memoQ 4.2

memoQ - die Projektansicht Bereits seit Anfang des Jahres ist memoQ in der Version 4.0 erhältlich, mittlerweile auch in der Version 4.2. memoQ ist ein Softwareprogramm zur compouterunterstützten Übersetzung – nennen wir es doch einfach CAT-Tool. An anderer Stelle wurde bereits früher Version 2.2 rezensiert. Auch diese Kritik bezieht sich auf memoQ translator pro – die Version für Einzelbenutzer – und nicht auf die aufwendigere Serverversion.

  • memoQ 4.2 verfügt über eine Exportfunktion als zweisprachiges RTF, die – ich übertreibe ja gerne – ein absoluter Höhepunkt ist. Dokumente lassen sich in dieses Format exportieren und in Microsoft Word (mit dem Duden-Korrektor) oder (optimalerweise) ausgedruckt korrigieren. Dazu gibt es auch die Möglichkeit, für jedes Segment ein Kommentarfeld auszufüllen. dieser Kommentar wird nach dem Korrekturdurchgang zusammen mit den korrigierten Segmenten importiert. Durch diese Korrektur können “saubere”, zumindest aber gepflegtere TMs gewährleistet werden. Bei den ersten Versionen von 4.2 kam es noch zu Problemen, wenn das RTF mit OpenOffice geöffnet und bearbeitet wurde (weder der Quelltext auf der linken Seite noch die Nummerierung dürfen geändert werden). Außerdem bleiben nicht immer alle Quelltextsegmente von der Rechtschreibprüfung ausgenommen, das ist recht ärgerlich. Ebenso ist ein Re-Import oder Update nur im ursprünglichen memoQ-Projekt möglich. Unterm Strich bietet nun auch memoQ mit dieser Funktion etwas, was ehedem ein Alleinstellungsmerkmal von DéjàVu war.
  • Bessere Projektübersicht und -verwaltung in der Freelancer-Version. Etwas unglücklich ist die nicht konsistente Oberfläche, wenn ein Projekt geöffnet ist und ein anderes, älteres Projekt öffnet.
  • Das Dashboard in memoQ öffnet neben einer Liste der letzten Projekte auch einen Newsfeed. Es informiert zuden darüber, ob die aktuelle Version verwendet wird. Diese Lösung ist insgesamt angenehmer und besser als bei den Versionen 2.x und 3.x.

Ein geöffnetes Projekt in memoQ 4.2

  • Der Import und Export als vollständiges Projekt (mit allem, also auch TM und TB) ist seit 4.0 nicht mehr möglich. Stattdessen muss man auf andere bilinguale Formate (doc oder mbd) ausweichen, oder eben die Serverversion erstehen, um “Handoff Packages” erstellen zu können. Das bedeutet also unter Umständen, dass man einem Kollegen neben dem dokument noch eine exportierte TM und TB zusenden muss. Das ist kein Beinbruch, aber umständlich.
  • Mit Version 4.2 werden auch Terminologie-Plugins eingeführt, die einen Anschluss an Online-Wörterbücher ermöglichen. Bislang ist dies nur EuroTermBank, mit bislang fast gar keinen Konfigurationsmöglichkeiten. Es wird empfohlen, das Plugin zu deaktivieren oder – muss es denn sein – die Option “Nur exakte Treffer” auszuwählen, wird man doch andernfalls mit Treffern überschüttet.
  • Die Optionen sind nun kompakter gestaltet, dafür aber umständlicher in der Bedienung. Bevor man eine Ressource ändert, muss man zunächst eine Kopie dieser Ressource anlegen. Immerhin ist das ein narrensicheres Verfahren, falls man hinterher doch lieber wieder die Standardeinstellungen verwenden möchte.
  • Die Rechtschreibprüfung mit Hunspell ermöglicht eine Korrektur bei Eingabe. Jedes (vermeintlich) falsch geschriebene Wort wird wie in einer Textverarbeitung mit einer roten Wellenlinie gekennzeichnet. Mit der optionale Rechtschreibprüfung von MS Office funktioniert das leider nicht. Zudem lassen sich verschiedene Auslasslisten definieren und für jedes Projekt aktivieren.
  • Eine fundamentale Funktion der ansonsten pflegeleichten und auch flexiblen TB-Verwaltung fehlt. Zwar kann die Terminologiefunktion wunderbar zwischen Groß- und Kleinschreibung unterscheiden – womit zum Beispiel einem Begriff oder einer Abkürzung “TEST” in Großbuchstaben eine andere Übersetzung zugeschrieben werden kann als dem Wort “Test” (und mit Prä- und Suffixen geht sogar noch viel mehr). Aber weit häufiger ist der Fall, dass ein Begriff sowohl in Groß- als auch in Kleinschreibung verwendet wird – hier zum Beispiel “TEST”, “Test” und “test”, und genau das geht mit der Standardeinstellung von memoQ nicht. Dies bedeutet, dass man anstelle von Ctrl-Q den Befehl Ctrl-E eingeben muss und in einem Auswahlmenü etwas ändern muss. Gut, das ist jetzt ein Luxusproblem, aber es ist ärgerlich. Und es nervt. Es würde ja ausreichen, jeweils die letzte Einstellung der TB zu speichern.
  • Unter der Haube hat sich seit unserer letzten Besprechung natürlich unglaublich viel getan, das heißt zum Beispiel verbesserte und neue Importfilter (Office 2007, Adobe InDesign CS4), AutoSuggest-Funktion und und und.

