Translation Office 3000 - lohnt sich das?

Advanced International Translations sind die Hersteller der Software Translation Office 3000. Die teilweise etwas überschwängliche Werbung verstellt mit ihrem Stil vielleicht das, was sich hinter diesem Programm verbirgt: Projektmanagement, CRM-Management, Adressverwaltung, Buchhaltung. Alle Funktionen dieses Programms im Detail zu beschreiben, würde zuviel Zeit kosten.

Größter Vorteil:
Man kann eigentlich fast alles nach Belieben einstellen, ergänzen, ändern.

Größter Nachteil:
Man muss eigentlich fast alles einstellen, ergänzen, ändern, damit es richtig funktional beziehungsweise ansehnlich wird (das gilt vor allem für die Rechnungsvorlagen).

Die Software zwingt mit sanftem Druck zu einer systematischen Arbeitsweise. Für jedes Projekt wird (optional) ein Verzeichnis mit den Unterverzeichnissen für eingehende, ausgehende und Arbeitsdateien erstellt. Ebenso werden Ordner für jeden einzelnen Kunden angelegt. Sämtliche dieser Verzeichnisse (Pfad, Name, Menge) lassen sich recht einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Doch gerade bei Berichten und Rechnungsvorlagen muss man manchmal beide Ärmel aufkrempeln und sich nicht zu schade sein, mit den Variabeln herumzubasteln.

Seit diesem Jahr ist die Software auch in deutscher Sprache verfügbar. Leider haben sich – und das ist bei der Zielgruppe besonders peinlich – einige Übersetzungsfehler eingeschlichen. So wurde das englische “quote” mit Anführungszeichen übersetzt, obwohl es doch nicht mehr als ein “Angebot” sein sollte. Diese Schnitzer werden in den nächsten Monaten durch die Rückmeldungen der Benutzer sicherlich behoben werden können.

Im Programm enthalten ist das Zählprogramm AnyCount. Ob das nun ein Vorteil ist oder nicht, soll jeder für sich beantworten, ich verwende es allerdings nicht.

Wunschliste:

  • teilweise eine bessere Verlinkung der verschiedenen Registerkarten und Bildschirmmasken. Mit ein wenig Übung kein Problem, für den Anfänger aber sicher verwirrend.
  • komplexere Backup-Funktion mit regelmäßigen Backups
  • mehr Vorlagen, auch bei den Berichten (Umsatzsteuer-Voranmeldung), evtl. auch als Download
  • Möglichkeit, die automatische Rechnungsstellung auf das Monatsende einzustellen (bislang geht nur “nach x Tagen” bzw. “bei Erreichen der Summe x”.
  • alle Optionen in ein Menü packen und nicht mehr auf vier Menüpunkte verteilen

Fazit:
Ja, dieses Programm lohnt sich und ist (fast) ein Muss für jeden Kollegen. Es kostet ein wenig Arbeit und Zeit, das Programm an die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse anzupassen. Hat man diesen Schritt allerdings bewältigt, so verfügt man über ein überaus sinnvolles und funktionales Programm, das aus dem Arbeitsalltag kaum wegzudenken ist. Ferade diese Anpassungsfähigkeit in vielen Details machen den Charme dieses Programms aus.
Vor diesem Hintergrund ist der Preis von derzeit 189 Euro (es gibt fast laufend Sonderangebote auf den einschlägigen Portalen) mehr als gerechtfertigt, gerade auch, weil Translation Office 3000 über eine “normale” Buchhaltung weit hinausgeht.

Es gibt übrigens eine Demoversion, die auf 30 Tage und 50 Kunden beschränkt ist.

www.translation3000.com

22. Oktober 2009, 20:20 · Kommentar/e [4] · Kategorien & · Tags , , ,

Zweieinhalb Tipps zur Produktivität...

…mit dem XP-Rechner, gefunden in erster Linie dort.

  • Wer zum Deinstallieren immer noch die Windows-Systemsteuerung benutzt, sollte sich vielleicht mal Safarp anschauen, das eben diese Funktion systemweit übernimmt, aber weit, weit schneller ist (via T&B).
  • Ähnliches gilt für die Ersetzung des Windows Explorers. Hier böte sich FreeCommander an (via T&B), das zwar sehr schnell ist, aber auch etwas spartanisch im Vergleich zum…
  • …liebgewonnenen UltraExplorer, auf den ich vor Wochen hier hingewiesen wurde.

