Zwei Jahre Blackberry...

Welches Fazit kann man nach zwei Jahren Blackberry ziehen? Vor zwei Jahren noch erschien mir ein Blackberry als relativ vernünftige Wahl. Im Rückblick und im Vergleich mit aktuellen Modellen anderer Hersteller ist man jedoch versucht, dieses Telefon einfach in die Tonne zu werfen.

Fangen wir einmal an:

Der Arbeitsspeicher des Blackberry ist ein gar seltsames Ding. Im AppStore wird bei mir gerade gerne behauptet, dass weniger als 10 MB frei seien (gleichzeitig sind Gerätespeicher und Speicherkarte fast völlig leer). Im Extremfall zeigt das Gerät auch im normalen Betrieb eine extrem langsame Reaktion. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, das Gerät zu öffnen und den Akku für ein paar Sekunden zu entnehmen. Dann sind rund 15 bis 30 MB frei. Ich weiß nicht, ob man so etwas Fortschritt nennen darf.

Ach, der AppStore von Blackberry. Abgesehen von seiner fast schon abenteuerlichen Unübersichtlichkeit ist es frustrierend – absolut frustrierend – dass elementare Anwendungen (Google Sync, Evernote, Dropbox) aus welchen Gründen auch immer nicht im AppStore verfügbar waren bzw. sind, dagegen jedoch problemlos über das Internet heruntergeladen werden konnten. Wie gesagt, es geht um elementare Anwendungen und nicht um exotische Programme.

Der Bildschirm ist verglichen mit anderen heutigen Telefonen ein Witz, zumal der Blackberry Browser so ziemlich alles kann außer vernünftig im Internet zu surfen. Der Umstieg auf Opera Mini ist er kein Problem, falls es denn gelänge, dieses Programm als Standardbrowser festzulegen.

Die Kamera hat einen langsamen Auslöser, immer um eine Sekunde zeitversetzt. Schnappschüsse funktionieren so nur (sehr) bedingt, hinzu kommt die relativ schlechte
Bildqualität und Auflösung (im Vergleich zu anderen Smartphones).

Die Laufzeit des Akkus ist absolut inakzeptabel. Um ansatzweise alltagstauglich zu sein, muss man (sollte man) das Blitzlicht deaktivieren und in den Einstellungen von 3G auf 2G abrüsten. Nun gut, zumindest bei mir in der Provinz macht das quasi keinen Unterschied. Danach hält das Akku immerhin etwas mehr als zwei Tage. Heller Wahnsinn! Dabei darf man nicht vergessen, dass sich das Blackberry im Normalfall nachts ausschaltet, ansonsten wäre wohl noch viel früher Schluss. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass man unter Umständen vormittags erst sehr spät bemerkt, dass das Mobiltelefon versehentlich immer noch ausgeschaltet ist.

Hinzu kam bei mir das Problem, dass das Telefon nach rund 15 Monaten keinen (Klingel-)Ton mehr von sich gab. Wer vermutet, dass hier ein individuelles Problem vorgelegen hätte, wird von Google eines Besseren belehrt. Immerhin kommt man als Geschäftskunde bei o2 in den Genuss eines Bring- und Abholdienstes, der in diesem Fall wirklich vorzüglich funktioniert hat.

Ein weiterer Punkt liegt nicht an Blackberry, sondern an o2. Es hat geschlagene sechs bis acht Wochen gedauert, bis ein IMAP-Account (mit IMAP Idle) wirklich so funktioniert, wie es auf dem Papier versprochen wird, kurz gesagt: E-Mails kommen auf dem Blackberry ohne jede Verzögerung an. In dieser Zeit durfte ich mir an der Hotline die abenteuerlichsten Erklärungen anhören, einige sehr krude Ansichten kamen auch per E-Mail eingetrudelt. Erst ein wirklich, wirklich giftig formuliertes Fax an das Kundenzentrum in Nürnberg führte dazu, dass das Problem (bei o2) binnen weniger Tage gelöst werden konnte. Und bis heute auch nicht mehr auftrat. Eine Rückmeldung, geschweige denn eine Entschuldigung oder ein Nachfassen seitens o2…?

War denn alles schlecht am Blackberry Bold? Naja, auch heute noch gilt: Die Einhandbedienung ist nach wie vor recht schick, die Autotext-Funktion nebst ähnlichen Tools eine richtig produktive Sache und das Lederholster ist robust, außerdem man sieht sofort am LED, ob eine neue E-Mail eingegangen ist. Gut. Das war es dann auch, aber immerhin.

Nun stellt sich die Frage, ob man nach Ablauf des Vertrages ein neues Produkt aus dem Hause RIM verwenden möchte. Leider hält sich die Innovation bei diesem Hersteller so ziemlich in Grenzen. Natürlich gibt es manche Hersteller mit einer fast verwirrenden Vielfalt an Geräten, die in einem Rhythmus von wenigen Monaten auf den Markt geworfen werden. Dass es aber in zwei Jahren keine wirklich (!) signifikanten Änderungen bei den Blackberry-Modellen gegeben hat, ist gelinde gesagt verblüffend.