Grundsätzlich beschreitet Kilgray mit memoQ weiterhin den richtigen Weg. Die Benutzeroberfläche wurde in den letzten Jahren auch bei Wordfast (Pro) und SDL Trados 2009 eingeführt. Hinzu kommt ein weiterhin sehr aktiver und bemühter Support (‘bemüht’ im positiven Sinne des Wortes) – vor allem über die Mailingliste, aber auch individuell per E-Mail. Interessant wird noch das Terminologie-Plugin und die zukünftigen Möglichkeiten, dieses Werkzeug auf die eigenen Bedürfnisse fein abzustimmen.

Dieser kurze Artikel ist natürlich subjektiv und legt den Schwerpunkt auf die Aspekte und Funktionen, die für mich wichtig sind bzw. im Arbeitsalltag am häufigsten verwendet werden. Disclaimer: Ich habe in den letzten Jahren mehrfach kleinere Aufträge für Kilgray durchgeführt.

29. Juli 2010, 22:01 · Kommentar/e [2] · Kategorien & · Tags , , ,

Wie übersetze ich ttx-Dateien ohne Trados?

Sicherlich eine der beliebtesten Anfragen. Mit dem Erscheinen von Trados Suite 2009, das ttx-Dateien nicht mehr umfassend unterstützt, wird sich diese Frage in mehreren Jahren allerdings nicht mehr stellen.

Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten.

Arbeiten ganz ohne Trados

  1. Dieser Weg führt mit Sicherheit über PlusToyz. Mithilfe der Makros in diesem Word-Dokument können ttx-Dokumente in Word-Tabellen umgewandelt werden – und wieder zurück.
  2. Im CAT-Tool across können ttx-Dateien in die TM importiert werden. Es gibt jedoch meines Wissens kein gangbares Prozedere, um die ttx-Dateien mit across zu übersetzen.
  3. Alle wichtigen Wettbewerber (DéjàVu, Heartsome, memoQ, Wordfast Pro 2.4 – sogar OmegaT) ermöglichen die direkte Übersetzung präsegmentierter ttx-Dateien. Man bittet also entweder den Kunden, die Datei mit Trados zu präsegemntieren oder führt diesen Schritt selber durch (siehe unten).