12. Januar 2008, 13:31 · Kommentar/e [5] · Kategorien & · Tags , ,

MemoQ

Bei Ungarn denken die meisten von uns an Gulasch, Puszta und Piroschka. Zumindest Übersetzern sollte bei diesem Stichwort einfallen, dass von dort eine CAT-Software kommt, die es im Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit mit den Big Playern wie Trados und Déjà Vu aufnehmen kann: MemoQ, entwickelt vom kleinen, aber feinen Unternehmen Kilgray.

MemoQ erinnert mit seiner Oberfläche ein wenig an Déjà Vu und SDLX, ist aber eine Entwicklung mit eigenständiger Konzeption. Die Chefentwickler – Balázs Kis, István Lengyel und Gabór L. Ugray – legen großen Wert auf die Möglichkeit, MemoQ auch serverunterstützt zu betreiben. Dadurch ist MemoQ für Agenturen eine attraktive Alternative zu den bestehenden Lösungen. Ich habe mir die Freelancer-Version angeschaut.

Was kann MemoQ?

  • Bearbeiten von folgenden Formaten: Office (doc, ppt, xls), InDesign (INX), Framemaker (MIF), HTML, XML, Textdateien sowie präsegmentierte ttx- bzw. zweisprachige RTF-Dateien (hinzu kommen einige andere, seltenere Formate).
  • Alignment: Erfassung eines Quell- und Zieldokuments in eine Translation Memory (kurz TM).
  • Umfassendes Termbase- und TM-Management, Einlesen von CSV und TMX-Dateien möglich, Benutzen mehrerer Termbases oder TMs möglich.
  • umfassend konfigurierbare Statistik-Funktionen nach Art von MemoQ und im Trados-Stil (der Unterschied wird in der Hilfe erklärt)
  • MemoQ soll auf Intel-Macs und auf allen Os mit allen Arten von Virtual Machines laufen (da NET 2.0 benötigt wird, bin ich für Linux aber ein wenig skeptisch) – beides habe ich nicht getestet.

Wodurch hebt sich MemoQ von anderen Lösungen ab?

Für die Macher von MemoQ sind einzelne Übersetzer und die Gemeinschaft besonders wichtig. Das bemerkt man an

  • einer ausführlichen Programmbeschreibung und FAQ bei Wikibooks (sicherlich noch ausbaufähig, bereits jetzt einschließlich einer Wishlist).
  • einer Yahoo-Mailingliste, an der die Entwickler sehr aktiv teilnehmen, sich jedes Problems annehmen und auch umgehend Lösungen präsentieren.
  • Entwicklungstempo und -qualität gerade im Vorfeld der just präsentierten Version 2.2 sind äußerst beeindruckend.

Daneben gefallen folgende Punkte

  • weitgehende Einstellungen u.a. für Filter, Segmentierung und Autotranslatables möglich.
  • alle Tastaturkürzel können angepasst werden.
  • parametrisierte oder individuelle Einstellung und Anpassung der Exportverzeichnisse möglich.
  • sehr intuitiv gestaltete Oberfläche, Unterstützung des üblichen Workflows beim Anlegen von Projekten
  • Anzeige des prozentualen Fortschritts – projekt- und dokumentbezogen (nach Segmenten)
  • gleichzeitiges Öffnen mehrerer Dokumente möglich (Anordnung mit Reitern)
  • Semi-WYSIWYG-Oberfläche, das heißt, es gibt die Möglichkeit, fetten, kursiven oder unterstrichenen Text sofort im Programm zu erkennen und/oder zu erstellen.
  • Sortieren und Filtern der Übersetzungseinheiten (Quell- oder Zieltext von A-Z, nach Länge oder Begriffen) – das ist eine geniale Funktion, die mit Version 2.2 eingeführt wurde (dieses Feature gibt es auch in DVX). Funktioniert auch dokumentübergreifend (sogenannte Views).
  • MemoQ ist vergleichsweise schnell (nach Aussagen Dritter auf der Liste v.a. beim Import von TMs).
  • Kontextsensitive Matches. Das heißt, es gibt 100%-Matches, wenn die Quellsegmente gleich sind, und 101%-Matches, wenn nicht nur die Quellsegmente, sondern auch ein benachbartes Quellsegment gleich sind. Mathematisch betrachtet ist das Schwachsinn, aber Übersetzer sind ja keine Mathematiker und irgendwie muss man ja die beiden Fälle auseinander halten. Auf jeden Fall ist das eine nerven- und zeitschonende Funktion.
  • der Preis ist schlichtweg attraktiv. Man bekommt MemoQ entweder in der Version 2.0 als Postcardware und bekommt die nächsthöhere Version 2.1 für 99 Euro. Oder man investiert 399 Euro und erhält sein Leben lang Upgrades. Ein Schnäppchen geradezu und eine Aufforderung an überzeugte DVX- oder Trados-Nutzer, sich evtl. ein Zweit-CAT zuzulegen. Wem dieser Preis hoch erscheint, sollte sich die Preise für andere CAT-Tools anschauen, vor allem die Preise für jährliche Updates. Wäre ich ein böser, lästerhafter Mensch, würde ich behaupten, dass MemoQ die erste professionelle CAT-Lösung ist, die sich auch Literaturübersetzer (der ich nicht bin…) leisten können.
  • die voll funktionsfähige Demoversion hat eine Laufzeit von 90 Tagen – hier ist man der Konkurrenz deutlich voraus (meines Wissens bietet nur Metatexis 60 Tage, alle anderen Anbieter 30 Tage). Danach läuft eine freie Version weiter, die aber nur ein Dokument mit einer TM zulässt – für sehr kleine Übersetzungen immer noch ein gangbarer Weg.