Aus diesem Grund geht die Motivation, sich auch weiterhin mit diesem Gerät herumzuschlagen, ziemlich gegen null. Dann vermutlich dann doch ein anderes Modell, das zwar im Ruf steht, gar kein Business-Handy sein zu wollen, von dem aber bekannt ist, dass es mit den Apps X, Y und Z zu einem solchen aufgerüstet werden kann (… und bitte, ein Android-System, bei dem man tagelang Apps zusammenklauben muss, kommt mir nicht ins Haus).

2. Januar 2011, 22:22 · Kommentar/e [4] · Kategorien & · Tags , , , ,

Metatexis 3.0

Als neue Funktionen bzw. Verbesserungen werden u. a. genannt:

  • Schnellere Suche & Navigation
  • Schnellerer Datenbankimport und -export
  • Ribbon für Word 2007/2010
  • Echtzeit-Statistik (Anzeige des Übersetzungsfortschritts)
  • Import-Filter für TRADOS Studio-TMs and -Dokumente (SDLite, sdlxliff) (nur in Version “NET/Office”)
  • Unterstützung des TBX-Standards
  • Automatisches Kopieren von Zahlen mit automatischer Anpassung des Zahlenformats
  • Verbesserte Nachbearbeitungsfunktion

Okay, so weit, so gut. Immerhin ist es bei der Version 3.0 nicht mehr erforderlich, Word im Admin-Modus zu betreiben, das hatte irgendwie etwas von Windows 95 oder 98. Und die Ribbon-Unterstützung für Word 2007 ist optisch gut umgesetzt. Allerdings hat eine Testinstallation von Metatexis 3 sowohl meine Office-Installation als auch in erster Linie eine elementare Funktion (Rechtschreibprüfung) in Mitleidenschaft gezogen (vulgo: zerschossen). Wenn ich Metatexis jedes Mal deaktivieren muss, um die Rechtschreibprüfung zu starten, ist das schlichtweg alles andere als optimal … Die Probleme mit Office sind u. U. auch auf Unverträglichkeiten mit den Add-Ins von Trados 2007, Abbyy und DNS zurückzuführen. Ach ja: Metatexis für Mac gibt es leider immer noch nicht.

Für Metatexis sprechen in erster Linie der relativ niedrige Preis (39 bis 139 EUR netto, wobei nur die teuerste Version professionellen Ansprüchen gerecht wird) sowie die eventuell möglichen Vorteile des Metatexís Server, der für Bildungsinstitute, Schulen und Hochschulen kostenlos ist, dessen Preis ansonsten jedoch im Dunkeln bleibt.

2. November 2010, 09:26 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , ,

Stehlen Sie diese Präsentation!

Es gibt ja Tonnen von Anleitungen, Artikeln und Websites im Netz, die sich mit dem Thema Präsentationen auseinandersetzen. Einerseits. Das ist in diesem Weblog mehr oder weniger ein Dauerbrenner. Andererseits weiß ich nicht, ob Präsentationen im Laufe der letzten Jahre wirklich besser geworden sind. Ich bin da eher leicht pessimistisch und glaube das nicht.

Sehr dankbar ist es, wenn sich jemand auf unterhaltende Weise diesem Thema annimmt. Daher weise ich auf diese Präsentation mit dem netten Titel Steal this presentation hin.

Einfach mal anschauen.

7. September 2010, 16:54 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , , ,

Diigo mit Premium-Accounts

Der von mir außerordentlich geschätzte Bookmarking-Dienst Diigo bietet ab sofort eine Premiumvariante an:

After considerable thought, we feel comfortable and confident that adopting a free + premium model for Diigo will allow us to serve our users even better: it will give us more resources to keep on making rapid and continuous improvements, and to provide better customer support.

Der Vergleich zeigt auf, dass es sich bei dem Modell eher um ein Downgrade der kostenlosen Variante geht. Was auch auffällt: Bestimmte Premiumfunktionen setzen den Internet Explorer oder Firefox voraus, demnächst auch Chrome. Safari oder Opera müssen anscheinend beide draußen bleiben. Das ist äußerst schade und wohl für nicht wenige Benutzer ein K.o.-Kriterium. Bis auf den Cache oder die Volltextsuche vermag ich gar nichts zu entdecken, was auch nur annähernd fünf Dollar im Monat rechtfertigen würde. Da sollte diigo dringend nachlegen.