Arbeiten mit der Trados 2007 Demoversion

  1. Besorgen Sie sich die Installationsdatei. Bis vor zwei Jahren gab es die gegen Registrierung bei SDL, inzwischen hilft nur noch Google. Die Installation ist 30 Tage voll funktionsfähig, anschließend können TMs mit maximal 50 Übersetzungseinheiten geladen werden. Für unsere Aufgabe ist das kaum relevant, da ttx auch mit leeren TM präsegmentiert werden können.
  2. Starten Sie Translator’s Workbench. Erstellen oder öffnen Sie eine Translation Memory (Menü Datei > Neu …). Um eine ttx-Datei zu präsegmentieren, müssen Sie den Befehl Extras > Übersetzung … starten.
  3. Ziehen Sie die ttx-Datei in das Feld “Zu übersetzende Dateien”. Aktivieren Sie das Kästchen “Unbekannte Sätze segmentieren”.
  4. Wenn Sie den Vorgang mit “Übersetzen” starten, werden die 100%-Treffer aus der TM bereits in das ttx eingefügt. Sollten Sie den Wert im Feld “% oder höherer Match-Wert” von 100 auf 60 herabsetzen, so werden auch Fuzzies aus der TM eingefügt. Der Trefferwert in % sollte später im CAT-Tool Ihrer Wahl neben dem entsprechenden Segment angezeigt werden. Bedenken Sie bitte, dass nach Ablauf des Testzeitraums (d.h. 30 Tage) können Sie nur noch TMs mit maximal 50 Einheiten geladen werden können.
  5. Das präsegmentierte ttx kann nun in das CAT-Tool eigener Wahl importiert und bearbeitet werden. Anschließend wird es exportiert – voilà.
  6. Es ist nicht nur eine Glaubensfrage, ob man das ttx des Kunden übernimmt. So ist vielleicht das ttx des Kunden schlicht nicht zu gebrauchen, oder man benötigt oder möchte für die Endkorrektur eine gecleante (einsprachige) Endversion (manchmal erhält man ohnehin nur ein PDF und eine ttx-Datei). Denn eine “fertige”, einsprachige Datei kann man nur erstellen, wenn die Ausgangsdatei – also z. B. ein Word-Dokument – unter dem Dateipfad abgelegt und zugänglich ist, die in der ttx-Datei gespeichert wurde (in einer der ersten Zeilen).
  7. Um ein eigenes ttx zu erstellen, öffnet man den Tag Editor, zieht die Datei hinein und speichert. Die ttx-Datei wird im gleichen Ordner wie die Quelldatei abgelegt. Man muss darauf achten, dass zu diesem Zeitpunkt in der Translator’s Workbench eine TM mit der richtigen Sprachkombination geöffnet ist. Andernfalls erfolgt nicht nur eine u. U. fehlerhafte Segmentierung, sondern es wird auch eine falsche Sprachkombination im ttx gespeichert.
  8. Wer mit dem ttx eine Trados TM als *.tmw erhält, muss den Kunden um einen Export im TMX- oder Textformat bitten. Das TMX-Format lässt sich im Normalfall problemlos importieren, ein Export im txt-Format kann mithilfe des Programms ApSIC XBench in tmx umgewandelt werden.
  9. Das Format ttx ist keine Hexerei, sondern eine normale XML-Datei, die mit einem Texteditor geöffnet wrden kann. Auf diesem Weg lassen sich Sprachkombination oder Pfad der Quelldatei problemlos ändern.

Anmerkungen und Hinweise zu dieser Anleitung nehme ich gerne entgegen.

14. Juli 2010, 22:16 · Kommentar/e [2] · Kategorien & · Tags , , , ,

Translation Office 3000 - lohnt sich das?

Advanced International Translations sind die Hersteller der Software Translation Office 3000. Die teilweise etwas überschwängliche Werbung verstellt mit ihrem Stil vielleicht das, was sich hinter diesem Programm verbirgt: Projektmanagement, CRM-Management, Adressverwaltung, Buchhaltung. Alle Funktionen dieses Programms im Detail zu beschreiben, würde zuviel Zeit kosten.

Größter Vorteil:
Man kann eigentlich fast alles nach Belieben einstellen, ergänzen, ändern.

Größter Nachteil:
Man muss eigentlich fast alles einstellen, ergänzen, ändern, damit es richtig funktional beziehungsweise ansehnlich wird (das gilt vor allem für die Rechnungsvorlagen).

Die Software zwingt mit sanftem Druck zu einer systematischen Arbeitsweise. Für jedes Projekt wird (optional) ein Verzeichnis mit den Unterverzeichnissen für eingehende, ausgehende und Arbeitsdateien erstellt. Ebenso werden Ordner für jeden einzelnen Kunden angelegt. Sämtliche dieser Verzeichnisse (Pfad, Name, Menge) lassen sich recht einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Doch gerade bei Berichten und Rechnungsvorlagen muss man manchmal beide Ärmel aufkrempeln und sich nicht zu schade sein, mit den Variabeln herumzubasteln.