Was fehlt?

Schwierige Frage, das ist nämlich abhängig davon, welches Programm man bis dato benutzt hat.

  • Etwas mehr Projektmanagement wie bei across wäre hilfreich für Leute, die sich einbilden, multitaskingfähig zu sein (z. B. Kalender- und Notizfunktionen)… die Lösung für Agenturen soll dahingehend etwas bieten.
  • leichterer Umgang mit Tags in ttx-Dateien (soll mit Version 2.3 kommen)
  • ähnlich schwierig ist der (in meinem Falle seltene) Umgang mit äußerst stark formatierten Texten, vor allem, wenn Tags umgestellt werden müssen (für richtiges Layout gibt es ja auch eigentlich Adobe InDesign (inx) und Framemaker (mif), das MemoQ ebenfalls bearbeiten kann).
  • deutsche Lokalisierung und Auto-Update-Funktion (kommt beides mit der aktuellen Version 2.2)
  • ein wunder Punkt ist die von Microsoft Word in MemoQ eingebundene Rechtschreibprüfung, die arg langsam ist. Den Entwicklern ist das Problem bekannt und eine Lösung ist anvisiert.
  • Unterstützung für StarOffice/OpenOffice (dafür gibt es bislang nur ein umständliches Workaround)
  • Die Installationsroutine muss zuerst entzippt werden (wie bei DVX). Kein Problem für 99% aller Nutzer, grundsätzlich, diese Anforderung könnte aber gerade bei Übersetzern einen großen Teil der Zielgruppe überfordern (kleiner Scherz auf Kosten der Übersetzer).

Für wen ist dieses Tool geeignet?

  • Anfänger, die sich nicht oder nicht sofort mit der Preispolitik anderer Anbieter auseinander setzen mögen
  • Anwender, die häufiger schnellen und effizienten Support brauchen (die Mailingliste ist in Englisch – einer der beiden Chefentwickler spricht aber hervorragend Deutsch…) – Mailinglisten gibt es natürlich auch für einige andere Tools….
  • Fortgeschrittene, die ein weitestgehend flexibles, schnelles CAT-Tool als Ersatz oder in Ergänzung des bisher verwendeten Werkzeugs benutzen wollen, oder denen o.g. Preispolitik langfristig auf den Magen schlägt…

Einiges an MemoQ ist verbesserungswürdig, betrachtet man jedoch – wie bereits erwähnt – den intensiven Dialog der Entwickler mit den Anwendern und die Entwicklungsgeschwindigkeit, kann man diesbezüglich ausgesprochen zuversichtlich sein. Betrachtet man die bislang geringe Resonanz im deutschsprachigen Raum – legt man insbesondere Dr. Google zugrunde – lässt sich MemoQ hierzulande durchaus noch als Geheimtipp bezeichnen. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich MemoQ erwerben und auch in Zukunft einsetzen werde.

Nachtrag: Mehr zu CAT-Tools gibt es hier.

11. November 2007, 20:51 · Kommentar/e und Trackback/s · Kategorien & · Tags , , , , ,

CAT-Tools im Vergleich

Aus beruflichen Gründen setze ich mich derzeit verstärkt mit CAT-Tools auseinander. CAT steht für Computer-Aided Translation. Die Bandbreite der Funktionen dieser Werkzeuge ist auch für Außenstehende sehr erstaunlich.

