleiben?

  • Das war die erste Fußball-WM mit richtig gutem Treibhauseffekt. Gäste aus aller Welt denken jetzt, dass in Deutschland im Sommer tropische Temperaturen herrschen. Wenn wir Pech haben, bleibt das so. Wenn wir Glück haben, vielleicht auch.
  • Jürgen Klinsmann hat Rückgrat. Allerdings verstehe ich nicht, warum der DFB hektisch auf den medialen Langweiler Joachim Löw zurückgegriffen hat. Es hätten sicher noch viele andere Persönlichkeiten Interesse gezeigt, zum Beispiel Kurt Beck, Alice Schwarzer oder Johannes B. Kerner. Das wäre weit lustiger geworden.
  • Erstmals durften Mädchen mitspielen. Das Mädchen in der deutschen Mannschaft schlug nach dem Viertelfinale um sich und hieß sogar Torsten. Hübsch.
  • Die Fähnchenindustrie hatte Grund zur Freude. In wenigen Monaten, wenn das letzte Fähnchen vom Fahrtwind zerfetzt worden ist, spätestens aber, wenn es mal länger regnet, gilt dieser Satz für alle Gummilippenfabrikanten. Aktienbesitzer sollten kurzfristig ihr Portfolio umstellen.
  • Schwarz-rot-gold ist ziemlich hässlich. Warum können wir nicht ganz normale Nationalfarben haben, wie andere Länder auch – zum Beispiel blau-weiß-rot. Das ist weit ästhetischer. Mit rot-weiß-rot kämen wir sogar ohne Qualifikation zur Europameisterschaft, der eine oder andere politische Schachzug inbegriffen.
  • Zinedine Zidane legt den perfekten Abgang hin. Wer erinnert sich noch an die letzten Spiele von, sagen wir mal, Maradona, Rumenigge oder Netzer? Na? Und, mit welchen demütigenden Tätigkeiten müssen die Leute momentan ihr Brot verdienen? Eben. PR-Profis können davon lernen.
  • Frau Merkel jubelt wie Pucky, das radioaktiv verseuchte Eichhörnchen. Ähnliche Klagen gab es auch schon im Feuilleton, ich weiß. Wer beim Spiel Italien gegen Deutschland beobachtet hat, wie weit sich die Kanzlerin zu Romano Prodi herübergebeugt hat, kann sehr gut verstehen, warum der Kanzlergatte doch lieber zu Hause geblieben ist (ach ja, übrigens, wer hat eigentlich die Politikerflüge zu den Spielen bezahlt?). Und noch etwas hat der Beobachter gelernt: man darf wenigstens versuchen, der Kanzlerin ohne Hose gegenüberzutreten.
    Pucky, das radioaktiv verseuchte Eichhörnchen ist übrigens eine Kinderbuchfigur aus der Reihe “Bücher, die leider nie erschienen sind” – deswegen lebt Pucky in einer Bilderbuch-WG mit dem frustrierten Frettchen Freddy, das vor langer, langer Zeit wegen unerlaubter Alliteration zu 30 Jahren Arbeitslager verurteilt wurde.

# · 20. Juli 2006, 19:02 · 388 Wörter
Kategorie(n): · Tags: ,
0 Kommentar(e) · Kommentieren!

Noch keine Kommentare. No comments yet.

Kommentieren

Formatierung mit Textile: *Fett* – _kursiv_ – bq. <blockquote> – Link setzen durch "Linktext":http://www... oder URL einsetzen.
Kein HTML. Kein Spam. Keine Werbung – danke.

Name

E-Mail (optional & hidden)

Web

Kommentar