6. September 2010, 20:55 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , , , , , , ,

Anaphraseus 2.0

Anaphraseus unter Windows XP Das Programm Anaphraseus ist präzise formuliert eine (versuchte) Portierung des CAT-Programms Wordfast Classic (das mit Microsoft Office funktioniert) auf OpenOffice. Oder besser gesagt, es ist ein Versuch, dies zu erreichen, denn Anaphraseus – immerhin schon mit einem vergleichsweise langen Wikipedia-Artikel “geadelt” – bietet lange noch nicht so viele Funktionen wie ehedem Wordfast.

  • Der Aufbau ist einfach, beinahe selbsterklärend, und grundsätzlich ist die Anwendung – profan formuliert eine OpenOffice-Erweiterung – schnell (aber Geschwindigkeit ist immer relativ). OpenOffice wird um eine Werkzeugleiste ergänzt (siehe Grafik), wobei jeder Befehl auch mithilfe eines Menüs und einer Tastenkombination ausgeführt werden kann. Ebenso wie die Anwendung schnell ist die Fülle an Funktionen eher begrenzt. Konkordanzsuche z. B.? Nicht wirklich.
  • Plattformübergreifend – genauso wie OmegaT, Wordfast, Cafetran, Heartsome, Swordfish. Sehen wir einmal von den verhärmten Dogmatikern ab, die nur auf Linux setzen, ist diese plattformübergreifende Verwendung wohl in erster Linie für Mac-User interessant. Dieser Markt wird immer noch stiefmütterlich behandelt – sieht man einmal von Kilgray ab, das immerhin “offiziell” Support für memoQ unter Parallels anbietet.
  • Veraltetes Konzept: Selbst SDL und Wordfast (Pro) gehen inzwischen den Weg der zweisprachigen Tabellenansicht. Übersetzung von Excel-Tabellen? PowerPoint-Präsentationen? Keine reelle Chance (theoretisch mit bestimmten Tools schon).
  • Wenige Einstellungen kann man als Vor- oder Nachteil abwägen. Wir sind hier gemein und nennen es einen Nachteil, weil Übersetzer lieber an Dutzenden Stellrädchen ihrer Software drehen und keineswegs narrensichere Anwendungen benötigen.
  • Anaphraseus ist für ein komplexeres Layout ungeeignet, weil die OO-basierte Funktion dieses garantiert zerschießt. Man mag ja Anhänger des ‘Open Source’-Gedanken sein, der Kunde allerdings bestimmt nicht, wenn er nach Rückgabe der Übersetzung eine geschlagene Stunde braucht, um das ursprüngliche Layout wieder herzustellen.
  • Die Terminologiedatenbank kann programmintern erweitert, aber nicht bearbeitet werden. Aber auch ein Eintrag in die Datenbank – einer Textdatei – macht es erforderlich, zuerst den Begriff aus der Quellsprache und dann den Zielbegriff in ein Dialogfeld einzutippen. Etwas umständlich ist das schon …
  • Unter Mac OS X landet der Cursor bei der Öffnung des neuen Segments immer zwei Teilen zu tief. So wird das nichts. Und wer im Dokument hin- und herscrollt, dem wird gerne mitgeteilt, dass nichts mehr zu tun sei, obwohl immer noch unübersetzte Segmente vorhanden sind.
  • Kompatibel ist das Programm – das heißt das Format von TM und TB – in erster Linie zu Wordfast. Einschränkungen werden zwar erwähnt, aber nicht weiter erklärt. Der zweisprachige Text, der vor dem Entfernen des Ausgangstextes gespeichert wird, ist darüber hinaus zumindest mit memoQ kompatibel, und wahrscheinlich auch mit den meisten anderen CAT-Programmen, die mit diesem Format umzugehen verstehen – Trados 2009 gehört nicht dazu ….

Wer Anaphraseus verwenden mag, sollte dieses tunlichst nur bei simpel formatierten Fließtexten machen. Ob eine Oberfläche in Word wie bei Wordfast oder Metatexis (bei dessen Entwicklung sich derzeit scheinbar kaum noch etwas tut) besser oder vielleicht kreativer sein soll als die modernere Tabellenansicht, sei mal dahingestellt. Anaphraseus ist – ich wiederhole es gerne – der gutgemeinte Versuch eines Wordfast-Clones (und neben OmegaT das einzige ernsthafte ‘Open Source’ CAT-Tool), ohne aber an die Funktionsvielfalt von Wordfast heranzureichen. Und es steckt (noch) arg in den Kinderschuhen. So oder so steht und fällt dieses niedliche CATähnlich wie OmegaT – mit der bei komplexer Gestaltung begrenzten Kompatibilität zwischen OpenOffice und Microsoft Office.

Update: Marc Prior hat mich inzwischen zu Recht darauf hingewiesen, dass OmegaT natürlich in der Lage ist, XML-basierte Dateien wie z. B. auch *.docx (MS Office 2007) ohne jeden Umweg über OpenOffice einzulesen und nach erfolgter Übersetzung zu exportieren.

5. August 2010, 13:27 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags , , , , , , ,


Ältere Beiträge