Zu den Faktoren, mit denen ich mich jeweils beschäftigen werde, gehören:

  • Systemvoraussetzungen und Installation
  • Programmoberfläche
  • Workflow und Projektmanagement
  • Möglichkeiten der Termextraktion
  • Translation Memories
  • Kompatibiltät mit anderen Tools
  • Preis und Verbreitung

Die Programme und Hilfsmittel, zu denen ich etwas schreiben werde, sind u.a. OmegaT, across, SDLX und Trados, MemoQ, Heartsome und Metatexis (bitte keine Hinweise auf Wordfast, das mag ich nicht). Die Artikel werden sich unter dem Tag cat-tools finden und sind natürlich recht subjektiv – wer es nüchterner und langweiliger mag, solle dort nachlesen (auf jeden Fall ein lesenswerter Bericht).

1. Juli 2007, 20:58 · Kommentar/e und Trackback/s [5] · Kategorien & · Tags , , , ,

xt: Commerce - Spiel, Spaß, Spannung

In den letzten Wochen habe ich mich beruflich mit xt: Commerce befasst. Es handelt sich dabei um eine Open Source (GPL) Shop-Lösung, die auf osCommerce basiert.

Herausgekommen ist das virtuelle Antiquariat eines sehr guten Kunden (meine treuen Leser dürfen dieses Antiquariat jetzt gerne stürmen und alles kaufen, was bei drei nicht auf den Regalen ist, hoffe ich, aber ist das nur nebenbei ein kleiner Kaufbefehl).

Was fällt an dieser Software-Lösung auf?

  • Sie ist preiswert. Rund EUR 100,- für eine Shop-Lösung ist im Grunde nicht viel. Im Vergleich zu osCommerce gibt es eine ganze Reihe praktischer Tools, für die man ansonsten viel Zeit und/oder Geld investieren müsste. Einige Philanthropen setzen die Software frei ins Internet, damit hat man jedoch keinen Zugriff auf das Support-Forum – und das ist nicht ganz so glücklich (siehe nächster Punkt).
  • Sie ist schlecht dokumentiert. Es gibt (noch) kein ausführliches Handbuch und die Dokumentation muss man sich aus dem Supportforum zusammen klauben. Das ist recht mühsam.
  • No server, no party. xt:Commerce stellt hohe Anforderungen an den Server. Bei dem Versuch, die Geschwindigkeit des Shops zu verbessern, wird im Forum der Schwarze Peter gerne grundsätzlich dem Provider zugeschoben. Diese Haltung ist ein bisserl enttäuschend. Denn durch das Abschalten nicht benötigter Funktionen und Module kann xt:Commerce durchaus optimiert werden – nur geht dies nicht so komfortabel wie erhofft.
  • Inhalt und Form sind nicht getrennt. Hört sich nicht weltbewegend an, ist es aber. Denn: a) xt:Commerce setzt auf Tabellendesign – die entsprechende Unmenge an HTML-Tags ist nicht gerade suchmaschinenfreundlich. In meinem Beispiel wurde das Tabellendesign bislang nur rudimentär entfernt. b) Der HTML-Code findet sich unterschiedlich formatiert quer durch alle Dateien. Eine saubere Arbeit mit CSS ist so sehr mühselig. c) Ähnliches gilt für Textbausteine, die man gerne ändern möchte. – Es gibt – immerhin – tabellenloses Design zum Kauf bei Drittanbietern – das kostet allerdings erneut zwischen EUR 100,- und 200,- (mit oder ohne Copyright-Vermerk). Ähnlich undankbar ist der vorhandene Editor für verschiedene Textbausteine wie Startseite, Impressum etc., der für simple Formatierungen word-like ellenlange Ketten von HTML-Tags erstellt. Und nicht jeder Endkunde mag mit dem Quelltexteditor hantieren.
  • Suchmaschinenfreundliche URLs gibt es nicht. Zwar akzeptiert Google inzwischen auch messy URLs, aber saubere URLs sind nicht nur schicker, sondern bringen das mögliche Suchwort um einige Zeichen früher.

Trotz aller Kritik: Wer einmal seinen Shop erfolgreich eingerichtet hat, wird dank seiner vielen Funktionen Freude an xt:Commerce haben. Gold und Geld wert ist der Froogle-Export.
Man sollte aber jemanden an der Hand haben, der HTML, CSS und Grundkenntnisse in PHP hat. Referenzkunden wie Die Zeit oder der WDR werden ihre Gründe haben, betreiben xt:Commerce aber offensichtlich nicht off the box.

10. April 2007, 19:13 · Kommentar/e und Trackback/s · Kategorien & · Tags , ,


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