Seit diesem Jahr ist die Software auch in deutscher Sprache verfügbar. Leider haben sich – und das ist bei der Zielgruppe besonders peinlich – einige Übersetzungsfehler eingeschlichen. So wurde das englische “quote” mit Anführungszeichen übersetzt, obwohl es doch nicht mehr als ein “Angebot” sein sollte. Diese Schnitzer werden in den nächsten Monaten durch die Rückmeldungen der Benutzer sicherlich behoben werden können.

Im Programm enthalten ist das Zählprogramm AnyCount. Ob das nun ein Vorteil ist oder nicht, soll jeder für sich beantworten, ich verwende es allerdings nicht.

Wunschliste:

  • teilweise eine bessere Verlinkung der verschiedenen Registerkarten und Bildschirmmasken. Mit ein wenig Übung kein Problem, für den Anfänger aber sicher verwirrend.
  • komplexere Backup-Funktion mit regelmäßigen Backups
  • mehr Vorlagen, auch bei den Berichten (Umsatzsteuer-Voranmeldung), evtl. auch als Download
  • Möglichkeit, die automatische Rechnungsstellung auf das Monatsende einzustellen (bislang geht nur “nach x Tagen” bzw. “bei Erreichen der Summe x”.
  • alle Optionen in ein Menü packen und nicht mehr auf vier Menüpunkte verteilen

Fazit:
Ja, dieses Programm lohnt sich und ist (fast) ein Muss für jeden Kollegen. Es kostet ein wenig Arbeit und Zeit, das Programm an die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse anzupassen. Hat man diesen Schritt allerdings bewältigt, so verfügt man über ein überaus sinnvolles und funktionales Programm, das aus dem Arbeitsalltag kaum wegzudenken ist. Ferade diese Anpassungsfähigkeit in vielen Details machen den Charme dieses Programms aus.
Vor diesem Hintergrund ist der Preis von derzeit 189 Euro (es gibt fast laufend Sonderangebote auf den einschlägigen Portalen) mehr als gerechtfertigt, gerade auch, weil Translation Office 3000 über eine “normale” Buchhaltung weit hinausgeht.

Es gibt übrigens eine Demoversion, die auf 30 Tage und 50 Kunden beschränkt ist.

www.translation3000.com

22. Oktober 2009, 20:20 · Kommentar/e [4] · Kategorien & · Tags , , ,

iSobre

Vorbemerkung: Nicht, dass ich ein Fan von Apple sei, und natürlich werde ich bei einem Notebook wie dem Macbook Air mit geschätzten 10.000 Sollbruchstellen, das mich nicht einmal Installations-CDs einlegen lässt, leicht nervös, aber ich bin dann doch von liebenswürdiger Seite (unentgeltlich) um einen Hinweis gebeten worden (zumal hierzulande fast unbekannt).

Steve Jobs brachte bei der Vorstellung des Macbook Air das Gerät in einem Briefumschlag auf die Bühne. Das ist natürlich witzig, aber das macht man nicht nach, weil das teure Notebook ja nicht versehentlich im Altpapier landen soll.

Geht aber auch in edel, mit dem iSobre. Diesen Umschlag gibt es in zwei ansehnlichen Versionen aus feinem Leder (Schweins- oder Rindsleder). Soll sogar ein MacBook fassen können.

Das hat wirklich was. Kult auf den Punkt gebracht.

28. Juni 2008, 21:54 · Kommentar/e · Kategorien & · Tags

Übersetzer und Open Source

Eine Umfrage.

The purpose of my e-mail is presenting a survey I am carrying out for a research paper on Open Source Software for Translators. In particular, I am trying to measure the level to which OSS is spread among professional translators and which programs are most frequently used. For such purpose, the survey is divided into four separate anonymous questionnaires, one general questionnaire to be completed by anyone working in the translation field and three specific questionnaires to be completed by Windows, GNU/Linux and Mac users respectively.
Questionnaires are accessible in English at the following links.

Use of Open Source Software for Translators: General Questionnaire

Use of Open Source Software by Windows Users

Use of Open Source Software by GNU/Linux Users

Use of Open Source Software for Mac Users

Via u-cat (siehe auch dort)

11. April 2008, 05:27 · Kommentar/e [1] · Kategorien & · Tags , , , , ,


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